Rewe International/Greenpeace: Ernährung als ...
 
Rewe International/Greenpeace

Ernährung als Hebel für den Klimaschutz

Ja! Natuerlich/Dusek
v. l. n. r. Thomas Lindenthal (FiBl), Natalie Lehner (Greenpeace) und Andreas Steidl (Ja! Natürlich)
v. l. n. r. Thomas Lindenthal (FiBl), Natalie Lehner (Greenpeace) und Andreas Steidl (Ja! Natürlich)

Im Rahmen der heutigen Pressekonferenz zur Studie "Klima-Effekt unserer Lebensmittel", die gemeinsam von Greenpeace und Ja! Natürlich, unter der Durchführung vom Forschungsinstitut FiBL präsentiert wurden, appellieren die Verantwortlichen an Konsumenten, Handel und Politik gleichermaßen.

Konkret können durch gesunde und fleischreduzierte Bio-Ernährung in Österreich bis zu 5,3 Millionen Tonnen an Emissionen jährlich eingespart werden, so eine der wesentlichen Erkenntnisse aus der Studie. Dies entspricht 40 Prozent aller ernährungsbedingten Treibhausgase, und damit den jährlichen Emissionen von Tirol. Für die Emissionen verantwortlich sei unter anderem "die konventionelle Landwirtschaft, die in der Tierhaltung enorme Mengen an Sojafuttermittel aus Übersee importiert", sagt Nathalie Lehner, Expertin für Lebensmittel und Landwirtschaft bei Greenpeace. Zweiter wichtiger Treiber für die Werte sei der "hohe Fleischkonsum in Österreich. Allein für die Tierhaltung werden in Österreich rund 80 Prozent der Landwirtschaftsfläche verwendet, weil in Österreich im Durchschnitt dreimal mehr Fleisch, als maximal empfohlen, gegessen wird." Somit sei das Ernährungssystem einer der großen Schalthebel im Kampf gegen die Klimakrise, bekräftigt Lehner.

Die Vision und Marschrichtung sei deshalb klar für Klaudia Atzmüller, Geschäftsführerin Ja! Natürlich: "Bio boomt ungebrochen – im Vorjahr wurden 10 Prozent Bio-Anteil am Umsatz im gesamten Lebensmittelhandel überschritten." Deshalb sei es ihre "Vision, gemeinsam mit unseren Partnern in der Landwirtschaft diesen Bio-Anteil in den kommenden fünf Jahren in unser aller Interesse auf 15 Prozent zu erhöhen".

Systeme, "die ineinander greifen"

Dazu bräuchte es allerdings in erster Linie "den Mut zur Transformation", appelliert Studienleiter FiBL, Thomas Lindenthal. Derzeit würden nämlich in der Praxis nachhaltige Lebensmittel dahingehend bewertet, wie deren Produktion sich auf die Co2-Bilanz niederschlagen, sagt er. Nachhaltigkeit beinhalte allerdings auch Aspekte wie "Bodenfruchtbarkeit, Artenvielfalt, Gesundheit und eine sozioökonomische Struktur", sagt der Wissenschaftler. Dazu bedürfe es aber einem Bewusstsein dahingehend, dass dieser Prozess einen gewissen "Entwicklungsaufwand von allen Seiten" bedarf. Gerne auch mithilfe von Info-Kampagnen, die wirklich aufzeigen, was gesund und nachhaltig ist, sagt er. Auch die Politik sehen die Studienautoren in der Verantwortung: Greenpeace fordert von Landwirtschaftsministerin Köstinger einen Ausbau der Bio-Landwirtschaft auf 40 Prozent und eine Reduktion der Fleischproduktion und des -konsums um 50 Prozent bis 2030. Die Hilfe der Konsumenten, die durch eine Reduktion ihres Fleischkonsums und der Lebensmittelabfälle einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten können, ist ein weiterer wesentlicher Lösungsansatz der Studie.

Auch das Argument, dass Bio-Produkte teurer wären, als "konventionelle Produkte", seien durch die Studienergebnisse widerlegt, denn "wenn eine vierköpfige Familie ihren Fleischkonsum auf ein gesundes Maß reduziert, lebt sie nicht nur gesünder – sie kann auch den Bio-Anteil ihre Ernährung um 70 Prozent seigern – und das ohne Mehrkosten". Die Empfehlung sollte also sein, so Andreas Steidl, Geschäftsführer und Leiter des Produkt-, Qualitäts- und Rohstoffmanagements von Ja! Natürlich, "wenn man sich Fleisch gönnt, dann aus heimischer Bio-Produktion." Und es brauche nun "kluge Systeme, die ineinandergreifen, das ist das Gebot der Stunde."


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