Pfeiffer Handelsgruppe: Zielpunkt rausgekickt
 
Pfeiffer Handelsgruppe

Zielpunkt rausgekickt

Pfeiffer
Aussage Georg Pfeiffer: „Wenn wir ein Problem mit Zielpunkt hätten, dann hätten wir Zielpunkt verkauft.“ 3 Wochen später schickt er Zielpunkt in Insolvenz. © Pfeiffer
Aussage Georg Pfeiffer: „Wenn wir ein Problem mit Zielpunkt hätten, dann hätten wir Zielpunkt verkauft.“ 3 Wochen später schickt er Zielpunkt in Insolvenz. © Pfeiffer

Was Insider hinter vorgehaltener Hand gemunkelt haben – nämlich die Zielpunkt-Insolvenz Ende 2016 – ist bereits jetzt Realität. Am 1. 12. 2015 soll der Antrag eingebracht werden.

Heute ist der 26. 11. 2015. Am 5. 11. 2015 stellt Georg Pfeiffer in der Pressekonferenz anlässlich des Verkaufs des C+C-Bereiches an Transgourmet fest, dass dieser Verkauf nichts mit Zielpunkt zu tun hat. Pfeiffer: „Wenn wir ein Problem mit Zielpunkt hätten, dann hätten wir Zielpunkt verkauft.“ Am 18. 11. 2015 machte Erich Schönleitner, Holding-Geschäftsführer der Pfeiffer Handelsgruppe, im Interview mit dem Wirtschaftsblatt u. a. eine ähnliche Aussage: „Hätten wir uns übernommen, hätten wir Zielpunkt verkauft.“ Am 24. 11. 2015 wurde, ist zu hören, das Zielpunkt-Management über die Insolvenz informiert, erst gestern sollen es alle Mitarbeiter erfahren haben – aus den Medien.

Eine unglaublich grausliche Geschichte, gespickt mit Aussagen des Eigentümers und der Geschäftsführung, die 2.500 Mitarbeitern, die seit Jahren und auch von Pfeiffer auf Um- und Neupositionierung eingeschworen wurden, Hoffnung gemacht hatten und im Grunde keine Signale geschickt haben, dass das Aus für Zielpunkt praktisch vor der Türe steht.

Markant informierte Lieferanten

Auch den Lieferanten wurde einiges vorgegaukelt – nun ist Schluss damit: Jenen, die mit der Markant AG einen Zentralregulierungs-, Verkaufsförderungs- und Vermittlungsvertrag abgeschlossen haben, wurde von der Markant AG in einem Schreiben vom 25. 11. 2015 mitgeteilt: „Hiermit schließen wir auch im Namen und im Auftrag der Euler Hermes Deutschland Niederlassung der Euler Hermes SA die nachfolgend bezeichnete Gesellschaft aus der Kundenliste der Markant AG und damit von der Bürgschaftsverpflichtung aus: Zielpunkt GmbH., Heizwerkstr. 5, 1239 Wien, GLN 9003807000007 mit allen Betriebsstätten sowie Zielpunkt GmbH., Heizwerkstr. 5, 1239 Wien, GLN 9000096000008 mit allen Betriebsstätten.“

Lieferungen, die nach Zugang dieser Erklärung ausgeführt werden, fallen nach dem Wortlaut der Bürgschaftsurkunde nicht mehr unter die Bürgschaftsverpflichtung und es findet keine Zentralregulierung mehr statt, heißt es weiter seitens der Markant AG.

Dass Zielpunkt somit keine Waren mehr für das operative Geschäft geliefert werden, ist klar. Und es haben sich die Befürchtungen einiger Lieferanten und Gesellschafterkollegen in der Markant Österreich nun bestätigt, dass sich Pfeiffer mit Zielpunkt übernommen hat, auch wenn immer – auch CASH gegenüber – das Gegenteil vom Pfeiffer-Management behauptet wurde.

Zielpunkt-Insolvenz für Rettung übriger Unternehmensteile

In der Aussendung vom 25. 11. 2015, in der Pfeiffer über die Zielpunkt-Insolvenz informiert, die „voraussichtlich am 1.12.2015 beim Handelsgericht Wien eingebracht wird“, stellt das Unternehmen fest, man hätte nichts unversucht gelassen und bis zum Schluss gekämpft und für die Rettung von Zielpunkt wäre ein hoher zweistelliger Millionenbetrag nötig gewesen.

