Willys Wochenrückblick: Von Allzweckwaffen, F...
 
Willys Wochenrückblick

Von Allzweckwaffen, Farbverschiebungen und Alkoholverboten

Markus Wache
Willy Zwerger
Willy Zwerger

Langsam, aber sicher, beginnen nun auch die notorischen Maskenverweigerer umzudenken und das angenehme Stofffetzerl vor Mund und Nase als Allzweckwaffe zu akzeptieren. Als Allzweckwaffe gegen die Grippe, gegen Mundgeruch, gegen Fieberblasen, verschmierten Lippenstiftkonturen, vergessenen Zahnprothesen und ja, so ganz nebenbei auch gegen das leidige Coronavirus. Zwar kann man sich eine Maskenbefreiung im Internet kaufen, aber seien wir uns doch ehrlich, wer will fürs Weglassen schon wirklich Geld ausgeben?

Apropos Geld ausgeben. Ist Ihnen eigentlich schon aufgefallen, wie sich die Parteifarben momentan verschieben? Türkis wird immer blauer, Grün immer türkiser, Rot immer Pinker, um nicht zu sagen blasser. Und Blau tendiert schon wieder einmal massiv ins Braune hinein. Es wird also erfahrungsgemäß viel Geld fließen müssen um das alles wieder zurechtzurücken. Wobei ich mir gar nicht mehr so sicher bin, dass das alle Protagonisten auch wirklich wollen. Die ÖVP will ja auch nicht an ihr Grundsatzprogramm aus dem Jahr 2015 erinnert werden. Denn da ist von Nächstenliebe, Menschenwürde und einem christlich-humanistischen Menschenbild die Rede, davon, dass das Wohl der Kinder Vorrang habe vor allen anderen Interessen, und dass man sich zum Schutz verfolgter Menschen bekenne. Spätestens seit Moria gilt das alles nicht mehr, auch nicht sämtliche Solidaritätsbekundungen mit den anderen EU-Staaten. Fast bekäme man den Eindruck, Kurz will weg von der EU um schweizähnlich völlig alleine die Isolation zu suchen. Wahrscheinlich kommen ihm da die diversen Reisewarnungen durchaus sehr gelegen.

Sehr gelegen kommen all jenen, die Angst vor erster Hilfe, im Konkreten Angst vor Mund-zu-Mund-Beatmung, haben, die coronabedingten Warnungen vor dieser Maßnahme, da man ja nicht wisse, ob der oder die Bewusstlose nicht doch infiziert ist. Am besten gar nicht helfen. Bin nur neugierig in welcher Statistik man dann aufscheint. Bei den Unfall- oder bei den Coronaopfern?

Apropos Unfallopfer. München hatte nicht nur den Mut das Oktoberfest abzusagen, sondern auch ein Alkoholverbot zu verhängen und extrem scharfe Besucherbeschränkungen in den Kneipen auszusprechen. Was mit den Brauereien und ihren Umsätzen passiert, scheint Oberbürgermeister Dieter Reiter herzlich weißwurscht zu sein. Das ist ja fast so, als hätte einer von Wiens Bürgermeisterriege der letzten Jahrzehnte den Spritzwein verboten. Das geht gar nicht.

Gar nicht geht auch, wie Claudia Reiterer die jüngste Talksendung „Im Zentrum“ führte. Vor allem mit der süffisanten Feststellung in Richtung Anschober „Das ärgert Sie, wenn ich Sie unterbreche.“ Einerseits verständlich, weil ja bekanntlich der Gesundheitminister eher zum Schwafeln neigt, aber andererseits gelang ihr mit dieser praktizierten Unterbrechungskadenz ein feister Schlag gegen die an sich gewohnte souveräne Gesprächskultur.

Eine gepflegte Gesprächskultur ist sicher auch mehr denn je im politinternen Geplänkel gefragt. Denn davon ist man momentan leider sehr weit entfernt. Man lässt sich ausrichten, statt miteinander zu reden. Und wenn dann auch noch jeder auf sein Lieblingssprachrohr in den diversen Tageszeitungen setzt, sind wir blitzschnell mitten drin im nicht verifizierbaren Wahrheitsschlamassel. Vor allem jetzt vor der Wienwahl. Wo ja bekanntlich nicht wirklich alles durch die Blümelchen gesagt wird, einige auf Ex-Partei-Kost Rache schwören, was mitunter durchaus zum kollektiven Nepp ausarten kann, mit der frustrierenden Aussicht auf keine Wiederkehr. Und während der Herr Bürgermeister zur Wiederwahl lud, wich seine grüne Vizechefin in Richtung Kampf gegen die Autofahrer aus, frei nach dem Motto "Heb ein, Birgit, saftige Gebühren für alles, was da motorisiert herumfleucht und CO² versprüht!"

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