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Einkaufs-App für lokalen Buchhandel: LChoice startet in Österreich

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“Der Handel überlebt langfristig nur, wenn er omnichannelfähig ist”, sagt Constantin von Ridder, Leiter der Dependance Österreich bei LChoice, im Etailment.at Interview.Foto: flickr.com, kodomut, CC BY 2.0
“Der Handel überlebt langfristig nur, wenn er omnichannelfähig ist”, sagt Constantin von Ridder, Leiter der Dependance Österreich bei LChoice, im Etailment.at Interview.Foto: flickr.com, kodomut, CC BY 2.0

Die Buchhandels-App LChoice vom gleichnamigen Münchner Startup kommt im Frühsommer 2014 auf den österreichischen Markt.

Die Idee hinter LChoice: Kunden können per App ihre Bücher direkt beim Buchhändler um die Ecke bestellen, die Ware wird anschließend nach Hause geliefert oder kann im Buchladen abgeholt werden. In Deutschland ist das Angebot seit Sommer 2013 am Markt und wird mittlerweile von rund 150 Buchhändlern angeboten. In Österreich startete LChoice bereits im Feber 2014 eine Pilotphase mit vier ausgewählten Buchhändlern, darunter die Wiener Buchhandlung Herder. Die Buchhändlerin Magda Hassan zum Pilot-Einsatz von LChoice: „Einige Bestellungen haben wir bereits erhalten und die Kunden, die diese getätigt haben, haben uns durchwegs erfreuliches Feedback gegeben.“ Ziel von LChoice ist es, dem tonangebenden Anbieter Amazon entgegenzutreten, indem die Bestellungen direkt beim lokalen und stationären Buchhandel getätigt werden: „Wir sind LChoice gegenüber sehr positiv eingestellt, weil wir in der App eine sehr attraktive und praktikable Alternative zu den Internetgrößen sehen“, erklärt Hassan von der Buchhandlung Herder. Etailment.at hat mit LChoice-Dependance Austria Leiter Constantin von Ridder gesprochen: Über das Geschäftsmodell von LChoice, über den Roll-Out in Österreich und über die Bedeutung von Omnichannel für den Buchhandel.

Etailment.at: Viele stationäre Buchhändler sehen Online als Bedrohung. Ist Ihre Technologie ein Versuch zur Aussöhnung der beiden Vertriebskanäle Stationär und Online?

Constantin von Ridder: Es gibt die These, dass der Handel langfristig nur überlebt, wenn er multichannel- , oder wie es mittlerweile heißt, omnichannelfähig ist. Das heißt, ein Händler muss alle Vertriebskanäle bedienen. LChoice stellt dem Händler den Vertriebskanal ‚Smartphone‘ sehr günstig zur Verfügung. Sehr günstig heißt: ein transaktionales Business Modell, bei dem nur im Verkaufsfall eine Provision anfällt. Die Anmeldung dauert 20 Minuten und innerhalb von 24 Stunden ist der Händler freigeschaltet. Die Kunden können per Smartphone dann sofort, jederzeit und von überall bei ihrem Lieblingshändler bestellen.

Etailment.at: In Österreich sind Sie seit Februar dieses Jahres mit einem Pilotprojekt bei vier Wiener Buchhändlern vertreten. Wie sind bislang die Reaktionen? Entspricht die bisherige Entwicklung Ihren Erwartungen?

Constantin von Ridder: LChoice ist bereits seit einem Jahr in Deutschland live. Das Pilotprojekt in Österreich dient einerseits dazu, Besonderheiten des österreichischen Markts zu erkennen und zu berücksichtigen. Andererseits wollen wir überprüfen, welche Anpassungen für unsere Technologie notwendig sind, um auch für einen breiten internationalen Roll-Out geeignet zu sein. Bisher läuft alles nach Plan. Dem landesweiten Roll-Out in Österreich steht nichts mehr im Wege.

Etailment.at: Ab Frühsommer 2014 bieten Sie die App allen interessierten Buchhändlern in Österreich an. Mit wie vielen Händlern sind Sie derzeit im Gespräch?

