Willys Wochenrückblick: Von Handarbeiten, Res...
 
Willys Wochenrückblick

Von Handarbeiten, Restlverwertungen und Trotzphasen

Markus Wache
Willy Zwerger
Willy Zwerger

Weils zum Frühling passt und auch zum Einstieg meines dieswöchigen Wochenrückblicks - mein heutiger Anspieltipp: Cyndi Lauper "Girls just wanna have fun". Volume voll umme und abshaken was das Zeug hält!

Samstag Nachmittag, Ö3, Frag das ganze Land Spezial zur Frage, wie die Generation Z mit der Einsamkeit des Lockdowns zurechtkommt. Antwort einer 17-Jährigen: Mir fehlt das gemeinsame Toilettengehen, das geheime Rauchen und das Tauschen von Klopapier. Daraus ergibt sich nicht nur für mich die Frage "Gebraucht oder ungebraucht?" Womit der Begriff Feh-Tisch eine völlig neue Bedeutung bekommt. Viele Antworten bezogen sich auf lockdownbedingten Sexverzicht. Find ich irgendwie witzig, da doch unsere Gesellschaft derzeit ein gewaltiger Trend zu DIY durchläuft. Warum also nicht da auch mitschwimmen?

Dazu etwas Statistik: Wir alle hatten und haben rund 30 Prozent weniger Sex in der Pandemie. Was mich aus mehreren Gründen nicht weiter verwundert. Zum einen, weil sich viele im permanenten Zusammensein erstmals so richtig kennenlernen durften und zweitens, weil Zuneigung und Anziehung in hohem Maße vom Sich-Riechen-Können abhängt. Öfter waschen wäre sicher eine Lösung, und zwar nicht nur die Patschhanterl.

Auffallend wenig Bedeutung hatte am Freitag Abend die Singerei der Starmania-Kandidaten. Der Grund dafür war relativ schnell herausgefunden - denn eigentlich ging es nur um die Restlverwertung des Moderatoren-Outfits der Sendung Moneymaker, kurz vor der endgültigen Verrottung. Da war die argumentativ erschreckend schwache Jury auch schon wurscht.

Nicht wurscht hingegen ist die Tatsache, dass einige Covid-19-Mutationen die Qualität unserer Spermien downgraden. Soll heissen: Wir werden über kurz oder lang ohnehin aussterben. Nur halt mit Impfung etwas später. Da gehts uns irgendwie wie den Fischen. Wobei diese nicht an Viren scheitern werden, sondern einzig und allein an uns Menschlein. Schauma mal, wens früher zerbröselt.

Stell Dir vor es ist Lockdown und keiner geht hin. Mit anderen Worten: Der dritte Lockdown ist ordentlich in die Hose gegangen. Weil der Durchschnitts-Österreicher von Grund auf zum einen kein Vernünftiger ist und zum anderen kein Empathischer, sondern ein extrem Ich-Bezogener. Wichtig ist einzig und allein, dass er keine Einschränkungen hinnehmen muss und – ebenfalls ganz wichtig – dass es anderen in keinem Fall besser geht als ihm selbst. Da reagiert er ziemlich unwirsch, vor allem, wenn es sich dann auch noch um Ausländer handelt. Und weil er dann so schön in der spätpubertären Trotzphase drinnen ist, schmeißt er die Masken weg und ignoriert Abstand wie Anstand. Wie er jetzt reagieren wird, wenn die Ergebnisse der montäglichen Pressekonferenz durchsickern, in der verkündet wurde, dass Vorarlberg schanigartenmäßig eine Woche früher aufsperren darf als Restösterreich, ist vorprogrammiert: Er wird zur Sicherheit bereits heute probesitzen gehen. Und bis die Gast- und Schanigärten offiziell aufsperren dürfen, wird er halt dieselben illegal entern und sein Leberkässemmerl samt sein Dosenbier selbst mitbringen. Doch, so sind wir Österreicher.

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