Willys Wochenrückblick: Von Kuscheldistanzen,...
 
Willys Wochenrückblick

Von Kuscheldistanzen, Primaprollerinas und Gütesiegeln

Markus Wache
Willy Zwerger
Willy Zwerger

Selbstverständlich trau ich mich auch weiterhin unter Menschen, auch als einer der vielen Risikogruppen angehörender. Ich trag brav meine Maske, dort wo ich muss und reiss sie mir sofort herunter wo ich nicht muss. Und ich wahre Distanz zu Fremden, vor allem wenn sie maskenlos vor sich hinrotzen und mir auf Kuscheldistanz nahe kommen wollen. Selbst wenn sie ein T-Shirt tragen auf dem „Negativ getestet“ steht. Es könnte sich ja auch um HIV handeln, was mir persönlich dann doch irgendwie wurscht wäre. Aber schön für ihn oder sie. Je nachdem.

Unlängst war ich mit einem Freund im Konstatin Filippou und war nicht nur über das wie immer sensationelle Menü samt Weinbegleitung begeistert, sondern auch über das ausgeklügelte, perfekte, aber völlig unaufdringliche Sicherheitskonzept, über die optimalen Abstände zu den anderen Tischen, über die vorbildliche Disziplin der anderen Gäste und die wie bereits zu Vor-Corona-Zeiten übliche Auslastung. Business-Lunches und -Dinner sind definitiv auch hinkünftig ein Thema. Allerdings noch mehr auf höchstem gastrosophischem Niveau. Und ich bin sicher, dass da - ähnlich wie im Weinbau üblich - eine Ausdünnung unumgänglich sein wird, um die Qualität zu halten respektive zu steigern. Denn nur ein Höchstmaß an Qualität wird das Überleben unserer Gastro sichern. Was aber gleichzeitig auch das Ende des Massentourismus bedeutet.

Mit weitaus weniger Menschen als früher hat sich auch die gesamte Eventbranche zu beschäftigen. So gesehen kommt das soeben ausverhandelte 300 Millionen Euro-Hilfspaket für viele definitiv zu spät, steht die Branche doch praktisch seit Mitte März komplett still und beginnt sie sich erst jetzt ganz leicht ins Leben wieder einzumischen. Was jedoch nicht nur den Veranstaltern, den Künstlern, den Equipmentanbietern, den Technikern und den Caterern gut tun wird, sondern auch dem Handel und somit den Lebensmittel-Produzenten. Wenn's für viele nicht bereits zu spät ist.

Vielen Fernsehzuschauern gut getan hat auch die Wiederaufnahme von „Dancing Stars“ mit neuer Moderatorin an der Seite von Klaus Eberhartinger und einem Jurymitglied weniger. Apropos Jurymitglied. Hätte man Primaprollerina Karina Sarkissowa nicht wohlweislich an ihren Sitz festgeklebt, wäre sie wahrscheinlich bei jedem halbwegs gerade gebauten männlichen Promi aufgesprungen und hätte ihre Notgeilheit nicht nur verbal zum Ausdruck gebracht. So blieb's halt bei ganz normalem Sprechdurchfall.

Definitiv zum Ausdruck bringen möchte ich jedoch abschließend, dass ich seit vielen Jahren ein deklarierter Fan des AMA-Gütesiegels bin und sehr wohl beim Einkaufen darauf achte, ob meine begehrten Produkte mit diesem versehen sind oder nicht. Umso irritierter war ich, als ich erfuhr, dass man jahrelang dasselbe mißbrauchen und illegal anwenden kann um tschechische Billigäpfel als steirische Qualitätsware und ungarische als Wachauer Marillen zu deklarieren. Ich dachte nämlich eher an durchwegs übliche, strenge Kontrollen seitens der AMA und bin etwas unzufrieden mit der Rechtfertigung, man dürfe nur diejenigen Betrieb kontrollieren, mit denen man einen Vertrag hat. Wer also das Gütesiegel quasi fladert und somit unentdeckt beibt, kann nicht nur sein Image very easy aufpolieren, sondern auch seine Umsätze gehörig pushen. In etwa vergleichbar mit Verbrechern, die sich nur dann strafbar machen, wenn sie bei der Polizei bekannt sind. Nein, das ist nicht wirklich befriedigend und gehört schleunigst geändert.

 

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