Willys Wochenrückblick: Von Gewissensfragen, ...
 
Willys Wochenrückblick

Von Gewissensfragen, Grünen-Taktik und Grand Slam-Heroes

Markus Wache
Willy Zwerger
Willy Zwerger

Ich weiß jetzt nicht ob Sie es wissen, aber ich weiß, dass entgegen vieler Vermutungen Sebastian Kurz das Wort Gewissen sehr wohl kennt. Er hat es kürzlich nicht nur in den Mund genommen, sondern sogar ausgespuckt. Allerdings interpretiert er „sein“ Gewissen etwas anders als wir es üblicherweise mit unserem tun. Denn Kurz könne es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren, dass wir jetzt und spontan Kinder aus dem niedergebrannten Lager Moria zu uns nach Österreich holen, weil seiner Meinung nach dann dasselbe passiert wie 2015, als die Flüchtlinge zuhauf nach Europa drängten und wir sie sogar willkommen hiessen. Menschliche Selbstverständlichkeit nicht nur als Gebot der Stunde, sondern generell, hat sichtlich nichts mit unserem empathiearmen Kanzler zu tun. Sein Nein zur Flüchtlingshilfe ist nicht nur eine persönliche Schande, sondern vielmehr eine für unser ganzes Land. Die internationale Verwunderung - im übrigen auch für den Nein-Schwenk der Grünen aus koalitionstaktischen Gründen - spricht ohnehin eine deutliche Sprache.

Eine deutliche Aussprache gibt es seit dem verwichenen Montag wiederum in den Geschäften nicht mehr zu hören, müssen wir doch alle erneut Maske tragen beim Einkaufen. Ein klassisches Deja vu also.

Ein eben solches hatte ich persönlich, als in der Nacht von Sonntag auf Montag Dominic Thiem die US-Open gewann und so mit Thomas Muster als Grand Slam-Gewinner gleichzog. Paris 1995 hat für Tennisfans sicher den gleichen Stellenwert wie Cordoba 1978 für Fußball-Afficionados. Pikanterweise kamen die Gegner Thiems und jene der Fußball-Nationalmannschaft allesamt aus Deutschland.

Apropos Deutschland. Sie sind zwar weitaus weniger geworden, die Besuche unserer Lieblingsnachbarn, aber wenn diese einmal da sind, entpuppen sie sich zumeist als wesentlich vernünftiger als wir Österreicher. So tragen sie allesamt brav ihre Masken, halten Abstand folgen den Anweisungen, wie sie es halt seit Generationen von daheim gewohnt sind. Wir jedoch, wir besonders Lustigen, haben die sommerlichen Regierungs-Lockerungen genauso falsch verstanden wie die momentan gültigen Farben Grün und Gelb der mehr als hinterfragungswürdigen Coronaampel. Wir erachteten nämlich all das als legitimierten Freibrief zur kollektiven Wurschtigkeit. Weg mit der Maske und voll auf Kuschelkurs, auch mit Wildfremden. So züchtet man Superspreader, treibt die Gastro in den Zusperrmodus und die Supermarktangestellten genau so wie viele andere unserer Mitmenschen in Quarantäne. Mit oder ohne Symptome.

Da sich jedoch die Ampelkommission für die Farbe Orange für gewisse Regionen entschieden hat, haben wir's momentan sowieso fesch. Denn die konsequenterweise logischen Maßnahmen werden jenen vom seinerzeitigen Lockdown verdammt ähneln. Was das für unsere Wirtschaft und in Folge für unsere Gesellschaft bedeutet, wird durchaus einem Stillstand gleichkommen um nicht zu sagen einer Lähmung. Wie lange wir dann brauchen um uns wieder halbwegs bewegen zu können, steht in den Sternen. Deren Konstellation wahrlich nicht rosig aussieht. Was aber dem Gewissen von Kurz herzlich wurscht sein wird, liegen doch dessen wahren Interessen ohnehin auf einem anderen Planeten. Irgendwo in einer einsamen Parallelwelt.

stats