CASH Handelsforum 2013: Wie viele Regeln vert...
 
CASH Handelsforum 2013

Wie viele Regeln vertragen die Finanzmärkte?

Johannes Brunnbauer
Prof. Dr. Bernhard Felderer, Präsident des Staatsschuldenausschusses. ©Johannes Brunnbauer
Prof. Dr. Bernhard Felderer, Präsident des Staatsschuldenausschusses. ©Johannes Brunnbauer

Prof. Dr Bernhard Felderer brachte ein sperriges Thema - nämlich, warum staatliche Eingriffe den richtigen Weg zwischen Krisenprävention und Überregulierung finden müssen - anschaulich vor das Publikum beim CASH-Handelsforum.

Alles nur dem freien Spiel der Märkte zu zu überlassen, davon hält Bernhard Felderer nichts. Es gäbe einfach Märkte, die reguliert werden müssen, ist der Wirtschaftsexperte überzeugt. Als Beispiel nennt er diverse Netze, von Schienen über Pipelines bis zu Strom und Datenübertragung. Allerdings - dass man für diese Netze Regeln finden müsse, sei deshalb notwendig, um möglichst vielen Anbietern die Gelegenheit zu bieten, die Netze zum Transport ihrer Güter oder Dienstleistungen zu nutzen.

Auch die Finanzmärkte machen Regulierungen notwenig, führte Felderer weiter aus. Denn die weltweite Finanzkrise seit 2008 sei auch auf ein Versagen der Kontrollmechanismen zurückzuführen. Um die Verschuldungsproblematik in den Griff zu bekommen, bräuchte es neue Richtlinien. Das gelte gleichermaßen für Staaten und ihnen untergeordnete Gemeinwesen wie auch für Unternehmen auf dem Finanzsektor. So begrüßte Felderer grundsätzlich die Verpflichtung der Banken - etwa durch die Basel-III-Bestimmungen - zum Aufbau von höherem Eigenkapital und einer Neubewertung von Veranlagungsrisiken im Hinblick darauf.

Es wäre jedoch namentlich für den Banksektor in Europa falsch, das unter zu großem Zeitdruck umzusetzen oder ergänzt durch noch weitere Verschärfungen bei der Kapitalausstattung und der Risikobewertung durchpeitschen zu wollen. Felderer hält nur ein global einheitliches Vorgehen für sinnvoll und warnte eindringlich vor Wettbewerbsnachteilen angesichts anderer Bestimmungen in den USA oder durch den weiter völlig unregulierten und wachsenden Bereich sogenannter Schattenbanken oder zunehmender Fondsfinanzierungen. Eine klare Absage zum jetzigen Zeitpunkt erteilte er der beschlossenen Finanztransaktionssteuer. Diese Art einer Überregulierung käme "zur Unzeit", sei politisch unvernünftig, berge unter anderem die Gefahr einer Kreditklemme in sich und werde hinsichtlich ihrer Wirksamkeit aus Felderers Sicht als "reine Geldbeschaffungsaktion" mutmaßlich weit weniger erfolgreich sein als versprochen.

Lebenslauf Prof. Dr. Bernhard Felderer

Geboren: 1941

Ausbildung:

Studium an den Universitäten Wien und Paris

1966-1967: Research Assistant, Princeton University

1967-1968: Visiting Lecturer, University of North Carolina

1968-1974: Assistent am Institut für Wirtschaftspolitik und -forschung, Karlsruhe

Beruflicher Werdegang

1977: ein Semester Forschungs- und Lehrtätigkeit in der UdSSR.

1974-1991: Professor für Volkswirtschaftslehre in Köln,

1991-1995 in Bochum.

1991-2012: Direktor des Instituts für Höhere Studien, Wien.

Umfangreiche internationale Beratungstätigkeit für die Bundesregierung, Ministerien und Verbände in Deutschland und Österreich; ebenso persönliche Beratung von Regierungsmitgliedern in der Ukraine und Russland

Seit 2006 Präsident des österreichischen Staatsschuldenausschusses.

2002-2012 Mitglied des Generalrates der Oesterreichischen Nationalbank

2006-2010 Stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der ÖBFA

Buchveröffentlichungen

"Makroökonomik und Neue Makroökonomik"1984 sowie 2005, Homburg, Berlin

"Wirtschaftliche Entwicklung bei schrumpfender Bevölkerung", Springer Verlag,

"Bevölkerung und Wirtschaftsentwicklung", 1988, M. Sauga, Frankfurt,

"Public Pension Economics", 1993, Hrsg., Wien

"Forschungsfinanzierung in Europa", 1994,D. Campbell Wien

Zahlreiche Aufsätze in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und anderen Publikationsorganen.

Vortragstätigkeit:

Seit 1991 insgesamt zwischen 60 und 100 öffentliche Auftritte jährlich im In- und Ausland zu wirtschaftlichen bzw. wirtschaftswissenschaftlichen Themen.

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