Baumax/Obi: Will Obi Baumax schlucken?
 
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Will Obi Baumax schlucken?

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Obi soll mit Gläubigerbanken über eine mögliche Baumax-Übernahme verhandeln. ©Obi
Obi soll mit Gläubigerbanken über eine mögliche Baumax-Übernahme verhandeln. ©Obi

Nach Informationen der deutschen Lebensmittelzeitung (LZ) sollen zwischen der deutschen Tengelmann-Tochter Obi und Gläubigerbanken der angeschlagenen österreichischen Baumarktkette Baumax Gespräche über eine Übernahme laufen.

Laut LZ interessiert sich Obi für das Baumax-Geschäft in Österreich und in den vier Auslandsdependancen Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien. Mit einer Komplett-Übernahme würde der Obi-Umsatz von derzeit etwa 5,8 Mrd. Euro (netto, inklusive Franchisepartner) um rund 1,2 Mrd. Euro steigen. Obi selbst äußerte sich nicht: "Wir kommentieren keine Marktgerüchte." Auch von Baumax fehlt eine Stellungnahme.

Übernahme wäre Fall für BWB



Im Falle einer Übernahme wären kartellrechtliche Hürden respektive ein Prüfverfahren durch die Bundeswettbewerbsbehörde BWB in Österreich wahrscheinlich. Zusammen kämen beide Unternehmen auf einen Marktanteil von deutlich mehr als 50 Prozent. Allerdings sei Österreich an höhere Marktkonzentrationen gewöhnt als Deutschland, verweisen Handelsexperten auf die Situation im heimischen LEH.

Baumax-Chef Hürther hat Tengelmann-Wurzeln



Auch die derzeitige wirtschaftliche Schieflage von Baumax hält man seitens der LZ für problematisch. Was die Gerüchte aber anfacht: Verantwortlich für die wirtschaftliche Gesundung zeichnet seit dem Frühjahr 2014 Michael Hürther, über viele Jahre CEO des früheren Tengelmann-Discounters Plus. Aus dieser Zeit kenne er auch Obi-Chef Sergio Giroldi. Eine Obi-Offerte eröffne den Banken auch neue Chancen, das Investment Baumax nicht gänzlich abschreiben zu müssen, falls die Sanierung nicht gelingen sollte, spekuliert die LZ. Immerhin würden die Banken bis 2016 eine Anhebung des Umsatzes um 10 Prozent verlangen und das Ebitda soll auf über 70 Mio. Euro wachsen, mehr als das Achtfache des im Geschäftsjahr 2013 erreichten Ergebnisses. Die Vorgaben seien sehr anspruchsvoll, denn inklusive Abschreibungen musste Baumax 2013 einen Fehlbetrag von 189 Mio. Euro verbuchen.

Obi ist unter Erfolgsdruck



Trotz des umfangreichen Investments, das eine Baumax-Übernahme mit sich bringen würde, gehen Branchenkenner laut LZ davon aus, dass Obi zuschlagen würde, obwohl das eigene Österreich-Geschäft für 2012 kolportierte mindestens 100 Millionen Euro Verlust gebracht haben soll (Schätzungen für 2013 fehlen). Nach den Geschäftsaufgaben in Rumänien, der Ukraine und Kroatien müsse Obi - das Unternehmen hat übrigens erst heuer in der österreichischen Firmenzentrale in Wien über 70 Mitarbeiter abgebaut - jedoch Äquivalente finden, um im europäischen Wettbewerb nicht die Tuchfühlung zu den Branchenriesen Adeo und Kingfisher zu verlieren. Aktuell führen die Franzosen (Umsatz 2013: 14,2 Mrd. Euro) und die Briten (Umsatz: 13,1 Mrd. Euro) das Branchenranking des Dähne Verlags weit vor Obi unangefochten an. Baumax war europaweit 2013 nicht unter den Top 9.
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