Ökosoziales Forum: Wintertagung 2018
 
Ökosoziales Forum

Wintertagung 2018

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Elisabeth Köstinger, Ministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus, Stephan Pernkopf, Präsident des Ökosozialen Forums
Elisabeth Köstinger, Ministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus, Stephan Pernkopf, Präsident des Ökosozialen Forums

Nachhaltige Lebensmittel kosten Geld, Regionalität ist wichtiger denn je. Aber: Der Konsument muss mitspielen.

Die Frage „Von Milchseen zur Butterknappheit. Was kommt als Nächstes?“ stand im Mittelpunkt der 65. Wintertagung des Ökosozialen Forums im Austria Center Vienna, bei der unter anderem sehr deutlich darauf hingewiesen wurde, dass die heimische Landschaft vor ziemlich komplexen Herausforderungen steht. Einerseits gilt es auf die gemeinsame Agrarpolitik der EU Rücksicht nehmen und Abhängigkeiten von Abnehmern zu koordinieren sowie den damit verbundenen Bürokratieaufwand zu meistern und die Herausforderungen des Klimawandels und der digitalisierung anzunehmen.

Hohes Qualitätsniveau
Stephan Pernkopf, Präsident des Ökosozialen Forums: "Das oberste Ziel muss sein, das Bild der Landwirtschaft realitätsnah zu zeichnen, sonst wird es von anderen gezeichnet. Jetzt ist es wichtig auf Verlässlichkeit zu setzen. Wir brauchen die regionale Akkupunktur – das heißt, dass verlässlich in der Region eingekauft wird. Wir brauchen hier zuverlässige Partner im Handel. Vor allem aber sind die besten Partner die Konsumentinnen und Konsumenten."
Ein Asset der heimischen Landwirtschaft ist zweifelsohne, dass unsere Bauern auf sehr hohem Qualitätsniveau produzieren und somit nicht nur für ein hohes Maß an kulinarischen Qualitäten sorgen, sondern auch für ein Höchstmaß an Lebensmittelsicherheit. Die Tatsache, dass all dies alleine in der Produktion mehr Geld kostet als industrielle Fliessband-Produktion liegt auf der Hand.

Zuverlässige Partner gefordert
Es wird also letztendlich vom Konsumenten abhängen ob die Entscheidung vor dem Regal im Supermarkt für einen Griff zu einem hochwertigen heimischen Produkt oder zu einem Billigprodukt aus dem Ausland führt. Hiezu Elisabeth Köstinger, Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus: "Das oberste Ziel muss sein, das Bild der Landwirtschaft realitätsnah zu zeichnen, sonst wird es von anderen gezeichnet. Jetzt ist es wichtig auf Verlässlichkeit zu setzen. Wir brauchen die regionale Akkupunktur – das heißt, dass verlässlich in der Region eingekauft wird. Wir brauchen hier zuverlässige Partner im Handel. Vor allem aber sind die besten Partner die Konsumentinnen und Konsumenten."
Es wird in Zukunft aber auch darum gehen, für welche Lebensmittelmodelle sich Österreich entscheidet. Köstinger: "Für Österreich stehen die bäuerlichen Familienbetriebe im Vordergrund, sie sind das Zentrum der Lebensmittelproduktion. Das werden wir auch mit aller Kraft auf europäischer Ebene verteidigen."

Flächendeckendes AMA-Gütesiegel auch bei Rewe
Besagte landwirtschaftliche Produktion auf diesem hohen Niveau, wie es in Österreich üblich ist, bedeutet aber auch jede Menge Mehrwert für die jeweiligen Regionen und somit für das ganze Land sowie sichere Arbeitsplätze und den Erhalt wichtiger Familienstrukturen. Stabile Rahmenbedingungen und ein verlässliches Zusammenarbeiten auf Augenhöhe sind Grundvoraussetzungen, dass Junglandwirte Betriebe übernehmen und somit kann auch eine nachhaltige flächendeckende Nahrungsmittelversorgung sichergestellt werden.
Möglich ist das Ganze jedoch nur dann, wenn auch der Handel mitspielt und den heimischen landwirtschaftlichen Produkten eine dementsprechende Bühne samt fairen Preisen gibt. Interessant in dem Zusammenhang, dass Rewe International-Chef Marcel Haraszti eine flächendeckende Einführung des AMA-Gütesiegels für Rind- und Schweinefleisch bei Billa und Merkur ankündigte, was bei der Spar jedoch bereits seit einigen Jahren obligat ist.

Eigenmarkenpolitik des Handels im Visier
Generell prangerte man die Billigstrategien der großen Handelsketten an, die bei ihren Eigenmarken oftmals genau jene Herkunftstransparenz vermissen lassen, die diese von den bäuerlichen Produzenten sehr wohl einfordern, vor allem bei Produkten aus dem Ausland. Köstinger fordert diesbezüglich sogar ein Einschreiten der Bundeswettbewerbsbehörde wegen Marktmachtmissbrauchs und überlegt eine offizielle Beschwerdestelle für Bauern einzurichten, die sich vom Handel ungerecht behandelt fühlen.

Streitthema Glyphosat
Seitens der Landwirtschaft war auch das Thema Glyphosat ein Grund mehr mit dem Handel ins Gericht zu gehen, zumal ja Spar Präsident Dr. Gerhard Drexel ein generelles Glyphosat-Verbot fordert und die Spar darüber hinaus bereits Mitte des vergangenen Jahres sämtliche Produzenten ihrer Eigenmarken angewiesen hatte auf Glyphosat zu verzichten. Für Landwirtschaftskammerpräsident Hermann Schultes sei dies ein politisches Thema, mit dem der Handel nicht spielen solle.



Kündigte flächendeckendes AMA-Gütesiegel an: Marcel Haraszti
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Kündigte flächendeckendes AMA-Gütesiegel an: Marcel Haraszti
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