Constantin von Ridder: LChoice scheint eine Lösung zu sein, für die viele Buchhändler unmittelbar Bedarf haben. Entsprechend zahlreich ist die Anzahl der Buchhändler, die sich schon bei uns gemeldet und teilweise auch schon komplett angemeldet haben. Zum Start müssen diese Händler dann nur noch freigeschaltet werden.

Etailment.at: Das Roll-Out in Österreich wird von der WKO unterstützt. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit?

Constantin von Ridder: Die Zusammenarbeit mit der WKO Fachgruppe Buch- und Medienwirtschaft ist sehr positiv. Wir passen mit LChoice sehr gut in das Werbekonzept der WKO „read global – buy local“, da wir diesen Gedanken mit unserer Technologie zu hundertprozentig unterstützen.? Im ersten Halbjahr wird es noch mehrere gemeinsame Aktionen geben.

Etailment.at: Kommen wir zum Buchmarkt: Dieser wird dominiert von Amazon, das sich in Bezug auf Vertrieb und Logistik tatsächlich einen entscheidenden Marktvorteil erarbeitet hat. Viele Kunden fragen sich also, warum überhaupt noch lokal einkaufen?

Constantin von Ridder: Nach wie vor wird mehr als die Häfte des Umsatzes im stationären Buchhandel erwirtschaftet. Viele Kunden wollen Beratung. Erstaunlich finden wir, dass deutlich mehr als die Hälfte der Bestellungen über LChoice persönlich abgeholt werden. Es zeichnet sich ab, dass nicht ein einzelner Grund dafür verantwortlich ist, sondern das Zusammenspiel vieler. Der offensichtliche Grund ist der persönliche Kontakt, aber auch die deutlich besseren Öffnungszeiten als bei der Post spielen eine Rolle. Oft liegt die nächste Buchhandlung auch sehr viel näher als die nächste Post. Auch ist jeder Kauf direkt beim Buchhändler in der Regel schneller oder mindestens genauso schnell wie bei Amazon. Was Amazon besser kann als viele stationäre Buchhändler, ist PR. Aber das müssen sie auch besser können, da Amazon seinen entscheidenden Nachteil, nämlich die anonyme, zentralistische Abwicklung, nicht wirklich verbergen kann.

Etailment.at: Welche Tipps – abgesehen vom Einsatz Ihrer App – können Sie kleinen lokalen Händlern geben, die sich mit der „Übermacht E-Commerce“ konfrontiert sehen?

Constantin von Ridder: Es wäre etwas vermessen, der Branche Tipps zu geben. Vielleicht aber soviel: Nicht unterkriegen lassen von der vermeintlichen Übermacht im E-Commerce. Die Technologie – ähnlich wie die der großen E-Commerce Anbieter – wird immer breiter verfügbar und immer günstiger. Der Aufwand, die Technologie einzusetzen und zu lernen, wird immer kleiner. Nur als Beispiel: die beiden bisher mit Abstand erfolgreichsten LChoice Partner sind eher kleine Buchhandlungen.

Etailment.at: Ist LChoice primär etwas für „Liebhaber“, die kleine Buchhändler bewusst und aktiv unterstützen wollen, oder setzen Sie damit auch auf die breite Masse? Was ist Ihr USP?

Constantin von Ridder: Im stationären Buchhandel gibt es bisher keine branchenübergreifende Smartphone Shopping-Lösung, und das trotz der enormen Wachstumsraten in diesem Vertriebskanal. LChoice bietet nun eine sehr günstige und bereits produktive Lösung an.? Mit geringem Aufwand kann der Händler, die Erwartungshaltung seiner Kunden – jederzeit und von überall Bücher kaufen zu können – erfüllen.

Etailment.at: In Deutschland kooperieren Sie aktuell mit etwa 150 Buchhändlern, in Österreich läuft noch die Pilotphase mit vier ausgewählten Händlern. Was ist Ihr Ziel für das laufende Jahr 2014?


Constantin von Ridder: Bis Ende des Jahres wollen wir insgesamt 500 Partner an Bord haben, darunter ungefähr ein Fünftel aus Österreich.
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