Unser Ö-Bonus Club : jö Bonus Club droht Date...
 
Unser Ö-Bonus Club

jö Bonus Club droht Datenschutzstrafe

Jonas Leupe/unsplash.com

Zwei Millionen Euro soll Unser Ö-Bonus Club gemäß eines Bescheids der österreichischen Datenschutzbehörde aufgrund mangelhafter Informationen über den Einsatz personenbezogener Daten für Profiling zahlen müssen. jö kündigt Beschwerde an.

Die Frage, ob man eine jö-Karte habe oder wolle, hat wohl jeder Österreicher beim Einkaufen schon einmal gehört. Kein Wunder, immerhin nutzen sie vier Millionen Österreicher bei 16 Partnern - von Billa über Libro bis hin zu OMV-Tankstellen -, an mehr als 5.000 Standorten. Das sind jede Menge Daten, die der jö-Bonus-Club täglich erhält. Was damit passiert? "Nicht viel", beteuerte Geschäftsführer Mario Günther Rauch noch im Mai gegenüber CASH (zu lesen im Cover ab S. 48 der Mai Ausgabe). Man könne damit besser auf individuelle Kundenbedürfnisse eingehen, an die Partner werden die Daten nicht weitergegeben. "Hier geht es ganz stark um das Vertrauen, die Kunden wollen wissen, wo ihre Daten hingehen", so Rauch. Sogar eine eigene, unabhängige Datenschutz-Expertengruppe wurde vergangenen Sommer eingerichtet. "Es ist ungewöhnlich so eine Gruppe zu gründen, doch wir wollen das komplexe Datenschutzthema auch nach außen verständlich darstellen", sagte damals Anwalt und Vorsitzender der Expertengruppe Rainer Knyrim, der weiter betont, dass die Daten nicht detailliert ausgewertet werden. Auch wenn es seiner Meinung nach sinnvoll sein könnte, auch im Interesse der Kunden, Profiling zu betreiben, um Zielgruppen einzuteilen - natürlich nur mit deren Einwilligung.

Genau zu diesem Punkt spießt es sich nun aber. Wie der Standard berichtete, soll das Kundenbindungsprogramm bei der Konzeption seiner Einwilligungserklärungen "geschlampt" haben und damit gegen die seit 2018 geltende Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verstoßen haben. Die Datenschutzbehörde hat einen Bescheid gegen die Unser Ö-Bonus Club GmbH erlassen. Konkret beanstandet die Datenschutzbehörde nach Standard-Informationen die Formatierung auf der Webseite des Clubs sowie auf Anmeldeformularen, die an Kunden verteilt wurden, wonach Nutzer, die sich im Zeitraum vom Mai 2019 bis März 2020 anmeldeten, unzureichend informiert wurden.

Verdeckte Zustimmung

Beim Profiling werden persönliche Daten gesammelt, um zum Beispiel Werbekampagnen zu gestalten oder das Kaufverhalten zu analysieren, um so das Angebot anzupassen. Die Datenschutzbehörde sieht im Profiling ein besonderes Risiko, weil bestimmte Aspekte einer Person bewertet und eine Vorhersage über ihr Verhalten in der Zukunft getroffen werden kann. Werden diese Daten an Dritte weitergegeben, könne das zu Problemen für Betroffene führen. Deshalb muss die Auskunft, was mit den Daten passiert, klar und leicht verständlich zum Ausdruck gebracht werden. Das soll beim jö Bonus Club nicht der Fall gewesen sein. Der Club habe den Eindruck vermittelt, Kunden würden sich nur für Rabatte und Gutscheine anmelden, heißt es in der Standard-Recherche. Sofern sie nach unten scrollten, hätten sie erfahren, dass sie sich zum sogenannten Profiling bereit erklären, also zur Weiterverwendung persönlicher Daten, um künftige Prognosen zu treffen. Bei den direkt sichtbaren Optionen wurde auf den Erhalt von "exklusiven Vorteilen und Aktionen" verwiesen. Auch beim Flyer sollen Unterschriften trickreich eingeholt worden sein. 2,3 Millionen Menschen haben auf diese Weise ihre Zustimmung gegeben.

Das Urteil, wonach jö zwei Millionen Euro zahlen muss, ist noch nicht rechtskräftig.

jö legt Beschwerde ein

Unser Ö-Bonus Club wehrt sich gegen die Vorwürfe und kündigt an Beschwerde bei Gericht einzureichen. In einer offiziellen Stellungnahme schreibt das Unternehmen: "Zum Zeitpunkt dieser Erstellung war die DSGVO ein noch junges Gesetz, bei dem es an Judikatur fehlte. Dem Beratungsanspruch seitens des jö Bonus Clubs kam die Datenschutzbehörde nicht nach - obwohl es im Gesetz "Beratung vor Strafe" heißt und Beratung ausdrücklich als Aufgabe der Datenschutzbehörde genannt wird. jö hat aufkommende Bedenken erkannt und die Gestaltung der Einwilligung zum Profiling dementsprechend umgesetzt. Dennoch soll jö zwei Millionen Euro zahlen. jö wird gegen diese Entscheidung Beschwerde bei Gericht einlegen."

Als die Datenschutzbehörde am 22. Jänner ein Verfahren anstrengte, habe man sofort reagiert, so das Kundebindungsprogramm: Die Einwilligung zum Profiling über die "jö äpp" und den "jö Tower" hat die Datenschutzbehörde für in Ordnung befunden. Die Einwilligung zum Profiling über die jö Website und das Papierformular sollte, laut Meinung der Datenschutzbehörde, anders gestaltet sein - zum Beispiel Platzierung und Schriftgrößen. Die Einwilligung über das Papierformular wurde im Februar 2020 laut jö eingestellt, sowie die Gestaltung der Einwilligung auf der Website im März 2020 gänzlich überarbeitet. Die Vorwürfe beziehen sich somit auf die Gestaltung von Einwilligungsstrecken, die seit mehr als einem Jahr nicht mehr in Verwendung sind, heißt es. Seither hat man zudem weitere Schritte umgesetzt. "Da die Kundenbedürfnisse bei jö stets im Mittelpunkt des Handels stehen und ein transparenter und sauberer Umgang mit Daten für das Kundenbindungsprogramm fundamental ist, hat die jö Geschäftsführung eine ganze Reihe hochkarätiger Datenschutzexperten und renommierter Anwälte zurate gezogen. Der Anspruch von jö ist es, das beste Kundenbindungsprogramm Österreichs zu sein und dem Vertrauen der über vier Millionen jö Mitgliedern gerecht zu werden", beteuert man bei jö. Unter anderem auch die unabhängige Datenschutz-Expertengruppe.
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