Willys Wochenrückblick: Von Liftfahrern, Nase...
 
Willys Wochenrückblick

Von Liftfahrern, Nasenbohrern und Wirrologen

Markus Wache
Willy Zwerger
Willy Zwerger

Aus gegebenem Anlass starte ich meinen aktuellen Wochenrückblick mit „Codo“, dem größten Hit der Gruppe DÖF - Deutsch-Österreichisches Feingefühl. Genießen Sie mit mir Joesy Prokopetz, Manfred O. Tauchen und Annette Humpe in ihren Jugendjahren, aufgenommen 1983.

Feingefühl ist es auch, was sowohl Merkel als auch Kurz fehlt, denn hätten sie dieses, wäre es gar nicht so weit gekommen mit dem nun bis 7. Februar verlängerten Lockdown. Bei etwas mehr Weitblick und besagtem Feingefühl wäre alles schon viel früher erledigt gewesen, Mutation hin oder her. Es würden auch die Menschen wieder lieber mitspielen, wenn sie verstehen könnten, was das medienaufwändige Herumgehopse alles soll. Nur eines haben sie scheinbar gelernt daraus, sobald sie nämlich Schier angeschnallt haben, dürfen sie alles. Sicher auch auf Eislaufplätzen für etwas Unruhe sorgen, die Hotellerie dadurch zu zwingen aufzusperren, weil ja Liftfahren erlaubt ist, und die Schüler könnten ja ihre jeweiligen Schulen kollektiv zu Schischulen erklären, angeschnallte Carver im Unterricht selbstverständlich inklusive. Das Wichtigste dabei: Man muss ein bisserl schröcksnadelgeimpft sein.

Es gibt aber auch noch einige andere Methoden, der Härte des Lockdowns zu entkommen. Eine Kanadierin hat uns und den dortigen Polizeibehörden eindrucksvoll vorgeführt wie man die Ausgangssperren nach 20 Uhr umgeht. Sie ging einfach mit ihrem Mann Gassi, weil das ist ja erlaubt. Oder man erklärt sein Hotel zu einem Labor und seine Gäste zu wissenschaftlichen Mitarbeiter, die gemeinsam erforschen wie sich der Lockdown masken- und abstandslos auf diverse Gruppendynamiken einerseits und die Verbreitung des Virus andererseits auswirkt. Oder man packt Kind und Kegel zusammen und fährt mit der Familie jeweils am Wochenende auf Dienstreise. Weil ja bekanntlich Hotels für Dienstreisende geöffnet halten müssen.

Man kann aber den Lockdown auch für andere, ganz persönliche Zwecke ausnützen. Hiezu nützt man einfach seine beamtete Position in den Gesundheitsbehörden aus um zum Beispiel die Ex permanent in Quarantäne zu schicken, damit diese ihren Neuen nicht mehr sehen kann. Zumindest eine zeitlang.

Warum youtube den Kickl insofern schützt, indem man seine völlig vertrottelte Parlamentsrede gelöscht hat, verstehe ich nicht. Ich finde, gerade diese und ähnliche Reden sollte man zur Pflichtinfoquelle für alle Österreicher erklären. Nämlich in dem Sinn wie strapazfähig und tolerant unsere Demokratie ist, weil man ungestraft offiziell dermaßen viel Schas daherreden kann.

Unerträglich finde ich auch die unzähligen Anti-Corona-Demonstrationen. Nicht jetzt unbedingt deswegen, weil sich diese weitgehend disziplinlosen Zusammenkünfte bestens als Spreaderzentralen bewährt haben, sondern wegen deren inhaltlicher Sinnlosigkeit. Ähnlich gelagert wie Demos gegen das Wetter oder gegen den Mond.

Die zuhauf angeschafften Selbsttests für Schüler sind zwar jetzt aufgrund des Nun-doch-nicht-Aufsperrens der Schulen wieder obsolet geworden, sind jaber definitiv der richtige Weg. Zumal man zum legitimierten Nasenbohren dafür keine Profis mehr benötigt, also alles selber machen darf.

Selbermachen ist im übrigen auch der Grund, warum seit Beginn des Lockdowns eine Branche besonders befriedigende Zuwächse verzeichnen kann - die Sextoy-Produzenten und -händler. Dazu passt ein etwas eigenartiger und letzte Woche kolportierter Modetrend, nämlich jener zum „Kamözechn“, im allgemeinen Cameltoe genannt. Moderne Pantys haben diesen bereits eingebaut. Ja, auch damit kann man angeben.

Bleibt nur noch, mich auch noch darüber zu wundern, warum es eine britische, eine südafrikanische, eine brasilianische und was weiß ich noch für eine Version vom Coronavirus gibt, aber keine österreichische. Oder verschweigen uns die Wirrologen da was? Die Austria Edition wäre dann wahrscheinlich überhaupt nicht mehr ansteckend, läge permanent leicht bedudelt in an Heuschober herum und grölt Schifahrerlieder. Ihr graust vor ihrem Wirten und ist deshalb völlig ungefährlich. Was für ein postpandemisches Idyll.

 

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