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abz*austria/Coronavirus

Die Coronakrise trifft Frauen härter

StockSnap - Pixabay
Viele Frauen berichten, dass der einzig verfügbare Laptop von den Kindern oder dem Partner benötigt wird und sie auf Grund der Mehrfachbelastungen keine Zeit mehr zur persönlichen Fortbildung haben.
Viele Frauen berichten, dass der einzig verfügbare Laptop von den Kindern oder dem Partner benötigt wird und sie auf Grund der Mehrfachbelastungen keine Zeit mehr zur persönlichen Fortbildung haben.

In besonders schwierigen Zeiten werden Veränderungsprozesse beschleunigt oder ausgebremst. Letzteres, das Zurückfallen in alte Muster und Ungerechtigkeiten, ist für die Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt ein großes Problem.

Laut abz*austria, ein nicht gewinnorientierter Verein zur Förderung von Arbeit, Bildung und Zukunft von Frauen, kümmerten sich bis dato 45 Prozent der Frauen um das Home Schooling ihrer Kinder, während sie selbst im Home Office tätig waren. In 34 Prozent der Haushalte waren Männer und Frauen zuständig, in sieben Prozent nur die Männer und bei 14 Prozent keiner oder jemand anders. Zu den Belastungen für Frauen kommt dann auch noch, dass die Attribute der Home Office Macht tendenziell bei den Männern liegen. Ungestörtes Arbeiten, ein eigener Schreibtisch, ein Laptop oder PC bzw. das notwendige technische Equipment ist für Frauen oft nicht verfügbar bzw. leistbar. Das kann nicht funktionieren, wenn Frauen gerade in der Ausbildung sind, einem Job nachgehen oder nächste Karriere-Schritte machen wollen.

Mangelnde Vereinbarungsmöglichkeiten

„Wir müssen gerade jetzt stark darauf achten, dass Frauen durch den starken Druck der Doppel- und Dreifachbelastungen nicht den Anschluss im Job verlieren“, weiß Manuela Vollmann, Geschäftsführerin von abz*austria. Aus der Praxis kann Vollmann sagen, dass zurzeit eine gleichberechtigte Teilhabe an Bildung schwierig ist. „Die Frauen berichten uns, dass der einzig verfügbare Laptop von den Kindern oder dem Partner benötigt wird und sie auf Grund der Mehrfachbelastungen keine Zeit mehr zum Lernen haben.“ Frauen in Ausbildungen verlieren den Zugang zu Bildung in einer Zeit, wo vor allem online informiert und gelernt wird. „Wir haben auch viele Frauen, die gerade die Möglichkeiten hätten, einen Job zu bekommen, da sie Ausbildungen absolviert haben, die wie z.B. Lagerlogistik sehr stark nachgefragt werden, aber auf Grund mangelnder Vereinbarkeitsmöglichkeiten, diese Jobs nicht annehmen können“, berichtet Vollmann weiter. Daher fordert sie, dass im Rahmen einer aktuellen Arbeitsmarktpolitik mindestens 50 Prozent der Fördermittel des Arbeitsmarktservices für Frauen aufgewendet werden. „Um die Teilhabe an Bildung nicht auszuschließen, brauchen wir in einem ersten Schritt mindestens 1.000 Laptops, die wir Frauen in Ausbildung zur Verfügung stellen können“, ist sich Vollmann sicher.

Modell einer Familienarbeitszeit von 30/30 gefordert

„Ein freiwilliges technisches Jahr für Frauen in Anlehnung an das bestehende Modell des freiwilligen sozialen Jahres kann den Zugang zu technischen Berufen ermöglichen und die Frauenquote in technischen Branchen erhöhen“, schlägt Vollmann vor. Außerdem ist ihr die Neuverteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit ein großes Anliegen, um stereotype Rollenbilder aufzubrechen und Frauen ein existenzsicherndes Einkommen und Karriere zu ermöglichen. Eine Erwerbsunterbrechung aufgrund von Kindern ist leider immer noch ein zentraler Einflussfaktor für die weitere berufliche Laufbahn einer Frau. Es braucht einen politischen Rahmen, der eine partnerschaftliche Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit deutlich stärker unterstützt. abz*austria schlägt ein Modell einer Familienarbeitszeit von 30/30 vor, in dem beide Eltern auf 30 Wochenstunden bei teilweisem Lohnausgleich reduzieren. „Nur wenn beide Elternteile in dieser Lebensphase Erwerbsarbeitszeit reduzieren, wenn es „normal“ wird für Unternehmen, dass auch Männer diese Zeiten in Anspruch nehmen, wird eine Verschiebung von Verantwortlichkeiten und ein größere Selbstverständlichkeit von Frauenkarrieren gelingen“, ist Vollmann überzeugt.

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