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Thomas Holzhuber: So könnte die digitale Zukunft des Bankings aussehen

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Thomas Holzhuber, Geschäftsführer der Agentur holzhuber impaction (Foto: holzhuber impaction)
Thomas Holzhuber, Geschäftsführer der Agentur holzhuber impaction (Foto: holzhuber impaction)

Infolge der Digitalisierung und der Generation der „Millenials“ werden gleichzeitig bestehende technische Standards hinterfragt und stetig verbessert. Die Millenials zeichnen sich prinzipiell durch eine technologieaffine Lebensweise aus. Dadurch werden bestehende Business-Modelle hinterfragt, ebenso in der Finanzbranche.

Thomas Holzhuber, Geschäftsführer der Agentur holzhuber impaction, erklärt anhand von drei Beispielen, wie die digitale Zukunft des Bankings aussehen könnte:



Mobile Payment ist die Zukunft



Wie Holzhuber betont, könnten Devices wie das Smartphone konventionelles Bezahlen in Zukunft vollständig ersetzen. Mit Apple Pay ist Apple in den Bereich Mobile Payment eingestiegen, um das Bezahlen mit dem Smartphone im Mainstream zu etablieren. In den USA gibt es bereits prominente Partner wie McDonald’s.



Lösungen wie das Mobile Payment Service „Square“ (gestartet von Twitter-Gründer Jack Dorsey), das Kartenlesegeräte um zehn Dollar anbietet, treiben diese Entwicklung ebenfalls voran. Aus Unternehmenssicht bedeuten Services wie Square, dass jeder sein eigenes Handy in wenigen Schritten zum Kartenlesegerät umfunktionieren und damit im Handumdrehen selbst zum Verkäufer werden kann. Gemeinsam mit Square hat der Messaging-Dienst Snapchat im Herbst 2014 „Snapcash“ ins Leben gerufen. Somit ist es Usern von Snapchat möglich, während der Konversation Geld an Gesprächspartner zu senden.



„Coin“ im Scheckkartenformat ermöglicht es, Kredit-, Bankomat-, Kunden- und sogar Gutscheinkarten mittels Smartphone und Bluetooth auf die Coin-Karte zu laden. Durch einen kleinen Button auf der Karte und dem E-Ink-Display kann man zwischen den Karten wechseln. Der Service wird für Sommer 2015 erwartet.



Holzhuber nennt US-Zahlen zu Mobile Payment und bezieht sich dabei auf den Artikel „15 Mindblowing Stats about Mobile Payments“:





  • Die Mobile-Payment-Wertschöpfung hat sich von 2012 auf 2013 verdoppelt (2013: 1,59 Milliarden Dollar). 2015 wird sich diese Zahl weiter auf 3,50 Milliarden Dollar steigern


  • 2019 wird das Gesamt-Volumen im Bereich Mobile Payment 142 Milliarden Dollar erreichen


  • „Convenience“ ist die Hauptmotivation für Kunden, mobil zu bezahlen. 58 Prozent der Konsumenten ziehen mobile Lösungen konventionellen Bezahlformen vor


  • MasterCard hat weltweit mehr als 13 Millionen Social-Media-Kommentare (Twitter, Facebook, Blogs) zum Thema Mobile Payment getrackt, die auf ein positives Sentiment und steigende Akzeptanz und Nutzung hindeuten


  • 55 Prozent der Millenial-Smartphone-User, die Mobile Payment bereits nutzen, bevorzugen eine ganzheitliche App, die in mehreren unterschiedlichen Stores einsetzbar ist und dabei unterschiedliche Loyalitätsprogramme vereinen kann




Die Bank wird obsolet



Laut Holzhuber haben Millenials wenig Vertrauen in die Regierung, brauchen keine klassische Bankfiliale und sind – vor allem, was das Thema Banking betrifft – offen für unkonventielle Methoden, zum Beispiel bei Services wie Amazon, Apple oder PayPal. Dabei führt er die Ergebnisse der amerikanische Studie „Millenial Disruption Index“ an:





  • 53 Prozent der Befragten denken, dass ihre Bank nichts Anderes/Besseres als andere Banken bietet


  • 71 Prozent der Befragten würden lieber zum Zahnarzt gehen, als dem zuzuhören, was ihre Bank zu sagen hat


  • Eine von drei befragten Personen wäre bereit, innerhalb der nächsten 90 Tage ihr Geldinstitut zu wechseln


  • 33 Prozent der Befragten glauben, dass sie überhaupt keine Bank brauchen


  • 68 Prozent glauben, dass der Weg, wie wir über Geld verfügen, in fünf Jahren komplett anders sein wird


  • 70 Prozent glauben, dass in fünf Jahren die Art, wie wir Zahlungen tätigen, komplett anders sein wird




Weitere Lösung für wäre beispielsweise das 2013 von PayPal Gründer Max Levchin ins Leben gerufene „Affirm“, das Zahlungen in Raten ermöglicht: Damit möchte man all jene ansprechen, die keine Kreditkarte haben oder aufgrund ihrer Kreditwürdigkeit keine bekommen. Der Backgroundcheck erfolgt auf dem Auswerten von Social Media Profilen.



Echtzeit-Daten werden zum Hygienefaktor



Die Verfügbarkeit von Echtzeit-Daten wird laut Holzhuber künftig nicht mehr Nice-to-have sein, sondern unverzichtbares Tool. Hier hinken Banken mit ihren Infrastrukturen den technischen Möglichkeiten hinterher. Während etwa die Online-Zugänge der Bank of America steigen, wachsen aber auch gleichzeitig die Transaktionskosten für Kunden. Mobil ist der Zugang billiger. Mobile Apps wie „Moven“ wollen mit ihrem Service die User Experience von Online Banking revolutionen, so Holzhuber. Mit der App bieten sich dem Nutzer eine Vielzahl an innovativen Funktionen und Tools, um die eigenen Finanzen zu managen und zu überwachen.



Was bedeuten diese Entwicklungen für den österreichischen Markt?



„Wie alle digitalen Entwicklungen spielen sich auch in diesem Bereich die großen Veränderungen nicht am österreichischen Markt ab“, so Holzhuber. Die Vorreiter kommen hier vorrangig aus den USA, England, aber auch aus Deutschland. Ziel ist es, einfachere, günstigere und bequemere Produkte und transparente Lösungen zu entwickeln und damit die Finanzwelt zu revolutionieren. Für Holzhuber braucht diese Entwicklung in Österreich aufgrund gesetzlicher Rahmenbedingungen und der Erfordernis einer Banklizenz noch ihre Zeit. Gleichzeitig sind es für Holzhuber die Banken, die Veränderungen initiieren werden. Dies zeigt etwa das Beispiel der Erste Bank mit „George“. Somit wäre es wünschenswert, so Holzhuber, wenn Banken die Infrastruktur und strukturellen Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen würden.



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