RegioPlan: Überhitzungen rechtzeitig erkennen
 
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Überhitzungen rechtzeitig erkennen

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V. l. n. r.: Alexander Korosec (Bestseller), Rudi Kobza (Lowe GGK), Sophie Karmasin (Karmasin Motivforschung), Joan Rouras (Desigual) und Moderator Henning Hinze (Financial Times Deutschland) führten im Rahmen des 7. Expertenforums eine interessante Podiumsdiskussion. © RegioPlan
V. l. n. r.: Alexander Korosec (Bestseller), Rudi Kobza (Lowe GGK), Sophie Karmasin (Karmasin Motivforschung), Joan Rouras (Desigual) und Moderator Henning Hinze (Financial Times Deutschland) führten im Rahmen des 7. Expertenforums eine interessante Podiumsdiskussion. © RegioPlan

Welche Parameter deuten auf eine Überhitzung der Märkte hin? Und wenn die Krise mal im Haus ist, wie gehen wir damit um? Diesen Fragen in Zusammenhang mit der Vergangenheit und Zukunft der Immobilien- und Handelsinvestitionen im CEE-/SEE-Raum gingen die rund 200 Teilnehmer des 7. Expertenforums von RegioPlan am 20. Oktober 2011 nach.

Um Überhitzungen bestmöglich vorzubeugen plädierte Mag. Mark Ruhsam, Pressesprecher von RegioData Research, in seinem Vortrag dafür, bei der Absicherung von Investitionen weniger auf das Bauchgefühl und statt dessen mehr auf Daten zu hören. So zeigte Ruhsam auf, dass während die modernen Retailflächen im osteuropäischen Schnitt seit den 1990er Jahren um das Vierfache anstiegen, sich die Kaufkraft im gleichen Zeitraum nur verdoppelte. Ab dem Jahr 2005 ging die Schere so weit auseinander, dass man von einer Überhitzung sprechen konnte.

Dass Zeichen der Überhitzung von Märkten oftmals schön geredet werden, erklärte Mag. Reinhard Madlencnik, Head of Real Estate bei der UniCredit Bank Austria AG. Der seit rund zwei Jahrzehnten für die Bank Austria tätige Experte hat einige Krisen schon erlebt und für ihn ist es entscheidend, wie sich die anderen Marktteilnehmer verhalten. Wenn alle beginnen das Gleiche zu tun, dann ist für ihn Feuer am Dach. Dem widersprach Dr. Manfred Wiltschnigg, Member of the Executive Board bei der Immofinanz, wie folgt: „Es wäre kein guter Tipp genau das nicht zu tun, was alle anderen tun. Nach dem Motto: Ich gehe nicht nach Polen sondern in die Ukraine, weil die Immofinanz schon in Polen ist.“

Ein weiteres Thema der Veranstaltung war der bevorstehende Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union. So zeigte Dr. Stefan Ederer als Forschungsbereichskoordinator des WIFO auf, welche positiven Effekte der Beitritt haben wird: Intensivierung des Handels, Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit und insgesamt mehr Wachstum, eine stärkere Mobilität von Arbeit und Kapital sowie eine Neuverteilung der EU-Mittel zu Gunsten schwächer entwickelter Regionen in den neuen Mitgliedsländern. Dadurch ergeben sich auch für Investoren interessante Potenziale.

Wie es um Handels- und Handelsimmobilieninvestitionen im CEE-/SEE-Raum bestellt ist, darüber diskutierten Händler, Konsumentenforscher und Werbestrategen. Während sich der spansische Modehändler Desigual als the new fresh and healthy fish in der europäischen Modehändlerszene versteht und sich auf einen starken Expansionskurs auch in Südosteuropa von Slowenien bis in die Türkei befindet, ist das dänische Modeunternehmen Bestseller (Jack & Jones, Vero Moda, etc.) stärker auf Polen, Tschechien und die Slowakei fokussiert. Apropos Türkei: „Das beste Shopping Center der Welt ist der Große Bazar in Istanbul“, antwortete Joan Rouras, Head of Expansion bei Desigual auf die Frage, welches Einkaufszentrum aus seiner Sicht das beste sei. „Es (über)lebt seit 100 Jahren ohne jegliches Refurbishment!“

Gerade rund um das Thema Einkaufszentren entfachte eine lebendige Diskussion: Einerseits betonen Händler die Individualität ihrer Marke, andererseits setzen sie durch ihre internationale Expansion einen globalen Konsumenten voraus. Daraus resultiere auch, dass Einkaufszentren von Shanghai über Astana bis New York ziemlich ähnlich aussehen. Die Schlussfolgerung, dass die Individualität dabei auch ein Stück verloren gehe, liegt nahe. Vor diesem Hintergrund plädiert MMag. Dr. Sophie Karmasin, CEO Karmasin Motivforschung GmbH für eine stärkere Differenzierung von Einkaufszentren. Diversen Studien aus ihrem Hause zufolge komme der typische Konsument eines Shopping Centers eher aus einem Unterhaltungs- und Spaßmilieu, während die anderen Zielgruppen diese Art von Handelsagglomerationen nicht so oft aufsuchen. Die Konsumentenforscherin unterscheidet zwischen einem Niveau-, einem Selbstverwirklichungs-, einem Unterhaltungs- und einem Harmoniemilieu. Einkaufszentren sollen mehr Wert auf Regionalität oder nachhaltige Produkte setzen, so Dr. Karmasin, denn wir leben im Zeitalter der Value Driven Consumers. Dies bestätigte auch der Werbeprofi Rudi Kobza von Lowe GGK: Unternehmen können erfolgreich Krisen überleben, wenn sie einerseits die Marke langjährig pflegen, andererseits die Veränderungen in der Gesellschaft rechtzeitig erkennen und ansprechen.

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