Willys Wochenrückblick: Von Angsttests, Aussä...
 
Willys Wochenrückblick

Von Angsttests, Aussätzigen und Anstandsverweigerern

Markus Wache
Willy Zwerger
Willy Zwerger

Mein persönlich berührendstes Weihnachtslied, noch dazu mit erschreckend aktueller Vision, ist jenes von Georg Danzer: „Wia woa Weihnochtn?“ Guat zuahuachn!

Also, wenn ich die Maßnahmenkonvolute der letzten Woche richtig verstanden habe, ist es in Wahrheit völlig egal, was der Coronatest anzeigt. Weil, bin ich negativ, kann ich dennoch positiv sein, bin ich positiv, muss ich noch lange nicht infiziert sein. In beiden Fällen kann ich jedoch jederzeit Überträger sein. Und wie im sonntäglichen „Im Zentrum“ ziemlich überraschend klar wurde, dürfen wir uns von diesen gegebenen Unsicherheitsfaktoren der diversen Tests nicht irritieren lassen. Wozu also die ganze Panikmache wegen der und um die Massen- und ganz normalen Angsttests? Vor allem aber sollten wir die Hoffnung nicht aufgeben, haben sie uns gesagt an diesem etwas wirren Sonntagabend. Worauf? Dass alles wieder gut wird, dass alles wieder normal wird, so wie früher? Und: Dieses definitiv buddhistisch anmutende Conclusio, die Dinge zu ändern, die zu ändern sind und die, die nicht zu ändern sind, hinzunehmen, klingt zwar etwas blauäugig und ob der Unmöglichkeit der Durchführung unbefriedigend, trifft aber das Ausmaß unserer momentanen Krise punktgenau.

Wir brauchen mehr denn je Vertrauen in unseren hoffentlich nach wie vor gesunden Menschenverstand, vor allem so lange sich die Regierungsmitglieder mit dermaßen nicht wirklich nachvollziehbaren, sich permanent widersprechenden und ganz bewusst angstschürrenden Maßnahmen als unsere Vorgesetzten aufspielen. Die sie de facto zwar nicht sind, von vielen gelernten Österreichern jedoch so gesehen werden. Kurz hustet und wir husten mit. Obrigkeitshörigkeit ist definitiv kein guter Berater für ein glückliches und zufriedenes Leben. Und ganz prekär wird es, wenn einem durch von oben angeordnete Maßnahmen sämtliche Existenzgrundlagen entzogen werden. Ich will ja nicht zur Revolution raten, aber als Alternative bleibt derzeit nur die bedingungslose Hinnahme. Und die hat weder Zweck noch Sinn. Nicht nur weil sie jeglicher Logik entbehrt, sondern auch, weil der Kniefall vor den westlichen Fremdenverkehrshochburgen und somit den türkisen Parteigranden am obersten Bundesländertreppchen genau so offensichtlich ist wie die permanenten Maßnahmenschüsschen an den wahren Zielen vorbei. Was nichts, aber schon gar nichts mit Gerechtigkeit zu tun hat und somit fast überall auf Unverständnis sorgt.

Dazu kommt, dass der jüngste Gag, das Freitesten, eine besonders perfide Diskriminierungsmasche darstellt. Ähnlich wie in Hallenbädern die Nichtschwimmer- und Schwimmerbecken werden hinkünftig Geschäfte, Lokale, Theater und Dienstleistungsbetriebe zweigeteilt sein - mit Bereichen für Getestete und eben für Ungetestete. Die Getesteten dürfen maskenlos kuscheln und tun und lassen was sie wollen und die Ungetesteten, die hinkünftig Aussätzigen unserer Gesellschaft, dürfen sich maximal aus der Entfernung zu winken und sich das Schnitzerl samt Erdäpfelsalat heimholen, um möglichst ausschließlich dort zu bleiben. Dabei wissen wir doch ganz genau, dass Testergebnisse aber so was von falsch sein können - siehe weiter oben.

Wie politisch das Coronavirus denkt, erkennt man auch daran, dass es gerade jetzt, wo sich Großbritannien von der restlichen EU löst, mit neuen, wesentlich ansteckfreudigeren Mutationen daherkommt, sodass jedwede Verbindungen zu den Briten europaseits ohnehin gekappt werden müssen. Womit sich viele offene Fragen von selbst gelöst haben dürften. Was auch Englands Gesundheitsminister Matt Hancock so auf den Punkt bringt: "Wir müssen uns so verhalten, als hätte jeder Corona." Somit sind es wieder einmal die vielgescholtenen Briten, die die Einfachheit im Umgang mit diesem unberechenbaren Virus verdeutlichen. Maske, Abstand, Händewaschen für alle und immer, und Hausverstand einschalten. That‘s it.

Wie weit weg die ÖVP momentan vom Hausverstand ist, zeigt auch das Flüchtlingsdrama auf Lesbos auf. Nach wie vor schickt man lieber Tonnen an Hilfsgüter, die man dort nicht brauchen kann bzw. dort nie ankommen hinunter anstatt das Go zu geben Flüchtlingsfamilien endlich bei uns aufnehmen zu dürfen. Schade, dass wir da in diese politische Schande mit hineingeritten werden. Womit wir wiederum bei der vorhin bereits angesprochenen Revolte wären. Das Problem dabei: Im Endeffekt ist es wie so oft der typisch österreichische Wurschtigkeitsfaktor, der uns jedes Mal in den Stillstand hineinreitet. Sehr oft findet jedoch genau dieser Stillstand in einem heimtückischen Bürokratiesumpf statt. Ohne Herz und ohne Hirn. Aber stets von professionellen Anstandsverweigerern ausgelöst.

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