Handelsverband/EY: Covid-19 und die Auswirkun...
 
Handelsverband/EY

Covid-19 und die Auswirkungen auf den österreichischen Handel

Stephan Doleschal
Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes
Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes

Laut einer Befragung des Handelsverbandes in Zusammenarbeit mit EY rechnen 85 Prozent der österreichischen Handelsunternehmen 2020 mit Umsatzeinbußen, ein Drittel bewertet staatliche Unterstützungen mit "nicht genügend".

Die Coronavirus-Krise nimmt vielen Händlern ihren Optimismus. 85 Prozent rechnen heuer mit Umsatzeinbußen von durchschnittlich 32 Prozent - das geht aus einer aktuellen Studie des Handelsverbandes in Zusammenarbeit mit EY hervor, für die 161 Mitglieder des österreichischen Handelsverbands befragt wurden. Nur knapp 9 Prozent glauben an eine Umsatzsteigerung, die übrigen 6 Prozent gehen davon aus, ihr Umsatzniveau zu halten. Auch die Prognosen für 2021 sind kaum besser. Nur ein Viertel der Befragten geht von einer Rückkehr zum Vorkrisenniveau aus. 21 Prozent rechnen mit einem erneuten Minus. Immerhin glaubt jeder Vierte zumindest an ein Plus gegenüber 2020.

"Nach einer Phase mit 100-prozentigem Umsatzentgang erwarten im Gesamtjahr 2020 rund 85 Prozent der Händler Umsatzrückgänge. Die Planungsunsicherheit macht uns am meisten zu schaffen – mit Blick auf die Kaufkraft, aber auch mit Blick auf die Bürokratie rund um die Auszahlung der Staatshilfen. Das darf weder so andauern, noch sich jemals wiederholen", kommentiert Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes.

Schwarze Aussichten auch für Mitarbeiter

Nur vier von 10 Unternehmen gaben an, alle ihre Mitarbeiter gehalten, sie aber zur Kurzarbeit angemeldet zu haben bzw. dies zu beabsichtigen. Und auch wenn 41 Prozent der Befragten planen, ihre Mitarbeiterzahl nicht zu verändern, wissen 39 Prozent noch nicht, wie sich das Thema Personal im kommenden Jahr entwickeln wird. 13 Prozent gehen jedoch von Stellenabbau aus. Fast die Hälfte der Unternehmen haben das Corona-Kurzarbeitsmodell in Anspruch genommen. Allerdings gaben vermehrt EPUs und Unternehmen mit bis zu neun Mitarbeitern an, nicht die Bedingungen für Kurzarbeit zu erfüllen

Von der Regierung fühlen sich viele im Stich gelassen. Nur jeder siebte ist mit dem Hilfspaket zufrieden, mehr als die Hälfte ist nicht zufrieden, jeder dritte bewertet es sogar mit "nicht genügend". Auffallend ist dabei, dass die Bewertung am schlechtesten bei kleinen Händler mit Jahresumsätzen von bis zu einer Million Euro ausfällt. Deutlich besser wird es hingegen von größeren Händlern mit Umsätzen von mehr als 10 Millionen Euro bewertet. Insgesamt haben 41 Prozent Unterstützung beim Härtefall-Fonds für KMU/EPU beantragt. Zudem hat fast die Hälfte der Händler (48 %) um Steuerstundungen angesucht, ein Viertel (25 %) plant einen Antrag für den Corona Hilfs-Fonds, 19 Prozent haben diesen bereits gestellt. Nur 17 Prozent haben bislang die Anträge für Haftungsübernahmen bei Krediten und Zinszuschüssen/Zinsübernahmen ausgefüllt.

Neustart

Um wieder neu durchzustarten zu können, wollen viele Händler auf Werbung und Rabattschlachten verzichten. Denn auch wenn es für die Käuferakquise wichtig ist, möchten 50 Prozent derzeit keine Prozent- und Rabattaktionen verwirklichen.

Besonders gut funktioniert hat in den letzten Wochen e-Commerce. Online-Shopping boomte, weshalb viele Händler ihre Online-Vertriebskanäle, Digitalisierung und Lieferketten optimierten. 46 Prozent der Befragten gaben an, im Zuge von COVID-19 ihren eigenen Online-Shop ausgebaut zu haben oder aufbauen zu wollen. Für 62 Prozent war auch schon vorher wichtig. Das wollen viele beibehalten. Bei erwarteten Veränderungen für die Zukunft führt dementsprechend die Steigerung der Online-Bestellungen, mit der knapp drei Viertel (73 %) der Händler rechnet. Aber auch Regionalität und Nachhaltigkeit sollen stärker forciert werden. 64 Prozent wollen mehr Wert auf Regionalität, 40 Prozent auch Nachhaltigkeit legen.

"Vor allem für viele EPU und Unternehmen mit bis zu neun Mitarbeitern waren die letzten Wochen ein Weckruf, dass ein professioneller Web-Auftritt mit digitalen Leistungen, sofern möglich, ein wirkungsvolles zweites Standbein darstellt. Der Sprung ins kalte Wasser ist erfreulicherweise vielen geglückt – auch denen, die sich jahrelang vor dem Online-Handel gescheut haben. Neuerungen, die aufgrund dieser Notsituation geschaffen wurden, werden hoffentlich auch künftig weiter ausgebaut – denn die Zukunft für viele Händler liegt nun mal zumindest teilweise im Internen", so Martin Unger, Partner, Strategy Leader und Leiter Konsumgüter und Retail bei EY Österreich.

Forderungen des Handelsverbands

Der Handelsverband setzt sich für ein Vorziehen der bereits paktierten Steuerreform ein, wobei hier die Senkung der Lohn- und Einkommensteuertarife im Vordergrund stehen soll, um die Kaufkraft nachhaltig abzusichern. Zudem werden bundesweit 500 Euro "Österreich-Schecks" für Personen mit Hauptwohnsitz in Österreich gefordert, damit auch Geringverdiener mit einem Jahreseinkommen unter 11.000 Euro Kaufkraftzuwächse erhalten, die von einer Lohnsteuersenkung nicht profitieren würden.

Außerdem soll eine Plattformhaftung bei Produktfälschungen, nicht korrekter Entrichtung der Mehrwertsteuer durch Drittstaaten-Händler und bei unvollständiger Bezahlung der Abfallentsorgungsgebühren anfallen.

Wer in Österreich Gewinne erwirtschaftet, sollte auch hierzulande in die Gesundheits- und Sozialtöpfe einzahlen – so wie alle anderen heimischen Händler, heißt es von Seiten des Handelsverbands. Deshalb spricht sich der Handel vehement gegen den Plan der EU-Kommission aus, die bereits für 1. Jänner 2021 fixierte Abschaffung der 22-Euro-Freigrenze bei Paketlieferungen aus Drittstaaten zu verschieben. Im Gegenteil, das Aus für die 22-Euro-Freigrenze ist überfällig, würde es doch ein 150 Millionen Euro großes Steuerschlupfloch insbesondere für asiatische Onlinehändler endlich schließen.
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