Willys Wochenrückblick: Von Knopfaugerln, Ein...
 
Willys Wochenrückblick

Von Knopfaugerln, Einerbob und Schäferminütchen

Markus Wache
Willy Zwerger
Willy Zwerger

Aus gegebenem Anlass - my madita is nimma dabei - empfehle ich als Anspieltipp die legendäre Jerry Jeff Walker-Nummer „Mr. Bojangles“ in der Version von Sammy Davis Jr. - eine geniale Hommage an seinen Tanzlehrer.

Ist es Ihnen auch aufgefallen? Wenn der grüne Vizekogler restriktive Maßnahmen verkündet, beginnen seine an sich eher fahl wirkenden Knopfaugerl richtiggehend zu leuchten, da hat die Nehammer-Schule definitiv bereits extrem erfolgreich zugestochen. Denn wie der, der laut Gernot Kulis außen schön und innen Minister ist, die Worte Ausgangsbeschränkung, Anzeige und Bestrafung ausspricht, erinnert mich frappant an das vergnügliche Knurren eines Kettenhunds, dem man ein Knackwurschti zeigt. Und die Pozistn und Pozistin freuts.

Freuen wird sich auch der Handel, weil zum einen darf er im Gegensatz zur Gastro offen haben, und zum anderen beginnen jetzt wieder die Hamsterkäufe, obwohl die Klopapiervorräte zuhauf noch aus dem letzten Lockdown daheim herumlungern. Aber Panik, und sei sie noch so unbegründet, ist ja bekanntlich ebenfalls hochgradig ansteckend. Womit wir wiederum beim momentan uns alle beherrschenden Coronavirus per se wären, welches sich ähnlich unberechenbar und wirr verbreitet wie unsere Bundesregierung ihre Botschaften an uns. Höchste Zeit, dass sich zur bereits im Dienste der Regierung befindlichen coronaaffinen Expertenhorde auch solche in Sachen Kommunikation einfinden, um Kurz & Co zumindest die wichtigsten Grundregeln beizubringen. Hier wäre echter Handlungsbedarf angesagt und professionelle Hilfe dringend notwendig.

Hilfe dringend notwendig wäre auch für all jene Betriebe und Unternehmen, die entweder in der Gastro direkt oder als Zulieferer von Waren und Dienstleistungen tätig sind, von den Künstlern, Technikern und dem ganzen notwendigen Tross im Hintergrund, die dank der Schließung von Theatern, Konzertsälen und Kabarettlokalen jetzt ebenfalls - wieder - ohne Einkommen dastehen, ganz zu schweigen. Und wenn die erklärte 80%ige Umsatzentschädigung genau so gut funktioniert wie heuer im Frühling, na hawedere ...

Besonders skurril finde ich die sportlichen Aspekte der aktuellen Beschränkungs-Verordnung. Profis dürfen sporteln wann und wie und wo sie wollen, Amateure nicht bzw. nur allein. Also Einzelsynchronschwimmen, Einerbob oder Solobeachvolleyball. Aber ohne Zuschauer und somit Zeugen. Was im übrigen dann bei etwaigen Polizeibefragungen logischerweise auch nicht als Alibi herhalten kann, aber das nur nebenbei.

Nicht ganz nebenbei erwähnen möchte ich jenen Passus in der Verordnung, in dem steht, dass sich auch im privaten Bereich nur mehr Menschen aus maximal zwei (in Ziffern: 2!) Haushalten zusammenrotten dürfen. Und das maximal zu sechst, also drei pro Haushalt. Die logische Konsequenz: Wenn sich der Opa bei der Nachbarin zu einem Schäferminütchen einfindet, darf sie die zu Besuch kommende Tochter offiziell gar nicht erwischen, weil es ja dann drei Haushalte wären, die da aufeinandertreffen. Womit die Renaissance des Schweigens vorprogrammiert ist. Aus Angst vor Nehammers Pozistn und Pozistin. Womit wir unweigerlich wieder bei der leidigen Alibifindung wären. Wo woans denn gestern zwischen vuagestern und heit?

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