Willys Wochenrückblick: Vom Knistern daheim, ...
 
Willys Wochenrückblick

Vom Knistern daheim, der Chance zum Umdenken und panischen Heimscheißern

Markus Wache
Willy Zwerger
Willy Zwerger

Österreich steht still. Okay, wir dürfen Lebensmittel einkaufen gehen und in die Apotheke, aber das wars dann auch schon wieder. Alle anderen Geschäfte sind genauso geschlossen wie alle Gastronomielokale, Dienstleister, Kindergärten, Schulen, Unis, Parks und Spielplätze. Wir alle sind angehalten daheim zu bleiben, gleichzeitig sollten wir jedwede sozialen Kontakte meiden. Ein Spagat, der im tagtäglichen Coronavirusleben so nicht funktionieren wird, weil man davon ausgehen muss, dass Räume viel zu eng werden und familieninterne Spannungen mehr als nur ein Knistern verursachen werden. Doch daheim herumsitzen hat auch insofern große Vorteile, weil wir dann endlich einmal Zeit haben, um über viele Dinge nachzudenken. Über unsere Nachbarn zum Beispiel und warum wir alle keinen Kontakt mehr miteinander haben. Über die Tatsache, dass die rohstoff- und produktionsbedingte Abhängigkeit von China keine weise Entscheidung war - günstige Kosten hin oder her. Vielleicht besinnt man sich nun auch endlich wieder dazu, dass das jahrelang vorgegebene Lippenbekenntnis von der Förderung regionaler Produzenten doch die à la Longue bessere Lösung wäre. Und: Wir dürfen vor den Entscheidungen und dem Zusammenhalt der in beiderlei Hinsicht jungen Regierung ruhig auch einmal den Hut ziehen, egal für welche Couleur das individuelle Politikherz schlägt. Denn im Gegensatz zu der weitaus erfahreren Regierung in Deutschland oder Großbritannien gibt es bei uns Maßnahmen, die auch funktionieren. Auch wenn diese manchmal unpopulär und übertrieben scheinen. Aber, wie eingangs bereits erwähnt, spätestens jetzt ist die Zeit zu einem radikalen Umdenken gekommen - auf vielerlei Ebenen.

Und ein Anliegen ist mir ebenfalls extrem wichtig: Der oftmals so sehr geprügelte Handel und seine unermüdlichen Mitarbeiter schlüpften in den vergangenen Wochen und Tagen notgedrungen in die Rolle des Lebensretters. Jetzt nicht nur, weil dank bester Planung stets genügend Ware vorhanden war, sondern auch, weil Handelsketten wie Kaufleute gleichermaßen den Panikaktionen des Volkes standhaft trotzten. Schlussendlich gab es Tage, an denen die Einkaufswütigen Plünderern glichen, kurioserweise mit dem Toilettenpapier als beliebtestes Objekt der Begierden. Womit in Home Office-Zeiten wie diesen der Begriff Heimscheißer eine völlig neue Dimension bekommen hat.

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