Willys Wochenrückblick: Von Experten, Regieru...
 
Willys Wochenrückblick

Von Experten, Regierungstaktiken und speziellen Männermasken

Markus Wache
Willy Zwerger
Willy Zwerger

Mittlerweile ist es ja so, dass wir mehr Virenexperten im Land haben als Infizierte, was ja eigentlich nichts anderes bedeutet, als dass unser kleines Völkchen wahrlich zum flexibelsten Multijobhopperensemble weltweit zählt. Sind wir doch auch alle die besten Fußballteamtrainer der Welt, die allerbesten Schianalysten und aber auch Wahlexperten. In Sachen Corona fällt halt nur irgendwie auf, dass alle, die irgendwann einmal ein bisserl in Biologie-, Medizin- oder Chemiebüchern geschmökert haben, plötzlich zum Virologen mutieren und ihren definitiv nicht immer nachvollziehbaren Senf dazugeben. Das weltweite Web einerseits und die TV-Sender auf der Suche nach aktuellem Content machens möglich. Was bleibt ist eher Verwirrung denn Aufklärung.

Aufgeklärt sind mittlerweile auch die diversen politischen Taktiken der Regierung - von nicht so gemeint wie verkündet bis zur subtilen Angstrhetorik von Kurz & Co, wofür ja das österreichische Volk besonders empfänglich ist. Wahrscheinlich nimmt uns jetzt also auch das Coronavirus unsere Arbeitsplätze weg, oder so.

Sehr empfänglich war es im übrigen auch für die Botschaft, dass ab Anfang Mai wieder die Friseure und Fußpfleger, ab Mitte Mai wieder die Gastronomie und ab Ende Mai wieder die Hotellerie aufsperren darf. Mit Schutzhelm für die Friseure und Maskenpflicht für die bereits leicht verwahrlosten Kunden, was zum Beispiel für Barbiere eine ziemliche Herausforderung werden wird. Aber, wer weiß, vielleicht werden Männermasken aus Barthaar ja echt ein Modetrend.

In Gastronomielokalen wirds überhaupt lustig. Keine freie Platzwahl, maximal vier Erwachsene plus dazugehörige Kinder an einem Tisch. Wenn jetzt also zwei Pärchen mit jeweils drei Kindern essen gehen wollen, kommt es mit insgesamt zehn Personen automatisch zur Rudelbildung, was nun zwar gesetzlich erlaubt ist, aber insofern interessant wird, wenn die Kids unter die Kategorie lebhaft fallen und ein bisserl herumtoben wollen. Aber vielleicht sind die Kellner mit ihren Masken ohnehin Abschreckung genug und die Kids nehmen in Kauf, dass doch wieder der Papa daheim am Herd steht.

Apropos Abschreckung. Das gemütliche Herumstehen an der Theke von Bars und anderen Nachtetablissements hat bei den derzeitigen Bestimmungen auch keine Zukunft mehr. Dafür werden die Separees wieder aufgewertet. Auch wenn man sich nur alleine drinnen vergnügen darf. Was im übrigen dem Begriff sich einen hinter die Binde kippen eine völlig neue Dimension gibt.

Der Rest der Ereignisse lag abseits von Corona: Trump outet sich als Helene Fischer-Fan, man kann auch ohne Rechtschreibkenntnisse Bildungslandesrätin werden, zumindest in der Steiermark, Richard Lugner wird sich - geht es nach Neo-Staatsopern-Chef Bogdan Roscic -  den nächsten Opernball daheim vorm Fernseher anschauen und ein südafrikanischer Politiker ließ sich in seinem geliebten Mercedes sitzend begraben. Begraben wurde aufgrund der Regierungsmaßnahmen einerseits und der Inkompetenz der politisch Verantwortlichen eigentlich auch die gesamte Kultur im Lande. Womit wir jedoch schon wieder bei Corona wären. Das Biest lässt uns einfach nicht los.

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