Bolton Austria: Jörg Grossauer: Große Pläne
 
Bolton Austria

Jörg Grossauer: Große Pläne

Andreas Tischler/Vienna Press

Mag. Jörg Grossauer steht seit 2011 an der Spitze von Bolton Austria. Im CASH-Interview schildert der Country Manager, wie die Marken Rio Mare und Borotalco durch die Coronakrise gekommen sind und bricht eine Lanze für den seiner Meinung nach immer noch unterschätzen Fischkonservenmarkt.

CASH: Herr Grossauer, als Country Manager von Bolton Austria treiben Sie den Erfolg der Marken Rio Mare und Borotalco voran. Dabei verantworten Sie zwei Brands, die unterschiedlich gut durch die bisherige Coronakrise gekommen sind. Was waren denn die größten Herausforderungen dabei?
Jörg Grossauer: Das Coronavirus hat uns extrem herausgefordert. 90 Prozent der in Europa erhältlichen Rio-Mare-­Produkte werden in unserem Werk nördlich von Mailand produziert und damit in jener Region, die von Covid-19 am stärksten betroffen war. Zum Glück wurden wir als systemrelevant eingestuft und konnten weiterproduzieren, denn die Nachfrage nach Fischkonserven war im Zuge der europaweiten Hamsterkäufe enorm. Diese Nachfrage zu bedienen, war und ist nach wie vor eine besondere Challenge, denn die Auslastung der Maschinen lag schon vor Corona bei 100 Prozent. Dazu kommt noch, dass wir aufgrund der strengen Hygienemaßnahmen mit weniger Personal arbeiten, um das Risiko der Ansteckungsgefahr auf ein Minimum zu reduzieren.

Gab es seitens Ihrer Handelspartner Verständnis für dieses ­Dilemma?
Anfangs schon, da waren all unsere Partner sehr flexibel. Mittlerweile wünscht man sich natürlich auf allen Seiten wieder business as usual. Es ist uns aber glücklicherweise ganz gut gelungen, die Warenverfügbarkeit unsere Produkte am POS nahezu lückenlos sicherzustellen, indem wir zum Beispiel größere Verpackungseinheiten lokal in kleinere umgepackt haben. Da waren wir einfach intern sehr stark gefordert und haben auch höhere Kosten, unter anderem in der Logistik, in Kauf genommen. Vor allem zu Beginn der Krise war es nicht einfach Frächter zu finden, die die Ware aus Norditalien abholen wollten, da wurde zum Teil der dreifache Preis verlangt. 

All diese Maßnahmen wirken sich natürlich auf den Umsatz aus, unterm Strich wird aber dennoch etwas übrig bleiben, oder?
Es ist natürlich ein Jammern auf hohem Niveau. Alleine im März haben wir bei Rio Mare den Umsatz gemacht, den wir normalerweise in einem Quartal erreichen. Aufgrund der Bevorratung ist dieser dann aber wieder zurückgegangen und bewegt sich seit Juni wieder in vernünftigen Dimensionen. Außerdem konnten wir unsere Marktführerschaft bei Fischkonserven weiter ausbauen. Ganz anders war die Situation aber bei unserer Körperpflegemarke Borotalco und damit kann ich an Ihre erste Frage anknüpfen. Der Deo-Markt ist komplett eingebrochen. Hier gab es zwar auch Hamsterkäufe, aber im Vergleich zu jenen bei Rio Mare sind diese sehr gering ausgefallen. Dennoch bin ich mit der Entwicklung zufrieden, denn mit einem Marktanteil von 8,6 Prozent im rollierenden Jahr bis zur KW 24/2020 liegen wir im Deo-Ranking im Gesamtmarkt exklusive Diskont auf dem vierten Platz. Im DFH, der von Corona auch stärker betroffen war als der LEH, liegen wir im gleichen Zeitraum mit 8,8 Prozent Marktanteil sogar schon auf Platz drei. Unterm Strich bin ich also mit der Entwicklung beider Marken schon sehr zufrieden.

Das Interview in voller Länge gibt's im E-Paper September 2020
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