WKÖ/ÖGB: Jahresbilanz für den Einzelhandel 20...
 
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Jahresbilanz für den Einzelhandel 2019

Wilke

Die WKÖ präsentierte ihre Zahlen für das vergangene Jahr. Peter Buchmüller, WKÖ-Obmann der Bundessparte Handel, zeigt sich zufrieden: "Die Anstrengungen haben gefruchtet". Währenddessen sieht die GPA-djp die Bilanz für Beschäftigte im Handel kritisch.

"2019 ist gut gelaufen, die Bilanzen sind positiv", eröffnete Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel der WKÖ, die Präsentation der Jahresbilanz 2019. Gemeinsam mit Bundessparten-Geschäftsführerin Iris Thalbauer und Wolfgang Ziniel vom Institut KMU Forschung Austria stellte er die Daten zur Einzelhandels-Konjunkturentwicklung des österreichischen Einzelhandels, auf Basis der Umsatzangaben von rund 4.500 Einzelhandelsgeschäften, vor.

Die Zahlen zeigen: Der Handel hat sich stabil entwickelt. So konnte der stationäre Einzelhandel seine Umsätze 2019 im Vergleich zum Vorjahr nominell um 1,3 Prozent auf rund 73,2 Milliarden Euro steigern. Dabei verbuchten 41 Prozent der Geschäfte Umsatzzuwächse, während 22 Prozent eine stabile und 37 eine Rückläufige Entwicklung meldeten. Im Branchenvergleich liegt der Lebensmitteleinzelhandel mit einem Umsatzplus von 2,2 Prozent an der dritten Stelle, hinter dem Spitzenreiter EH mit Bau- und Heimwerkerbedarf (+2,8 Prozent), der auch 2018 die Nase vorne hatte, und dem EH mit kosmetischen Erzeugnissen (+2,7 Prozent). Das alles passierte im Rahmen eines Inflationsanstiegs von 1,5 Prozent. Die Preise sind gleichzeitig jedoch nur um 1,1 Prozent angestiegen. Für Buchmüller und Ziniel durchaus positiv: "Daran sehen wird, dass der Einzelhandel nicht die preistreibende Kraft im Sinne einer Teuerung ist". Die sehen die beiden eher beim Wohnen und Mieten.

Online boomt
Auch die Zahlen im heimischen Online-Handel sind erfreulich. 2019 wurde hier ein Wachstum von 6 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro erzielt, das sind 4,6 Prozent des gesamten Einzelhandelsvolumens in Österreich. Die großen internationalen Plattformen wie Amazon machen es dem heimischen Einzelhandel aber nicht ganz einfach, deshalb muss eine Steuergleichheit für den stationären Handel und dem Internethandel realisiert werden, so Thalbauer. "Weit mehr als die Hälfte der Online-Bestellungen gehen ins Ausland, das sind rund 4,2 Milliarden Euro. Hier herrschen jedoch ungleiche Wettbewerbsbedingungen im Steuer- und Abgabenrecht. Die im Regierungsprogramm stehende Absicht, die Einführung einer digitalen Betriebsstätte auf europäischer und internationaler Ebene zu forcieren, ist aus Sicht des Handels ein wesentlicher Schritt", betont die Bundessparten-Geschäftsführerin.
Um eine Digitalisierung werden Österreichs Einzelhändler aber kaum mehr herumkommen, auch wenn es den Stationären Handel immer gibt, wenn auch in einer anderen Form, betont Buchmüller. Besonders Echtzeitdaten sollen immer wichtiger werden, prognostizieren die Redner.

Beschäftigungswachstum
Über 337.000 Mitarbeiter sind derzeit im Einzelhandel, Großteils im Lebensmitteleinzelhandel, beschäftigt, das ist ein Plus von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig ist die Anzahl an geringfügig Beschäftigten gesunken.

Unzufriedenheit bei Angestellten
Während sich die WKÖ und viele Arbeitgeber über die positive Jahresbilanz freuen, herrscht bei den Angestellten Unmut - vor allem im Bereich der Arbeitszeiten. Gerade gegen Ende des Jahres ließ laut GPA-djp die Arbeitszeitqualität stark zu wünschen übrig: "Insbesondere das exzessive Ausnutzen der Öffnungszeiten zu Weihnachten und zu Silvester führte zu großem Unmut. Wir waren mit zahllosen Anrufen und Schreiben konfrontiert, in denen die Betroffenen signalisierten, dass die Arbeitszeiten eine Zumutung seien und an die Grenze der Belastbarkeit gingen“, so die Vorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp), Barbara Teiber. "Wenn die Wirtschaftskammer will, dass der Handel sich zu einer für Beschäftigte attraktiven Branche mit Zukunftsperspektiven entwickelt, dann muss mehr Augenmerk auf die Arbeitszeitqualität gelegt werden". Sie fordert die Wirtschaftskammer auf, hier rasch eine gerechte Regelung zu schaffen. Spartenobmann Peter Buchmüller hat bereits zu Jahresende signalisiert, dass auch er hier mit der Öffnungszeitenpraxis nicht zufrieden sei.

Ausblick
Trotz allem blickt die WKÖ positiv gestimmt in die Zukunft - ähnlich wie 83 Prozent der Befragten, die sich 2020 auf eine stabile, weiterhin gute Geschäftsentwicklung einstellen.
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