Pfeiffer Handelsgruppe: Zielpunkt: Keine Täus...
 
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Georg Pfeiffer (l.) und Erich Schönleitner: "Die Fortbestandsprognose kann innerhalb einer Woche kippen." © Pfeiffer
Georg Pfeiffer (l.) und Erich Schönleitner: "Die Fortbestandsprognose kann innerhalb einer Woche kippen." © Pfeiffer

„Wir haben definitiv niemanden getäuscht“, sagt Pfeiffer-Aufsichtsratsvorsitzender Georg Pfeiffer auf die CASH-Frage, warum im Vorfeld des Bekanntwerdens des Insolvenzantrages festgehalten wurde, dass es mit Zielpunkt kein Problem gibt.

Gestern, am 26. 11., haben Georg Pfeiffer und Pfeiffer Holding-Geschäftsführer Erich Schönleitner ausgewählte Journalisten zu einem Gespräch eingeladen. CASH war am Nachmittag mit dabei – und stellte u. a. die Frage, warum im Zusammenhang mit dem Verkauf des Pfeiffer C+C-Geschäftsbereiches an Transgourmet mehrmals festgestellt wurde, dass dieser nicht in Zusammenhang mit Zielpunkt stehe. Vielmehr wurde bekanntlich festgestellt: „Hätten wir ein Problem mit Zielpunkt, dann hätten wir Zielpunkt verkauft.“

War das eine bewusste Täuschung? Davon distanziert sich Georg Pfeiffer entschieden: „Wir haben definitiv niemanden getäuscht.“ Es sei klar gewesen, und zwar seit 2012 – im April stieg man mit einer Minderheitsbeteiligung von 24,9 % bei Zielpunkt ein – „dass ein Insolvenzszenario nicht ausgeschlossen ist.“ Man könne jedoch im Vorfeld eines möglichen Insolvenzantrages nicht eine öffentliche Diskussion beginnen, das würde auch die Mitarbeiter verunsichern.

Die Kritik der Gewerkschaft, u. a. dass sie über den Insolvenzantrag überrascht sei, weist Pfeiffer zurück und ratet ihr hingegen „eine Basisschulung“ in der Sache Insolvenzrecht an. Dieses sei so hart und brutal, dass man umgehend reagieren müsse bzw. eine umgehende Entscheidung zu treffen hat – „und bis diese Entscheidung getroffen ist, ist sie streng vertraulich“, schildert Pfeiffer.

Fortbestehungsprognose zeigte kein Licht
Nach einer Überprüfung der Fortstehungsprognose Ende KW 47 schrillten offenbar die Alarmglocken. Am Stichtag 25.11. um neun Uhr stand fest, dass Zielpunkt rein rechtlich betrachtet nicht mehr fortgeführt werden kann. Die Aufgabe, die Fortbestehungsprognose zu führen bzw. den Insolvenzantrag zu stellen, obliegt bzw. oblag den Zielpunkt-Geschäftsführern. Dies sind Roland Malli und Erich Schönleitner. Dieser Prozess wurde konkret vom Wirtschaftsprüfer Ernst & Young sowie dem ausschließlich für die Fortbestehungsprognose hinzugezogenem Wirtschaftsprüfer KPMG begleitet.

Schließung der Filialen ab KW 49
Für Beginn KW 49, sprich ab 30. November, soll der Abverkauf der Waren in den Märkten mit gezielten Aktionen starten. Gleichzeitig wird ab diesem Punkt der Frischebereich Zug um Zug abgewickelt. Schönleitner und Pfeiffer schätzen, dass bis zum 8. Dezember bzw. im Laufe dieser Woche die Filialen – weil Waren verkauft – geschlossen werden.

Dann liegt die weitere Vorgangsweise beim Masseverwalter, der vom Handelsgericht Wien, wo die Insolvenz am 30.11. oder 1.12. angemeldet werden soll, bestellt wird. Dass der Antrag erst einige Tage nach Bekanntwerden des Zielpunkt-Insolvenzantrages eingereicht wird, erklärt Schönleitner mit der auszufertigenden Feststellungsbilanz, die benötigt wird.

