Ottakringer Getränke AG: Alfred Hudler: Klarh...
 
Ottakringer Getränke AG

Alfred Hudler: Klarheit vor Harmonie

Markus Wache
Alfred Hudler: "Meine Aufgabe ist, die Richtung der Unternehmensgruppe in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat maßgeblich vorzugeben."© Markus Wache
Alfred Hudler: "Meine Aufgabe ist, die Richtung der Unternehmensgruppe in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat maßgeblich vorzugeben."© Markus Wache

Die Mannschaft ist gut aufgestellt und die Arbeit macht mir Spaß. Das ist die Antwort, die sich Alfred Hudler auf die Frage gegeben hat, ob er vom Vöslauer-Vorstand wirklich in die Ottakringer Getränke AG als Vorstandssprecher wechseln soll. Seit knapp einem Jahr ist er dort, es läuft nach Plan.

CASH: Herr Hudler, knapp ein Jahr nach dem Wechsel von Vöslauer in die Ottakringer Getränke AG, in der ja alle Aktivitäten von Ottakringer gebündelt sind: Wie hoch ist der Stressfaktor, wie fühlen Sie sich?
Alfred Hudler: Ich fühle mich gut und ich habe keinen erhöhten Stressfaktor.

Trotz der gewaltigen Aufgabenstellung?
Hudler: Ich bin der Meinung, dass es den dann gibt, wenn man keinen Spaß bei der Arbeit hat. Deshalb habe ich mir vorher zwei Dinge sehr genau angeschaut und überlegt: Wie ist die gesamte Mannschaft aufgestellt? Und würde mir dieser Job überhaupt Spaß machen? Ich bin zum klaren Schluss gekommen: Die Mannschaft ist gut aufgestellt und die Arbeit macht mir Spaß. Deshalb geht es mir gut, obwohl ich einen dicht gedrängten Terminkalender habe.

In Ihrem vorheriger Job als Vöslauer-Vorstand waren Sie Ihrer Gattin Birgit Aichinger, die Marketing und Vertrieb leitete, nicht nur räumlich sehr nah. Jetzt ist Sie Ihnen als Vöslauer-Chefin nachgefolgt – wie ist das so, sich nicht mehr die ganze Zeit im Büro über den Weg zu laufen?
Hudler:
Es passt für uns beide sehr gut. Natürlich haben wir jetzt nicht mehr den täglichen beruflichen Kontakt. Birgit ist seit 2001 bei Vöslauer, sie kennt die Spielregeln, sie weiß genau, welche Aufgaben in der Holding meine sind. Und diese jahrelange berufliche Nähe hatte natürlich für uns beide auch beim Jobwechsel den großen Vorteil, dass es keinen Big Bang gab. Ich konnte im ersten Halbjahr 2018 alles sukzessiv und in Ruhe an sie übergeben.

Hat Sie etwas besonders überrascht in Ihrer neuen Funktion?
Hudler:
Positiv hat mich überrascht, dass mich alle mit einem sehr guten Stimmungsbild empfangen haben. Ich bin schon jahrelang im Unternehmen, deshalb haben mich weder die Organisation selbst noch die Menschen überrascht. Es gab also das absolut Neue für mich nicht.

Die Ottakringer Getränke AG ist ein Familienunternehmen. In solchen wird nicht zwangsläufig an einem Strang gezogen, was aber nicht immer an streitbaren Familien liegen muss, sondern an zu vielen kreativen Ideen, die da hervorsprudeln. Wie sehen Sie das bei Ihrem neuen Arbeitgeber?
Hudler:
Es ist ja kein neuer Arbeitgeber, sondern eine neue Verantwortung. Es ist immer eine Frage der Unternehmenskultur, wie und ob man an einem Strang zieht und es wäre ein Wunder, wenn es da und dort nicht unterschiedliche Richtungen geben würde. Ich habe mir seit Jahren auf die Fahnen Folgendes geschrieben: Klarheit vor Harmonie. Das heißt, man muss in der Sache sehr klar sein, aber kritische Anmerkungen zulassen. Man beziehungsweise ich muss und will Orientierung geben, das ist für die ganze Mannschaft wichtig.

Es kann also nie genug kreative Ideen geben.
Hudler:
Genau. Es ist wunderbar, wenn es sprudelt, das kann nie zu viel sein. Es gibt eine Richtung, von der weichen wir aber keinen Millimeter ab: Es geht immer um Qualität, und das durchaus auch in der hemdsärmeligen, also unkomplizierten Art.

Die Geschäftsfelder, in denen Ottakringer tätig ist, sind sehr umfassend. Man hat beispielsweise den Eindruck, dass das Thema Event mehr Bedeutung bekommt.
Hudler:
Ja, es ist ein ständig wachsender Geschäftszweig – wie es auf unserer Agenda steht. Die Eventlocation ist ein ganz wichtiger Teil der Marke Ottakringer geworden. Die Marke ist in Wien der absolute Hero. Wenn wir über Kernkompetenzen reden, dann ist eine davon, dass wir die einzige urbane Biermarke in einer lebendigen, in einer der lebenswertesten Städte der Welt, nämlich Wien sind.

