WKÖ: Gegen den Trend im Onlinehandel
 
WKÖ

Gegen den Trend im Onlinehandel

Studio Romantic - stock.adobe.com

Der EU-27-Online-Shopping-Report zeigt, wie sich das digitale Einkaufsverhalten auf dem Kontinent entwickelt hat.

Wohin entwickelt sich der Online- und Multichannel-Handel? Dieser Frage ist die WKO mit dem EU-27-Online-Shopping-Report auf den Grund gegangen. In Österreich ist der Anteil an Konsumenten, die (auch) online einkaufen seit 2019 von damals 62 Prozent auf 66 Prozent im Boom-Jahr 2020 gestiegen. 2021 sank er jedoch auf 63 Prozent zurück. Der einzelhandelsrelevante Anteil an Ausgaben stieg allerdings dennoch von knapp unter 10 Prozent in 2019 auf 11,3 in 2020 und nun auf 11,5 in 2021. Damit entwickelt sich Österreich gegen den europäischen Trend: Hier stieg der Shopper-Anteil von 65 weiter auf 66 Prozent.

Christoph Teller, Vorstand des Instituts für Handel, Absatz und Marketing an der JKU Johannes Kepler Universität Linz, nannte bei der Präsentation der Zahlen die Entwicklungen von 2021 einen "eisigen Wind in das Gesicht des stationären Handels". Ebendort sorgten die Schließungen im Weihnachtsgeschäft sorgten für geringere Besucherfrequenzen und somit abnehmende Ausgaben. Teller sieht darin eine Zwangsrekrutierung für den Onlinehandel, den viele Händler jedoch rechtzeitig ausgebaut haben, um von dem Trend zu profitieren. Interessant ist jedoch, dass nun die Nutzungszahlen abnehmen - auch in Konsumentengruppen, bei denen man das nicht vermuten würde. Selbst bei jungen Shoppern nimmt der Anteil der Online-Einkäufe ab, bei den Altersgruppen 45 bis 54 und 65+ hingegen ist ein leichtes Plus zu verzeichnen. Ähnliches ist in Deutschland zu beobachten.

Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich, schlüsselte einige der relevantesten Kategorien für den Onlinehandel auf. Lebensmitteln beziehen 12 Prozent aller Österreicher online, womit wir genau im EU-Durchschnitt liegen. Dieser Wert hat sich seit 2019 verdoppelt. Europa-Meister sind übrigens die Niederlande mit 30 Prozent, in Deutschland sind es 11 Prozent. Bei Beikleidung und Schuhen liegt Österreich mit 43 Prozent leicht unter dem Durchschnitt, bei Möbeln, Heimzubehör und Gartenartikeln mit 23 Prozent weit darüber.

Ernst Gittenberger, Leiter des Centre of Retail and Consumer Research an der JKU Johannes Kepler Universität Linz, fasst zusammen: "2020 haben wir einen enormen Sprung gesehen, der jedoch die Ausnahme geblieben ist. Wir haben es nicht mit einer Revolution im Online-Shopping zu tun, sondern mit der Evolution. Händler konnten sich auf die geänderten Bedingungen anpassen, jedoch hat der stationäre Handel seine Relevanz behalten." Weiter spricht er von einem Boom auf niedrigem Niveau bei den Lebensmitteln und gibt noch Kontext zum Verständnis der europäischen Größenverhältnisse: Drei von zehn Euro, die in den EU-27-Ländern ausgegeben werden, stammen aus Deutschland. 

stats