Universität für Bodenkultur Wien: Lebensmitte...
 
Universität für Bodenkultur Wien

Lebensmittelabfälle vermeiden

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Jährlich werden pro Haushalt 43 Kilogramm an Lebensmittel weggeworfen, Tendenz steigend. Die Quarantäne ist eine Chance für einen Gegentrend.

Vielerorts und vor allem in den Sozialen Netzwerken wird das Thema Müll und Müllvermeidung propagiert. Tipps und Tricks inklusive. Die Zustimmung ist groß. Die Realität sieht aber ganz anders aus, da sind Lebensmittel nicht ausgenommen. Aus einer Erhebung des Instituts für Abfallwirtschaft der Boku geht hervor, dass auf Haushaltsebene deutlich mehr Lebensmittel verschwendet werden, als auf allen anderen Stufen der Wertschöpfungskette. Dabei geht es um vermeidbare Lebensmittelabfälle, also Obst, das nicht gegessen wurde, übrig gebliebenes Abendessen oder Essen, das im Kühlschrank vergessen wurde. Diese vermeidbaren Lebensmittelabfälle machen 14,5 Prozent der Masse des Restmülls in Österreich aus. Das entspricht 43 Kilogramm pro Haushalt oder 18,9 Kilogramm pro Kopf. Ein Negativtrend, der in den vergangenen Jahren stetig angestiegen ist.

Gründe für die Lebensmittelverschwendung

Häufig ist es gerade das bereits zubereitete Essen, das im Müll landet, unter anderem weil man zu viel gekocht hat. In der Studie gaben die Konsumenten als Gründe an, dass ihnen einerseits die Zeit und Ideen für eine weitere Verwendung fehlen, und andererseits, dass man "keine Lust" habe, mehrmals dasselbe zu essen. Aber auch eine falsche Aufbewahrung kann dazu führen, dass Lebensmittel vermehrt weggeworfen werden müssen, zum Beispiel weil sie zu wenig kühl gelagert werden. Für Äpfel und Birnen wird beispielsweise eine Lagerung im Bereich von 1-10 Grad empfohlen, also am besten im Kühlschrank oder in Keller. Das ist vielen nicht bewusst. Gerade weil im Supermarkt Obst offen und bei Raumtemperatur präsentiert werden, glauben die Konsumenten, dass dies die optimale Lagerungsart ist, so die Boku. 70 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ihre Äpfel bei Raumtemperatur lagern. Was sie nicht sehen, ist, dass Obst und Gemüse bereits zuvor im Handel sehr kühl (3-8°Celsius) gelagert werden. Zudem führen auch Mindesthaltbarkeitsdaten noch immer zu Missverständnissen. Ist es überschritten, werfen die Leute das Produkt weg, obwohl es noch gut und genießbar ist. Das Mindesthaltbarkeitsdatum gibt aber nur eine Garantie für gewisse Produkteigenschaften an und sagt selten etwas über die tatsächliche Genießbarkeitsdauer aus. Hier sollte man sich auf seine Sinne verlassen und "schauen, schmecken und riechen", bevor man sich für unnötiges Wegwerfen entscheidet, schlägt Institutsleiterin, DI Gudrun Obersteiner vor. Anders verhält es sich mit dem Verbrauchsdatum. Entsprechend der gesetzlichen Vorschriften ist das Verbrauchsdatum für sehr leicht verderbliche Lebensmittel wie frisches Fleisch, frischen Fisch und Rohmilch vorgeschrieben.

Quarantäne als Chance

So negativ die momentane Corona-Krise sich auf unser Leben und die Wirtschaft auswirkt, könnte sie gerade im Bereich der Lebensmittelverschwendung eine positive Wende bringen, argumentiert die Boku. Viele Menschen sind zu Hause, haben oder nehmen sich mehr Zeit, um häufiger selbst zu kochen. So hat man außerdem einen besseren Überblick darüber, was noch im Haus ist und kann diese Lebensmittel gezielt verwerten und auch Reste verkochen. Obersteiner sieht jedenfalls derzeit die Chance, unnötige Lebensmittelabfälle zu vermeiden und die Möglichkeit, dass derzeit wirklich weniger Brot, Ost und Gemüse im Müll landen.
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