Zielpunkt hat kein Geld von Banken bekommen
Mit 30 Millionen Euro, bekräftigt Schönleitner, ist die Pfeiffer Holding ein Hauptgläubiger, in Summe wurden in Zielpunkt seit 2012 50 Millionen Euro investiert. Wie die Lage für die Pfeiffer Holding als Gläubiger aussieht, ist natürlich jetzt noch offen. Weitere Gläubiger sind naturgemäß die Lieferanten. In Summe gibt es 1.100 Lieferanten, 700 davon, so Schönleitner, sind Lieferantenpartner der Markant. Die Markant AG hat bereits am 25.11. in einem Schreiben mitgeteilt, dass jede weitere Lieferung nach Zugang gleicher Information nicht mehr unter die Bürgschaftsverpflichtung fällt.

Wie hoch die Konkursquote sein wird, wird in jedem Fall auch die Pfeiffer Holding als Hauptgläubiger interessieren. Diese sei durch den Verkauf des C+C-Bereiches an Transgourmet mit einer guten Kapitalstruktur aufgestellt, sagt Pfeiffer.

Die Gerüchte, dass Zielpunkt mit Bankengeldern finanziert worden sei, weist Georg Pfeiffer zurück: „Zielpunkt wird von keinen Banken finanziert.“

Kurve der Fortbestehensprognose gekippt
Noch im Frühherbst 2015 zeigte die Prognose ein planmäßiges Bild. Im Oktober verschlechtere sie sich drastisch auf Grund der schlechten Umsatzentwicklung, mit der auch die gesamte Branche zu tun hat. Die Überprüfung im November zeigte eine katastrophale Lage. „Die Fortbestehungsprognose kann innerhalb einer Woche kippen“, erklärt Georg Pfeiffer letztlich zur umgehend zu treffenden Entscheidung des Insolvenzvertrages sowie: „Salopp gesprochen: Die Kosten und die Strukturen haben gepasst, aber die Umsätze gefehlt.“

Die Gerüchte, über die cash.at in der Meldung vom 26.11. berichtete, es hätte einen Plan gegeben, Zielpunkt 2016 in Insolvenz zu schicken bzw. dies dann doch schon 2015 zu tun, um die außerordentliche Gewinne durch den C+C-Verkauf durch den Zielpunkt-Verlust zu minimieren, hält Georg Pfeiffer nicht nur „für ein wahnwitziges Argument“, sondern sagt auch, „das wäre kriminell“.

Zielpunkt-Konkursmasse – was bleibt übrig?
Im Grunde ist es eigentlich die Zielpunkt-Zentrale in 1230 Wien. Außer dieser Immobilie sind im Filialbereich alle angemietet. Hinzu kommt noch die Ware des Abverkaufs. Genaueres wird sich erst durch den Masseverwalter herauskristallisieren.

Pfeiffer – was bleibt vom Familienunternehmen?
Die Zukunft ist, wieder als regionaler Lebensmittelhändler und mit Online-Business am Markt zu agieren. Der Jahresumsatz dürfte somit von rund 1,3 Mrd. Euro auf ca. 400 Millionen Euro zusammenschmelzen.

Top-Team Zentraleinkauf bleibt in seiner Struktur bestehen, sagen Schönleitner und Georg Pfeiffer. An der am 1.9.2015 gegründeten Pfeiffer LebensmittelhandelsgesmbH. werden sich auch Erich Schönleitner und Markus Böhm beteiligen.

Warum Zielpunkt?
Die CASH-Frage, warum man sich überhaupt für den Einstieg bei Zielpunkt im Jahr 2012 entschlossen hat und ob nicht das Management und so auch Erich Schönleitner den Eigentümer in dieser Sache zu sehr getrieben hätte, beantwortet Georg Pfeiffer so: „Wir haben die Entscheidung gemeinsam getroffen. Wir haben gewusst, dass ein Risiko mitschwingt. Aber wir haben diese Entscheidung in voller Überzeugung getroffen. Wo eine große Chance liegt, gibt es auch ein großes Risiko.“

Interessenten für Zielpunkt
Die meisten Händler haben – im Rahmen ihrer kartellrechtlichen Möglichkeiten – grundsätzliches Interesse angemeldet sowie auch Interesse an der Übernahme von Mitarbeitern, ohne es im Detail in dieser Kurzfristigkeit konkretisieren zu können.

Den Zielpunkt-Geschäftsführern Erich Schönleitner (l.) und Roland Malli obliegt nun die Einbringung des Insolvenzantrags. © Pfeiffer
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Den Zielpunkt-Geschäftsführern Erich Schönleitner (l.) und Roland Malli obliegt nun die Einbringung des Insolvenzantrags. © Pfeiffer
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