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„Wir möchten uns online als Starting point für Fashion etablieren“

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Dominik Rief, Country Manager Austria & Switzerland von Zalando: „Heute können Kunden auf ihrem Weg in die Arbeit im Bus über ihr Smartphone mit uns interagieren.“
Dominik Rief, Country Manager Austria & Switzerland von Zalando: „Heute können Kunden auf ihrem Weg in die Arbeit im Bus über ihr Smartphone mit uns interagieren.“

Das Handelskolloquium am 15. April 2015 stand ganz im Zeichen von Big Data. etailment.at war vor Ort und berichtet von Teilen des Nachmittagsprogrammes. Neben einem Vortrag von Dominik Rief (Zalando) kam es im Schloss Schönbrunn auch zu einer abschließenden Podiumsdiskussion zum Thema Datenschutz und Big Data.

Dominik Rief, Country Manager Austria & Switzerland von Zalando, sprach in seinem Vortrag „Tech meets Fashion: Personalisiertes Einkaufen bei Zalando“ über individualisierte Angebote des Online-Modehändlers. „2013/14 haben wir viel intern entwickelt“, so Rief und weiter: „Was ist nun unser Ziel hinsichtlich Big Data? Zalando möchte sich online als der ‚Starting point’ für Fashion etablieren. Wir sehen uns zuerst den Kunden an und agieren dann mit den gewonnenen Kenntnissen.“ Wichtige Punkte dabei sind Suchen, Entdecken, Sammeln und Beeinflussen.



Der Kunde möchte inspiriert werden



Früher hat sich Zalando für seine Kunden, so Rief, auf das Suchen der passenden Ware konzentriert. Nun werden auch die anderen drei Punkte verstärkt fokussiert. „Ich suche nicht nur ein bestimmtes Produkt“, so Rief, „sondern ich möchte mich als Kunde auch inspirieren lassen. Dabei spielt Mobile eine wichtige Rolle.“ Dies führt auch dazu, dass Kunden anderen von ihren Shopping-Erlebnissen erzählen und beeinflussen. „Mobile verändert alles noch viel schneller“, so Rief. Laut Rief lernt Zalando viel von seinen Kunden, deren Verhalten hat sich stark verändert. Rief: „Heute können Kunden auf ihrem Weg in die Arbeit im Bus über ihr Smartphone mit uns interagieren.“ Jedoch sollte man immer auch auf regionale Unterschiede achten. Italien ist kein klassisches Katalogland, jedoch ist hier die Smartphone Nutzung höher als in anderen Ländern.



Mit „My Feed“ Empfehlungen erhalten



Bei den Punkten Entdecken und Sammeln hilft das Tool „My Feed“ von Zalando: Hier kann der Kunde erzählen, welche Produkte ihm gefallen. „Je nach Einzelverhalten des Kunden können wir ihm unsere Empfehlungen ausspielen“, so Rief. Da das Sortiment bei Zalando ständig wechselt, ist „My Feed“ ein wichtiger Dienst, um auf die Bedürfnisse des Kunden eingehen zu können.



Weiters setzt Zalando in Sachen personalisiertes Einkaufserlebnis auf „Curated Shopping“: Diese Form des Einkaufens wurde in Deutschland unter dem Namen „Project Z“ getestet. Mit dem Projekt will man Menschen, die sich für Mode interessieren und Berater, die sich mit Mode auskennen, zusammenbringen, wie Rief erklärt. Mit dem Berater kann der Kunde sogar telefonieren oder einen persönlichen Termin ausmachen.



Gruppendiskussion zum Abschluss



Am Ende des Veranstaltungstages kam es zur Podiumsdiskussion „Flut und Segen: Datenschutz in Zeiten von Big Data“. Durch die Diskussion führte Daniel Cronin, der unter anderem für AustrianStartups tätig ist. Cronin begrüßte auf dem Podium Florian Größwang (Wein & Co), Andreas Krebs (GrECo International), Max Schrems (europe-v-facebook.org) und Alexandra Vetrovsky-Brychta (Herold Business Data).



„Big Data ist kein neuer Begriff, neu sind aber die Technologien und die Menge der Daten“, so Vetrovsky-Brychta zu Beginn der Gesprächsrunde. „Jedoch muss die Gesetzeslage eingehalten werden.“ Wichtig ist es laut Vetrovsky-Brychta für Unternehmen, den Kunden ins Zentrum zu stellen. Krebs sagte zum Thema: „Wir müssen sehen, wie wir mit den Segnungen, die uns die neue Technik bringt, umgehen. Der Kunde wird in Zukunft verstärkt danach fragen, wie sehr seine Daten durch Unternehmer geschützt werden. Hier liegt die große Herausforderung.“



Mangel an Rechtsexperten in Österreich



Für Schrems mangelt es in Österreich vor allem an Experten, die Unternehmen hinsichtlich Big Data auch rechtlich helfen können: „Wir haben in Österreich zu wenig Datenschutz-Experten. Das wird auch zu einem Problem für Unternehmen, da diese oftmals eine externe Fachkraft brauchen, die Ideen umsetzt.“ Laut Schrems gibt es in Österreich nur vier oder fünf Anwälte, die rechtliche Anliegen zu Big Data für Unternehmen in einer Stunde erledigen können, wofür andere oftmals eine Woche brauchen.



Bewusstseinsbildung beim Konsumenten wichtig



Für Größwang ist vor allem die Bewusstseinsbildung der User wichtig. „Konsumenten geben eine Vielzahl an Daten im Netz her, wissen aber nicht, wer und wie diese Daten genutzt werden.“ Jedoch sieht Größwang Österreich im internationalen Vergleich auf einem guten Weg. Größwang betont ebenfalls, dass es wichtig ist, alle Daten aus unterschiedlichen Kanälen miteinander zu verbinden. Daher muss folgende Frage gestellt werden: Wie werden die Daten letztlich zu Big Intelligence? Viele Unternehmen machen laut Größwang hierzulande den Fehler, es den Großen wie Amazon oder Zalando nachmachen zu wollen: „Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Die Player können ihre Ressourcen viel besser nutzen. Daher müssen Unternehmen ihre eigene Schiene finden.



Zum Abschluss betont Schrems: „Es gibt Regeln, an die es sich zu halten gilt. Bei vielen Dingen braucht es aber auch nur ein wenig Grundverständnis. Man muss sich dann einfach oft nur fragen: Würde ich dies und jenes in der analogen Welt genauso machen?“



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