Sozialmärkte, Teil 2: Verwerten statt vernich...
 
Sozialmärkte, Teil 2

Verwerten statt vernichten

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Handel und Industrie lassen ihre Waren aus Überproduktion zunehmend Bedürftigen zugute kommen. Dennoch stellt neben der Finanzierung, die Warenbeschaffung eine der größten Herausforderungen für Österreichs Sozialmärkte dar.

In unserer Überflussgesellschaft sehen wir es als unsere Aufgabe, bedürftige Menschen zu unterstützen. Als gut gehendes Unternehmen sind wir gerne bereit, unsere Produkte jenen zur Verfügung zu stellen, die es sich momentan nicht leisten können", erklärt Maria Kitzler, Pressesprecherin der NÖM AG. Nöm unterstützt mittlerweile Sozialmärkte in ganz Österreich, die Wiener Tafel sowie die Gruft mit verschiedenen Milchgetränken. Auch Danone stellt Produkte, die ein knappes Mindesthaltbarkeitsdatum aufweisen und daher für den Verkauf nicht mehr geeignet sind, sozialen Einrichtungen kostenlos zur Verfügung. Diese vorbildliche Idee wird auch von Iglo unterstützt. Dr. Rainer Herrmann, Geschäftsführer Iglo Austria GmbH, meint dazu: „Einerseits wollen wir bedürftigen Menschen helfen, andererseits kommt es immer wieder zu kleinen Überproduktionen, die auf diese Weise eine sinnvolle Verwendung finden". Claudia Freitag, PR-Verantwortliche der Ankerbrot AG, bestätigt dies: „Auch bei uns lässt sich in der Produktion ein gewisses Maß an Überschuss- oder auch Ausschussware nicht verhindern". Damit diese nicht im Müll landet, spendet Ankerbrot täglich 300 kg Brot und Gebäck an die beiden Sozialmärkte von Alexander Schiel, sowie 100 Brote täglich an den Sozialmarkt des Wiener Hilfswerks.

Keine Konkurrenz zum Handel

Nicht nur die Industrie, auch der Handel steht Sozialmärkten zunehmend offen gegenüber, wie Spar-Unternehmenssprecherin Mag. Nicole Berkmann bestätigt: „Sozialmärkte sind keine Konkurrenz zu Supermärkten, wir sehen das eher als eine sinnvolle Ergänzung." Spar unterstützt an einigen Standorten Sozialmärkte. Beispielsweise sammelt der Interspar Hallein Produkte, die im Lauf der Woche aussortiert werden oder über das Wochenende nicht mehr verkauft werden können. Diese werden dann gegen Ende der Woche von den Mitarbeitern der Laube Hallein abgeholt. Nennenswerte Warenmengen fallen vor allem in den Verbrauchermärkten an. So stellt auch Merkur, die Verbrauchermarktschiene der Rewe Group Austria, bereits seit 15 Jahren vor allem Brot und Gebäck sowie Milchprodukte verschiedenen gemeinnützigen Einrichtungen zur Verfügung. Die Tiroler Handelskette MPreis unterstützt die drei Sozialmärkten in Innsbruck, Schwaz und Imst mit Waren und stellt diese in den Filialen bzw. im Lager zur Abholung bereit.

Nennenswerte Warenkontingente fallen zudem bei Metro an. Jeder der Metro-Großmärkte sammelt bereits Waren, die dann Sozialmärkten, der Wiener sowie der Pannonischen Tafel, der Gruft oder SOS-Kinderdörfern zur Verfügung gestellt werden. Mag. Christine Thurner, Pressesprecherin von Metro Cash & Carry Österreich, lobt hier besonders die Zusammenarbeit mit der Tafel: „Der Verein verfügt mittlerweile über eine beachtliche Größe und Professionalität."

Pfeiffer als Soma-Pionier

Einer, der die Idee von „Verwerten statt Vernichten" von Anfang an unterstützt hat, ist Gerhard Lassnig, Geschäftsführer von Pfeiffer Top Team Zentraleinkauf und neben Mag. Gerhard Steiner, nunmeriger Präsident von Soma Österreich & Partner, einer der Soma-Mitbegründer. In den Pfeiffer-Filialen und den Unimärkten werden für die Sozialmärkte Waren gesammelt und in das Zentrallager nach Traun geliefert. Mittlerweile wurde auch der Industrie die Möglichkeit eingeräumt, Warenspenden in das Pfeiffer-Lager zu schicken, wo sie von Soma abgeholt werden. „Sozialmärkte wurden in den letzten Jahren zunehmend zu einem öffentlichen Thema. Wir bemerken eine wachsende Unterstützung seitens der Unternehmen", lautet Lassnigs Resümee. Der Vorwurf, dass Handel und Industrie zu viele Waren wegwerfen, stimmt also nicht mehr ganz.

Die Warenhaftung

Doch obwohl das Engagement von Handel und Industrie in den letzten Jahren stetig gestiegen ist, gestaltet sich die Warenbeschaffung für die Sozialmärkte noch immer problematisch. Ein Nachfragen bei Handel und Industrie steht daher an der Tagesordnung. „Doch auch wir sind mittlerweile professioneller geworden und versuchen den Unternehmen möglichst entgegen zu kommen", erklärt Gerhard Steiner. So garantiert Soma, dass abzugebende Waren vollständig abgeholt werden und regelt intern mit seinen Partnern deren Verteilung. Aufgrund des großen Warenbedarfs ist es jedoch für alle Sozialmärkte notwendig, sich zusätzlich nach Produktspenden zu erkundigen. Frischewaren, Obst und Gemüse sowie Waren, die kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen, werden vor dem Verkauf nochmals auf ihre Genusstauglichkeit hin geprüft. Abgelaufene Waren werden als solche gekennzeichnet und unter Aufsicht durch die Lebensmittelbehörde zum Verkauf freigegeben. Denn für die Unbedenklichkeit des Verzehrs haftet immer jene Organisation, die die Waren übernimmt und den jeweiligen Sozialmarkt betreibt. „Bisher kam es aber noch nie zu Beanstandungen", so Lassnig.

Kosten decken

Neben der Warenbeschaffung stellt die Finanzierung für die meisten sozialen Einrichtungen die größte Herausforderung dar. Denn auch wenn die Waren, die in den Sozialmärkten verkauft werden, von Handel und Industrie kostenlos zur Verfügung gestellt werden, meint Steiner: „Nur durch den Verkauf der Waren könnten wir uns nicht finanzieren". Daher sind Sozialmärkte auch stark auf Gelder von Spendern und Sponsoren, Gemeinden bzw. Stadt/Land sowie auf die freiwillige Mitarbeit ehrenamtlicher Mitarbeiter angewiesen. In einigen Bundesländern werden durch eine Kooperation mit dem AMS auch Langzeitarbeitslose vermittelt. Nur in wenigen Fällen sind Mitarbeiter angestellt. Gewinne erzielen die Sozialmärkte in der Regel jedenfalls nicht. Dazu meint etwa Martina Goetz, Kommunikationsleiterin des Wiener Hilfswerks: „Wir sind froh, wenn wir kostendeckend arbeiten." Zudem dürfen laut Wirtschaftskammer Österreich gemeinnützige Vereine, zu denen Sozialmärkte zählen, „nicht gewinngerichtet arbeiten." Allfällige Gewinne werden daher an gemeinnützige Einrichtungen gespendet und kommen dadurch wieder einem guten Zweck zugute.

In den Sozialmärkten werden die Produktspenden an Bedürftige verteilt.
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In den Sozialmärkten werden die Produktspenden an Bedürftige verteilt.
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