Erstaunlich ist, dass man das erst jetzt erkannt hat. In der Aussendung der Pfeiffer Handelsgruppe zur Zielpunkt-Insolvenz heißt es u. a.: „Bis Frühherbst 2015 war die Entwicklung des Unternehmens gemäß der Fortbestehungsprognose auf Plan und sogar leicht darüber. Auf Grund des allgemein schwächelnden Lebensmittel-Einzelhandels haben sich die Vorzeichen geändert. Die Umsatzrückgänge – die bislang durch Kostensenkungsmaßnahmen kompensiert werden konnten – sind massiv, die Suche nach Investoren war nicht erfolgreich.“

Bis 2018 wäre ein Investment von weiteren 60 Millionen Euro notwendig gewesen, um Zielpunkt zu retten. Diese Summe sei von der Pfeiffer Handelsgruppe nicht aufzubringen, ohne die sonst allesamt gesunden Pfeiffer-Firmen zu gefährden. In den letzten Jahren wären über 50 Millionen Euro in die Kette investiert worden – Pfeiffer beteiligte sich 2012 mit 24,9 Prozent an Zielpunkt und übernahm 2014 die Kette als alleiniger Eigentümer.

Glaubwürdigkeit angeschlagen?

Die Frage, wie sich der Ablauf rund um die Zielpunkt-Insolvenz eigentlich auf die Pfeiffer-Handelsgruppe in Summe beim Thema Glaubwürdigkeit und Image auf allen Ebenen und vor allem auch bei den Lieferanten auswirken wird, bleibt natürlich offen. Der Deal mit Transgourmet wird wie geplant über die Bühne gehen, teilt Pfeiffer mit. Und man sieht die Zukunft im regionalen Einzelhandel und dem Online-Business. In letzteres zahlt mit großer Wahrscheinlichkeit auch das stationäre Geschäft ein.

Aufsichtsratsvorsitzender Georg Pfeiffer hält zur Zielpunkt-Insolvenz fest, es sei ein schmerzhafter, aber notwendiger Schritt […]. „Es ist aber auch unsere Verantwortung gegenüber den restlichen Mitarbeitern der Handelsgruppe, für Stabilität zu sorgen.“

Interessenten für Zielpunkt

Filialen in Wien sind – was den LH betrifft - vor allem für Hofer und Lidl interessant bzw. kartellrechtlich am ehesten umsetzbar. Spar und Rewe International werden sich wahrscheinlich ebenfalls einige einverleiben wollen, obwohl sich Zielpunkt-Märkte durchaus auch in Nähe von Billa oder Spar befinden, was die Anzahl von geeigneten Läden für die beiden Marktführer einschränken wird.

BWB: Lebensmittelhandel wieder stärker im Visier

BWB-GD Theodor Thanner befürchtet – so gestern in der ZIB 2 zu hören – dass es durch den Wegfall von Zielpunkt – die Kette wurde übrigens am 2. 7. 2015 zu einer Geldbuße von 562.500 Euro verurteilt - zu Preissteigerungen kommen könnte. Deshalb wird die BWB den Lebensmittelhandel wieder verstärkt ins Visier nehmen. Die Botschaft dürfte in der Branche angekommen sein, vielmehr dürfte aber bewegen und eine volkswirtschaftliche Angelegenheit sein, dass nun jeder der 2.500 Mitarbeiter selbst einen Antrag beim Insolvenzentgeltfonds stellen muss, um das November-Gehalt zu bekommen. Diese Gelder werden vom Insolvenzfonds und somit aus Steuermitteln bezahlt.

Die Facts in Kürze:

Es stehen 229 Zielpunkt-Filialen zur Disposition. Auf der Pfeiffer-Website wird Zielpunkt ein Umsatz von 493 Millionen Euro zugeschrieben (Geschäftsjahr 2014), werden 2.400 Mitarbeiter beschäftigt und gibt es 247 Filialen. Inkl. Zielpunkt beziffert die Pfeiffer Handelsgruppe 2014 den Umsatz mit 1,3 Mrd. €, beschäftigt 6.400 Mitarbeiter, betreibt 127 Unimärkte und der Großhandel beliefert 268 Nah&Frisch-Kaufleute, 9 „Land lebt auf“-Läden sowie weitere 178 Nahversorger.

Aussage Erich Schönleitner im Wirtschaftsblatt am 18. 11. 2015: „Hätten wir uns übernommen, hätten wir Zielpunkt verkauft.“ © Pfeiffer
Pfeiffer
Aussage Erich Schönleitner im Wirtschaftsblatt am 18. 11. 2015: „Hätten wir uns übernommen, hätten wir Zielpunkt verkauft.“ © Pfeiffer


BWB-Chef Theodor Thanner fühlt sich nach Zielpunkt-Aus sofort berufen, den Lebensmittelhandel wieder ins Visier zu nehmen. © Johannes Brunnbauer
Johannes Brunnbauer
BWB-Chef Theodor Thanner fühlt sich nach Zielpunkt-Aus sofort berufen, den Lebensmittelhandel wieder ins Visier zu nehmen. © Johannes Brunnbauer


© Johannes Brunnbauer
Johannes Brunnbauer
© Johannes Brunnbauer
stats