Was wollen Sie so erreichen?
Hudler:
Natürlich soll das auch den Bierabsatz stärken. Aber es geht uns auch noch um etwas anderes: Es gibt Unternehmen, auf die sind die Österreicher stolz. Nicht nur in Österreich, sondern auch wenn sie im Ausland auf Urlaub sind – und dann irgendetwas von dieser Firma oder Marke sehen. So eine Marke, so ein Unternehmen möchten wir sein: Die Menschen sollen auf uns stolz sein. So wie es auch unsere Mitarbeiter sind.

Wie ist das bei Vöslauer? Man ist die Nummer eins. Geht es nun darum, die Position abzusichern oder auszubauen, was auch vom Marktumfeld abhängt, in dem sich ja viele Eigenmarken etabliert haben?
Hudler:
Absichern geht gar nicht. Wenn man das tut, fällt man automatisch zurück. Der einzige Weg ist sich ständig weiterzuentwickeln.

Wollen Sie eine Monopolstellung am Mineralwassermarkt erreichen?
Hudler (lacht):
Nein. Wir haben im LEH in Österreich einen Marktanteil von vierzig Prozent. Es geht uns natürlich darum, gesamthaft weiter zu wachsen, speziell wird uns das auch in Deutschland gelingen, dort haben wir aktuell noch einen deutlich geringeren Marktanteil, mit stark steigender Trendkurve. Außerdem – und das generell – ist wichtig, dass wir uns weiter sehr stark mit dem Thema Verpackung beschäftigen, denn das wird von den Konsumenten sehr genau beobachtet. Mit der 100%-rePet-Flasche ist uns da etwa ein bedeutender Schritt gelungen, der auch vom Handel sehr begrüßt wird.

Begrüßen Sie auch dessen Eigenmarken? Der Mineralwassermarkt ist ja gesteckt voll mit Eigenmarken.
Hudler:
Begrüßen ist vielleicht zu viel gesagt, aber ich sehe das Ganze sehr emotionslos. Eigenmarken hat es schon immer gegeben.

Bei Bier sind Sie in Ostösterreich sehr gut unterwegs. Wie verlockend ist es, sich als Ziel zu setzen, in ganz Österreich viel stärker vertreten zu sein?
Hudler:
Die Logik sagt, dass wir unsere unglaubliche Stärke in Wien ausspielen müssen. Wien ist eine Großstadt mit wachsendem Potenzial. Wir sind hier der Platzhirsch, der Hero, wie ich zuerst geschildert habe. Das nützen wir.

Sie haben für die Brauerei das AMA-Gütesiegel. Wer braucht das beim Bier wirklich?
Hudler:
Die Konsumenten wollen Transparenz in allen Bereichen, wir kommen dem ganz einfach nach. Es geht dabei um den Nachhaltigkeits- und Regional­aspekt.

Können Sie sich vorstellen, in neue Felder wie etwa in den Food-Bereich vorzustoßen?
Hudler:
Ja, aber das könnte nur sein, wenn wir auch da unserer Logik folgen: Wo sehen wir ein mögliches Geschäftsfeld und was können wir in diesem besonders gut? Wenn wir das mit einem positiven Ergebnis übereinanderlegen, ja, dann könnte es sein.

Ist man prinzipiell eher konservativ oder risikofreudig?
Hudler:
Aus meiner Sicht ist es eine Überlebensfrage, risikofreudig zu sein. Man muss auf die Veränderungen ständig reagieren und meine starke Forderung war immer, dass man täglich an sich arbeitet.

Wie arbeiten Sie täglich an sich?
Hudler:
Ich bin ein offener Mensch und habe mit sehr vielen Menschen Kontakt. Ich bin ein aufmerksamer Zuhörer und versuche immer, etwas aus den Gesprächen mitzunehmen. Von unserem Staplerfahrer erfahre ich etwas anderes als von unserem Produktionsleiter, unserem Managementteam oder einem Handelsmanager. Zwei Mal im Jahr gehe ich mit mir selbst in Klausur. Das ist eine sehr gute Zeit, um sich selbst zu überprüfen.

Herr Hudler, vielen Dank für dieses Gespräch!

Alfred Hudler, ad personam

Alfred Hudler ist als Vorstand von Vöslauer mit 1. Juli 2018 in die Ottakringer Getränke AG, also in die Muttergesellschaft, als Vorstandssprecher gewechselt. Hudler (59) ist zuständig für Strategie, New Business, Marketing & Sales, Öffentlichkeitsarbeit, Personal, IT & Organisation, Recht & Compliance sowie Immobilien.



Ottakringer Getränke AG 2018

Umsatz: 242,4 Mio. € inkl. erstmals Umsatz Del Fabro Getränkegroßhandel; (2017: 218,6 Mio. €)
Getränkeabsatz: 3.606.900 HL (2017: 3.510.100 HL)
Ergebnis vor Steuern: 13,7 Mio. € (2017: 16,0 Mio. €)
Eigenkapital: 84,9 Mio. € (2017: 104,0 Mio. €)
Eigenkapitalquote: 43,2% (2017: 57,3%)
Investitionen: 36,8 Mio. € (2017: 23,2 Mio. €)
Mitarbeiter im Jahresdurchschnitt: 845 (2017: 733)



Nachgefragt: Warum ist die Eigenkapitalquote von 2017 auf 2018 gesunken?

Dafür sind zwei Faktoren maßgeblich:
1. Es wurden Stammaktien zurückgekauft.
2. Die Bilanzsumme ist aufgrund überdurchschnittlicher Investitionen erweitert.

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