KSV 1870: Weniger Konkurse in Q1/2019
 
KSV 1870

Weniger Konkurse in Q1/2019

KSV1870
© KSV1870
© KSV1870

Der KSV 1870 hat seine Quartalsanalyse der Privat- und Unternehmenskonkurse veröffentlicht, und sie weist einen deutlichen Rückgang bei den Unternehmenspleiten aus.

In den ersten drei Monaten des Jahres 2019 sind 1.223 Unternehmen insolvent geworden (im Vorjahr: 1.330). Die eröffneten Verfahren gingen um 8,1 % auf 744 zurück, die mangels Vermögens nicht eröffneten Verfahren gingen um 11,1 % auf 479 Fälle zurück. Die Zahl der von Insolvenzen betroffenen Dienstnehmer lag mit ca. 4.000 Personen 42 % unter dem ersten Quartal 2018. Die zu regulierenden Verbindlichkeiten sanken um fast 32 % auf 355 Millionen Euro.

Die grundsätzlich erfreuliche Insolvenzentwicklung teilt sich unterschiedlich auf die einzelnen Bundesländer auf: Es gab mit Ausnahme von Salzburg und Tirol Rückgänge. Während in Salzburg der Zuwachs insgesamt zirka 2 % betrug, ist Tirol mit seinen rund 45 % ein ziemlicher Solitär. Dr. Hans-Georg Kantner, Insolvenzexperte vom KSV1870, sagt dazu: „Das muss kein Anlass zur Sorge sein. Tirol hatte im ersten Quartal 2018 (im Vergleich zu 2017) einen Rückgang von fast 30 % verzeichnet und ist somit aktuell wieder auf dem Stand von 2017 (74 Fälle).“ Die Bundesländer mit den stärksten Rückgängen an Insolvenzen sind das Burgenland (–26,4 %), Vorarlberg (–21,1 %) und die Steiermark (–19,8 %).

Schaut man auf die Branchen (bezogen auf die Anzahl der Fälle), zeigen sich unter den ersten drei alte Bekannte: unternehmensbezogene Dienstleistungen mit 212 Fällen, die Bauwirtschaft mit 208 Fällen und das Gastgewerbe mit 195 Fällen. Alle drei Branchen sind ausgesprochen groß, mit sehr vielen, teilweise sehr kleinen Unternehmen. Daher dürfe es nicht verwundern, dass diese drei Branchen das Ranking anführen, meint der KSV 1870 in einer Aussendung. „Niemand darf sich angesichts des momentanen österreichweiten Rückganges der Insolvenzen zurücklehnen. Es muss uns allen bewusst sein, dass die gegenwärtig niedrigen Insolvenzzahlen praktisch zur Gänze den niedrigen Zinsen geschuldet sind. Die Abkühlung der internationalen Konjunktur und vor allem auch der deutschen Industrieentwicklung werden für Österreich jedenfalls indirekt spürbar sein“, resümiert Hans-Georg Kantner.

Zum Abschluss ein Blick auf die Privatkonkurse, bei denen ebenfalls ein Rückgang verzeichnet wurde. Ein Rückgang der eröffneten Verfahren im ersten Quartal 2019 auf 2.428 bedeutet ein Minus von 348 Fällen, die zu regulierenden Verbindlichkeiten sanken gegenüber dem Vergleichszeitraum 2018 um fast 40 % auf 308 Millionen Euro. Der KSV 1870 bezeichnet das – nach dem sprunghaften Anstieg des Vorjahres (cash.at berichtete) – als Rückgang auf ein „erwartetes Normalniveau. Dies deshalb, weil die Insolvenzrechtsreform 2017 eine extreme Verwerfung des Insolvenzgeschehens bei den Bezirksgerichten Österreichs verursacht hat. Erst Rückgänge, weil die Schuldner die Reform abwarten wollten (deutlich günstigere Rechtslage) und dann ein drastischer Sprung der Zahlen nach oben, was zu den hohen Zahlen führte. Man konnte allerdings schon ab November 2018 beobachten, dass die monatlichen Eröffnungen unter denen des Jahres 2017 zu liegen kamen. Die stärksten Rückgänge gab es im Westen: Spitzenreiter ist Vorarlberg (–35,8 %), gefolgt von Tirol (–30,9 %) und Salzburg (–25 %).
stats