Willys Wochenrückblick: Von Plastikbestseller...
 
Willys Wochenrückblick

Von Plastikbestsellern, Superspreadern und Kaisersemmeln

Markus Wache
Willy Zwerger
Willy Zwerger

Weil es mitten im Schullockdown aktueller denn je ist: Teach the children well - Crosby, Stills & Nash live. Geschrieben in weiser Voraussicht im Jahre 1969.

In unsicheren Zeiten wie diesen weiß man ja mittlerweile echt nicht, was dir alles ums Eck passieren kann. Um für das Unbekannte und Überraschende besser gerüstet zu sein, besorgte ich mir in der vergangenen Woche neben einer Packung Wattepads zum Abschminken von etwaigen Gefühlsausbrüchen wie Heldenmut oder Selbstüberschätzung auch eine klassische Glock 17, den weltweiten Plastikbestseller aus Österreich, zwecks psychologischer Verdrängung von Ängsten en gros und en detail. Ich nutzte die Gelegenheit der offenen Waffengeschäfte genau so wie die Freude des Verkäufers über Umsätze mit Neukunden, wurde nicht einmal gefragt wozu ich das gute Stück brauchen würde, da ich Munition dafür von vornherein entrüstet ablehnte. Dass ich mir diese schon längst im benachbarten Ausland besorgt habe, würde der arme Kerl nie erfahren, auch wenn mich irgendwer verraten haben sollte.

Leider waren die Gebrauchsanweisungen vergriffen und die Buchhändler amtlich geschlossen, also nahm ich Combat-Unterricht bei einem nun lockdownbedingten ebenfalls mit einer Fülle an Freizeit gesegneten Taxler. Ich bin also jetzt für jedweden Häuserkampf gerüstet, was mich insofern beinahe bis hinunter an die unterste Phlegmastufe beruhigt, da ja bekanntlich von Häusern die größte zivile Gefahr ausgeht. Von Schornsteinen, Klimageräten und ferngesteuerten Turteltauben einmal abgesehen.

Apropos Verschwörungstheorien. Völlig konsterniert musste ich zur Kenntnis nehmen, dass sich unter meinen zum Teil wirklich guten Bekannten bekennende Masken- und Abstandsverweigerer befinden. Sie hocken zwar ganztägig zumeist vor der Playstation und waren seit locker fünf Jahren nicht mehr an der frischen Luft, fühlen sich aber jetzt, wo ein Lockdown nach dem anderen sowie einschränkende Maßnahmen verordnet wurden, bemüßigt, das Aufwieglergen in ihnen wachzukitzeln, um so zum heldenhaften Superspreader zu mutieren. Somit gleicht meine Distanz zu ihnen keinem Babyelefanten, sondern einem Kreuzfahrtschiff.

Da ja auf denselben das Leben praktisch rund um die Uhr geöffnet ist und ich die damit verbundenen Vorteile bereits live miterleben durfte, kann ich auch der Idee der Sonntagsöffnung sehr wohl etwas abgewinnen. Ich weiß nur noch nicht was. Aber vielleicht geh ich hinkünftig sonntags dann doch gleich nach der Heiligen Messe und dem obligatorischen Frühschoppen beim Wirten ums Eck zum Greißler nebenan auf einen halben Liter Milch und ein Kaisersemmerl und begebe mich erst dann ins Netz, um so richtig viel einzukaufen. Egal ob ich's brauch' oder nicht. Ich vermute, ich liege da mit meinem Verhaltensmuster eh sehr brav beim angepassten Durchschnittsösterreicher. So soll es sein. Und Sie werden sehen, nicht die mitunter abstrusen für uns Kleinen verordneten Maßnahmen helfen gegen die Pandemie, sondern die wirklich wichtigen Pressekonferenzen der Großen. So viel wie möglich. Und inhaltsschwer wie immer. Eine Naturgewalt in Sachen Effizienz.

stats