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Walter Hitziger: Gefangen in der Hochgeschwindigkeitsgesellschaft – Entschleunigung als Strategie für die Zukunft?“

Johannes Brunnbauer
Post AG-Vorstand Walter Hitziger ©Johannes Brunnbauer
Post AG-Vorstand Walter Hitziger ©Johannes Brunnbauer

„Wer kann über Langsamkeit besser sprechen als ein Postler?“„ fragte DI Walter Hitziger, Vorstand der Österreichischen Post AG für die Division Brief, Werbepost & Filialen, mit viel Selbstironie am Beginn seines Vortrags. Äußerst launig und damit äußerst unterhaltsam für das Publikum zeigte er anhand vieler Beispiele, dass Kosten und Geschwindigkeit in der Logistikleistung nicht die alleinigen Maßstäbe sind.

Man müsse mit dem Thema „Geschwindigkeit um jeden Preis“ vorsichtig umgehen, so Hitziger, oft sei für die Kunden beispielsweise Verlässlichkeit ein wichtigerer Faktor als das Tempo. Bei der  Analyse von Kundenerwartungen zeige sich auch, dass die Kostenfrage an Bedeutung zunehme. So steige der Anteil der Non-Priority-Sendungen, bei denen kommerzielle Kunden zu günstigeren Konditionen auf eine Zustellung innerhalb von 24 Stunden verzichten. Man würde das Produkt auch gern Privatkunden anbieten, das sei aber aus rechtlichen Gründen derzeit nicht möglich.

Da Zeit generell kostbar sei, bemühe man sich seitens der Post, die Convenience für die Kunden zur erhöhen. Beispiele für die Kunden seien etwa die neue App zur Verfolgung von Paketsendungen. Auch eine eigene Postnummer für jeden Konsumenten sei eine interessante Option zum Vorteil der Kunden, allerdings sei das Projekt noch in einem sehr frühen Stadium. Entschleunigung finde aber konkret durch zahlreiche Maßnahmen zur Reduzierung des Ressourcenverbrauchs im Unternehmen statt, so etwa durch die automatische Begrenzung der Maximalgeschwindigkeit der Post-LKWs auf 82 km/h.

Dass sich Drohnen in der Zustellung durchsetzen werden, glaubt Hitziger nicht. Er hält Versuche in dieser Richtung, wie sie etwa Amazon durchführt, hauptsächlich für PR-Aktivitäten. Allerdings ist er überzeugt, dass Amazon mittelfristig dank eigener Zustelllogistik vom derzeitigen Kunden zum Mitbewerber mutieren könnte.
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