WKO/KMU Forschung Austria: Corona hinterlässt...
 
WKO/KMU Forschung Austria

Corona hinterlässt irreparable Schäden im EH

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Dem heimischen Einzelhandel sind alleine im März und April Umsätze in der Höhe von 2,2 Mrd. Euro entgangen. Trotz positiver Tendenz im Mai, werden viele von ihnen heuer keine Gewinne erwirtschaften können. 

"Covid-19 hinterlässt tiefe Furchen im heimischen Einzelhandel", sagt Noch-Obmann der Bundesparte Handel KommR. Peter Buchmüller, der sich diese Woche nach fünf Jahren als Obmann der Bundessparte Handel aus der WK verabschiedet um die Funktion des Präsidenten der Wirtschaftskammer Salzburg anzutreten. Buchmüllers Besorgnis wird anhand der aktuellen von der KMU Forschung Austria erhobenen Zahlen verdeutlicht, denen zufolge der gesamte heimische Einzelhandel im März und April einen Umsatzverlust von 2,2 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr zu beklagen hat. Insgesamt lag das Minus im März bei 16,3 Prozent; im April war es mit Minus 20 Prozent noch größer. Nimmt man den EH zu Grundversorgung aus (LEH, DFH, Trafiken und EH mit medizinischen und orthopädischen Artikeln), zeichnet sich ein weitaus dramatischeres Bild: Die Verluste der restlichen EH-Branchen liegen bei minus 42,8 Prozent im März bzw. bei minus 46,2 Prozent im April. Für den Monat Mai liegen noch keine endgültigen Zahlen vor, hier dürfte es im gesamten EH laut Dr. Wolfgang Ziniel von der KMU Forschung Austria ein vorläufiges Plus von 3,3 Prozent bzw. ein Minus von knapp vier Prozent ohne den EH zur Grundversorgung. 

Umsatzverluste in fast allen Branchen

Während der stationäre Lebensmitteleinzelhandel laut Nielsen Umsatzbarometer im April 2020 ein nominelles Umsatzplus von 12,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr verbuchen konnte, mussten alle anderen Handelszweige Verluste zwischen 10 und 71 Prozent budgetieren. Mit Umsatzverlusten von satten 70,9 Prozent trifft die Coronakrise den EH mit Bekleidung am stärksten, gefolgt vom Möbelhandel (-61,6 %), dem Schuh- und Lederwarenhandel (-58,1 %) sowie dem EH mit Schmuck und Uhren (-57,4 %). Vergleichweise glimpflich kam indes der EH mit Bau- und Heimwerkerbedarf davon: Hier lag das Minus bei rund 10 Prozent, sowie der Einzelhandel mit kosmetischen Erzeugnissen, der um minus 12,1 Prozent an Umsatz verlor. 

Onlinehandel im Plus

Ein deutlich anderes Bild vermeldet zeitgleich der österreichische Onlinehandel, der seinen Umsatz im März um 50 und im April sogar um 150 Prozent steigern konnte (nominell). Ingesamt beliefen sich die Einnahmen im E-Commerce im Zeitraum des Shut-downs auf 1,2 Mrd. Euro (brutto) - das sind rund 10 Prozent des gesamten Einzelhandelsvolumens. Laut der Bundessparten-Geschäftsführerin Mag. Iris Thalbauer sei das ein klares Bekenntnis der Bevölkerung zur heimischen Wirtschaft. 

Situation der Handelsangestellten

Mit mehr als 600.000 Arbeitnehmern beschäftigt der österreichische Handel rund ein Viertel aller unselbstständigen Beschäftigten. Mit Ende Mai waren laut dem AMS knapp 67.000 von ihnen arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Mai 2019 ist das ein Plus von 60 Prozent bzw. 25.000 Personen. Weitere 300.000 Handelsmitarbeiter waren im selben Zeitraum in Kurzarbeit gemeldet. Einen Beschäftigungstiefstand gab es laut dem Dachverband der Sozialversicherungsträger vor allem im April, als die meisten Geschäfte Corona bedingt schließen mussten. „Die Konjunktur spiegelt sich mit einem Minus bei der Beschäftigtenzahl von 4,9 Prozent - das sind 16.3000 Beschäftigte weniger im österreichischen Einzelhandel – wider", so Thalbauer.

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