Stiegl: Vielfalt statt Patente
 
Stiegl

Vielfalt statt Patente

Foto Neumayr/Leo
Bei den „Wildshuter Feldgesprächen“ (v. l.): der Präsident des Europäischen Forum Alpbach Dr. Franz Fischler, Bio-Pionier und Autor Georg Schweisfurth, Arche-Noah-Geschäftsführerin Mag. Beate Koller, Stiegl-Chefbraumeister Christian Pöpperl und der Saatgut-Austria-Obmann Dr. Michael Gohn © Foto Neumayr/Leo
Bei den „Wildshuter Feldgesprächen“ (v. l.): der Präsident des Europäischen Forum Alpbach Dr. Franz Fischler, Bio-Pionier und Autor Georg Schweisfurth, Arche-Noah-Geschäftsführerin Mag. Beate Koller, Stiegl-Chefbraumeister Christian Pöpperl und der Saatgut-Austria-Obmann Dr. Michael Gohn © Foto Neumayr/Leo

In der von der Stieglbrauerei initiierten Gesprächsreihe „Wildshuter Feldgespräche“ stand kürzlich das Thema „Vielfalt statt Patente“ auf dem Programm – es ging um die Patentierung der Braugerste.

Bekanntlich haben die beiden internationalen Braukonzerne Carlsberg und Heineken Patente auf konventionell gezüchtete Braugerste und ihre braubeschleunigenden Eigenschaften eingebracht. Das Problem dabei: Die Patente erstrecken sich auf alle Braugersten, die diese patentieren Eigenschaften haben, kurzum auf alle Produkte daraus – wie Malz, Bier andere Getränke – und Produkte, die aus Gerste mit den patentierten Eigenschaften hergestellt werden.

Bei den regelmäßig stattfindenden „Wildshuter Feldgesprächen“, zu denen die Brauerei Stiegl einlädt, hat kürzlich eine kompetente Runde dieses Problem diskutiert. Das Unternehmen hat in einer Aussendung ein paar Statements der Diskutanten veröffentlicht, die hier kurz wiedergegeben werden sollen.

Die Arche Noah-Geschäftsführerin Beate Koller bezieht sich auf die in den Patenten enthaltenen Ausnahmeregelungen für Landwirte, die, womöglich ohne es zu wissen, patentierte Pflanzen anbauen: „Eine solche Ausnahme gibt es aber nicht für Unternehmen, die unabsichtlich patentierte Pflanzen verwerten. Es ist allerdings nicht immer gleich erkennbar, ob Braugerste unter ein Patent fällt. Gerste kommt ja nicht mit einem Patente-Stempel daher.“ Für andere Brauereien entstünden nicht nur Wettbewerbsnachteile, sondern auch rechtliche Unsicherheiten.

Christian Pöpperl, Chefbraumeister der Stieglbrauerei, schlägt in dieselbe Kerbe: „Je mehr Gersten-Eigenschaften patentiert werden, desto weniger genetische Vielfalt wird den Privatbrauern zur Verfügung stehen. Da es wohl wirtschaftlich interessante Eigenschaften sind, die patentiert werden, wird die ‚beste‘ Gerste am Ende nur den Großkonzernen vorbeihalten sein. Und: Die internationalen Braukonzerne haben ja auch von der Züchtungsarbeit früherer Generationen profitiert, um diese Braugerste zu entwickeln.“

Michael Gohn, Obmann des Verbands Saatgut Austria, sieht das zwar auch kritisch, aber weniger dramatisch: Die Entscheidung sei ein Schritt „zu mehr Rechtssicherheit für Züchter, Landwirte und Unternehmen in der weiteren Wertschöpfungskette sowie einer Stärkung des Sortenschutzes. Mit dem Passus, dass im Wesentlichen biologische Züchtungsprozesse von der Patentierbarkeit ausgeschlossen sind, wird eine langjährige Forderung von Saatgut Austria umgesetzt. Doch wir müssen auch ehrlich sagen: Es bleiben weiterhin einige rechtliche Graubereiche bestehen.“

Franz Fischler, Präsident des Europäischen Forum Alpbach und ehemaliger EU-Landwirtschaftskommissar, merkt dazu an: „Neuzüchtungen von Nutzpflanzen unterliegen ohnedies dem Sortenschutz und dieser ist völlig ausreichend, um die geistigen Eigentumsrechte des Züchters zu schützen. Eine zusätzliche Patentierung der Zuchtmethode ist grundsätzlich abzulehnen, weil es völlig inakzeptabel ist, dass Saatzuchtfirmen eine Monopolisierung der Pflanzenzucht zugestanden wird. Abgesehen davon wäre es angesichts des wachsenden Klimawandels fatal zuzulassen, dass die genetische Vielfalt unnotwendigerweise eingeengt würde.“

Bio-Pionier und Autor Georg Schweisfurth schließlich plädiert für die Erhaltung der Vielfalt: „Die fortschreitende Monopolisierung wird zu einer weiteren Verarmung an Genuss und Vielfalt führen. Das kann nicht im Sinne der Menschen sein, die eine intakte schöne Welt haben wollen. Vielfalt und die stabile Symbiose der Pflanzen und Tiere ist die Grundlage unserer Gesundheit. Eine Steppe der Eintönigkeit kann nicht gesund sein. Es ist wie das Abtöten von Bakterien in Lebensmitteln. Das Gleichgewicht ist dahin, und es entstehen Krankheiten.“
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