Handelsverband: Initiative zum Schutz vor Onl...
 
Handelsverband

Initiative zum Schutz vor Onlinebetrug

Rainer Will, Geschäftsführer Handelsverband und Gerhard Lang, Geschäftsführender Direktor Bundeskriminalamt
Rainer Will, Geschäftsführer Handelsverband und Gerhard Lang, Geschäftsführender Direktor Bundeskriminalamt

Laut einer neuen Sicherheitsstudie fiel jeder zweite österreichische Händler bereits Online-Betrügern zum Opfer. Das Bundeskriminalamt und der Handelsverband präsentieren daher eine neue Initiative "Gemeinsam Sicher im Online-Handel".

In diesem Jahr wuchs der Onlinehandel in Österreich Corona-bedingt laut dem Handelsverband um mehr als 17 Prozent. Noch weitaus höhere Zuwachsraten verzeichnen die Bereiche Lebensmittel (+21 %), Getränke (+27 %), Reinigungsmittel (+67 %), IT (+22 %) und Sportgeräte (+23 %). Durch die höhere Relevanz des E-Commerce nimmt aber auch das Risiko für Betrug zu. Laut der Sicherheitsstudie 2020 von Handelsverband und Bundeskriminalamt war bereits jeder zweite heimische Händler schon mindestens einmal Opfer von Cyber-Betrug - 13 Prozent von ihnen sogar wiederholt. "Damit steht Internetbetrug ganz weit oben auf der Liste potenzieller Bedrohungen für den Handel", so Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes. Ähnlich ist die Situation auf Konsumentenseite: Jeder Zweite schätzt die Gefahren im E-Commerce als hoch ein. Für Onlineshopper zählt daher Sicherheit mittlerweile zu den wichtigsten Kaufkriterien. Hier schaffen vor allem E-Commerce-Gütesiegel wie Trusted Shops, Österreichisches E-Commerce-Gütezeichen und Trustmark Austria Abhilfe. 

"Zu den gängigsten Betrugsformen zählen falsche Namens- oder Adressangaben. In 39 Prozent der Fälle wird mit dem Wissen bestellt, dass die Rechnung nicht beglichen werden kann. Aber auch falsche Identitätsangaben oder das Abstreiten des Erhalts der Ware kommen mit je 33 Prozent häufig vor", berichtet der geschäftsführende Direktor des Bundeskriminalamts, Gerhard Lang. Die dadurch verursachten Schäden betragen bei den KMU-Händlern meist bis zu 500 Euro, während größere Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern im Schnitt Verluste im Ausmaß von 5.000 bis 10.000 Euro vermelden. Bei einem Viertel der betroffenen Händler belaufen sich die finanziellen Einbußen sogar auf bis zu einer Million Euro.

Die Sicherheitsinitiative

"Es ist aus Sicht der Polizei unumgänglich, ein besonderes Augenmerk auf den Faktor Sicherheit im Onlinehandel zu werfen. Die Polizei forciert neben der Repression, der Verfolgung der Täter, verstärkt auch den präventiven Aspekt", betont Lang. Und ergänzt: "Mit dem Programm 'Gemeinsam.Sicher im Onlinehandel' haben das Bundeskriminalamt und der Handelsverband eine neue Plattform geschaffen, die es den heimischen Händlern ermöglicht, Sicherheitsaspekte bei der Etablierung ihrer digitalen Filiale bis hin zum laufenden Betrieb stets mitzubedenken."

Dafür rief der Handelsverband das neue Ressort "Sicherheit im Onlinehandel" ins Leben. Dieses wird von Claus Kahn, Leiter des Büros für Betrug, Fälschung und Wirtschaftskriminalität im Bundeskriminalamt, geführt. 

Die EU hat zur Prävention von Online-Betrug mit einer neuen Zahlungsdienst-Richtlinie (PSD2) reagiert, die ab 1. Jänner 2021 eine 2-Faktor-Authentifizierung (2FA) vorsieht. Damit müssten sich Kunden bei Bezahlung über das Internet zumindest doppelt identifizieren - zum Beispiel mittels Passwort und SMS-TAN. Ab Jänner dürfen Online-Zahlungen nur noch mit starker Kundenauthentifizierung durchgeführt werden. Die Relevanz dieser Maßnahme scheint vielen Unternehmen noch nicht bewusst zu sein, denn ganze 44 Prozent der heimischen Händler werden diese bis Jahresende nicht umgesetzt haben. Noch erschreckender: "30 Prozent aller Umfrageteilnehmer gaben sogar an, die Richtlinie überhaupt nicht zu kennen. Umso wichtiger sind jetzt entsprechende Aufklärungsmaßnahmen", fordert Will.

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