Bain & Company/Coronavirus: Weltweiter Online...
 
Bain & Company/Coronavirus

Weltweiter Online-Boom hält an

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Trotz der Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen werden Lebensmittel weiterhin fleißig im Internet bestellt. Eine Studie von Bain & Company lässt erkennen, dass 45 Prozent des aktuellen Umsatzplusses erhalten bleiben dürfte.

Für ihre Studie "How to Ramp Up Online Grocery – without Breaking the Bank" haben die Unternehmensberater Bain & Company unter anderem 7.500 Internetkunden in Westeuropa zu ihren Einkaufsgewohnheiten befragt. Die Ergebnisse: Allein Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und die USA werden 2020 voraussichtlich 350 Millionen mehr Online-Bestellungen von Lebensmitteln verzeichnen. Das entspricht einem zusätzlichen Umsatz von rund 36 Milliarden US-Dollar. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass dieses Umsatzplus bis zu 45 Prozent erhalten bleiben dürfte.

Die Kehrseite

"Der lang erwartete Onlineboom stellt für den Lebensmittelhandel allerdings auch ein Risiko dar", erklärt Miltiadis Athanassiou, Bain-Partner und Leiter der Praxisgruppe Einzelhandel in Europa, im Mittleren Osten und in Afrika (EMEA). "Denn die meisten Anbieter erwirtschaften mit den nach Hause gelieferten oder im Geschäft abgeholten Bestellungen deutlich weniger als mit klassischen Verkäufen vor Ort."

Oft führe jede Kundenorder sogar zu einem Verlust. "Trotzdem sollten die Lebensmittelhändler auf das zukunftsträchtige Onlinegeschäft nicht verzichten", so Athanassiou weiter. "Wer das tut, vermeidet zwar möglicherweise kurzfristige Gewinnrückgänge, verliert aber langfristig seine Wettbewerbsfähigkeit."

Drei Szenarien

In der Bain-Studie wird unter anderem davon ausgegangen, dass es zu einer zweiten Pandemiewelle und damit zu einem weiteren Lockdown kommt. Bei diesem Szenario errechnet die Studie naturgemäß einen besonders starken Schub für das Lebensmittelgeschäft im Internet. Zu erwarten sind Marktanteile von plus 14 Prozent in Großbritannien bis 2025. Dieses Szenario birgt auch große Risken. Wer sein Geschäftsmodell eins zu eins auf das Internet umlegt und beispielsweise die bestellten Lebensmittel im Geschäft selbst kommissioniert und dem Onlinekunden ohne Aufpreis liefert, dem droht eine negative operative Marge von bis zu minus 15 Prozent. "

Auch die bereits verbreiteten Click-and-Collect-Lösungen, bei denen die online bestellte Ware vom Käufer im Geschäft vor Ort abgeholt wird, sind nur unter bestimmten Rahmenbedingungen kostendeckend", so Branchenkennerin Marek.

So geht es richtig 

Die Studie bietet aber auch Lösungsvorschläge und Strategien an, wie der Online-Umsatzzuwachs auch nach der Krise fortgeführt werden kann:

  1. Multikanalmodell optimieren (Clevere Kombination von Online- und Offlinehandel)
  2. Profitable Umsatzquellen erschließen (neue, langfristige Geschäftsstrategien erarbeiten)
  3. Subventionierte Verkäufe reduzieren (die Kunden an den Onlinekosten beteiligen)
Der Boom im Detail
Marktanteil von im Internet gekauften Lebensmitteln Mitte April 2020:
  • Großbritannien: 12,4 Prozent (+ 4,3 %) 
  • Frankreich: 10,2 Prozent (+ 4,2 %)
  • USA: 6,6 Prozent (+ 1,5 %)
  • Italien: 4,3 Prozent (+ 2,3 %)
  • Deutschland: 2,9 Prozent (+ 1,4 %)
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