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Sigrid Eckhardt: "Wir sind nicht mehr nur ein Joghurtproduzent"

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Sigrid Eckhardt, Unternehmenssprecherin Danone Österreich
Sigrid Eckhardt, Unternehmenssprecherin Danone Österreich

Laut Sigrid Eckhardt, Ernährungswissenschaftlerin und Unternehmenssprecherin bei Danone Österreich, sind alternative Ernährungsformen im Kommen. Für Danone ein wichtiger Grund, um sich marken- und produktseitig breiter aufzustellen. 

CASH: Frau Eckhardt, Danone lanciert immer mehr Produkte für den veganen Lebensstil. Wie bewerten Sie diesen noch relativ überschaubaren Ernährungstrend?
Sigrid Eckhardt: Mit der Übernahme von White Wave und damit der Marke Alpro, haben wir uns bewusst dazu entschieden, diesen Trend mit Produktlösungen zu unterstützen. Aktuell bieten wir ein breites und innovatives Portfolio von globalen und lokalen Qualitätsmarken bestehend aus pflanzlichen Produkten und traditionellen Milchprodukten. Wir sind also nicht mehr nur ein Joghurtproduzent, sondern möchten für jeden Ernährungsstil passende Produkte in unserem Portfolio anbieten. So auch für Veganer, für die es ja zum Beispiel schon eine pflanzenbasierte Variante von unseren bekannten Marken Activia und Actimel gibt sowie ein breites Alpro-Sortiment.

Haben Sie aktuelle Zahlen darüber, wie sich die Österreicher ernähren und welche Ernährungsweisen einen Aufwärtstrend verzeichnen?
Laut einer Studie von meinungsraum.at haben sich 2005 nur etwas mehr als 5 Prozent der 16- bis 70-jährigen Österreicher flexitarisch ernährt. 2017 waren es schon rund 26 Prozent. Bei diesem Ernährungstrend lässt sich also ein starkes Wachstum verzeichnen. Vegetarier und Veganer wuchsen in den letzten Jahren im Vergleich weniger stark an.

Welche Gründe sprechen aus Ihrer Sicht für eine flexitarische Ernährung?
Die flexitarische Ernährung ist für viele eine Antwort auf die ökologischen und gesundheitlichen Herausforderungen der Welt. Die daraus resultierende Lebensweise, die sich von der Abhängigkeit von tierischen Produkten entfernt, beinhaltet eine integrative, abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung. Diese Art der Ernährung legt Wert auf bewussten Konsum, qualitativ hochwertige Produkte im Einklang mit der Umwelt und einen weniger verschwenderischen Ansatz. Eine derartige Ernährungsform vereint die gesundheitlichen Vorteile einer pflanzenbasierten Ernährung, beispielweise da das Risiko für Übergewicht, Typ 2 Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen sinkt, aber vermeidet gleichzeitig das Risiko von Mangelernährung durch den Konsum von tierischen Produkten in moderaten Mengen, denn bekanntermaßen fehlen in einer pflanzenbasierten Ernährung oft Vitamin D und B12, Zink und Eisen. Wir bei Danone glauben an eine flexitarische Zukunft, weil sie den Menschen eine aktive und positive Möglichkeit bietet, ein nachhaltigeres Ernährungssystem voranzutreiben, ohne dabei auf konkrete Lebensmittel verzichten zu müssen.

Wie sehr lassen Sie sich von den unterschiedlichen Ernährungsweisen bei der Produktentwicklung leiten?
Danone arbeitet daran, den positiven Trend hin zu bewussteren Ernährungsentscheidungen für mehr Menschen auf der ganzen Welt durch ein breites Angebot an Milchprodukten und pflanzlichen Lebensmitteln zu erleichtern. Somit wollen wir mit einem gesundheitsorientierten Produktportfolio nährstoffreiche Lebensmittel und Getränke in Formaten anbieten, die den Lebensstilen unserer Konsumenten entsprechen. Nach diesem Credo läuft bei uns auch die Entwicklung für Produkte des täglichen Bedarfs ab. Ein Beispiel: Für Menschen, die – aus welchen Gründen auch immer – auf Fleisch verzichten, bietet etwa unsere MyPro+ Linie eine geeignete Möglichkeit der alternativen Proteinzufuhr.

Danone macht sich auch für eine Einführung von Nutri-Score stark. Wieso halten Sie dieses Nährwertkennzeichnungssystem für richtig?
Eine transparente Kennzeichnung der Nährwerte unserer Produkte ist eines unserer 2016 veröffentlichten Danone Nutrition Commitments. Damit haben wir uns öffentlich dazu bekannt, die bestgeeignetste Produktkennzeichnung einzuführen, um Menschen zu selbstermächtigten, gesunden Verkaufsentscheidungen zu motivieren. Für uns erfüllt Nutri-Score diesen Anspruch klar, da es ein wissenschaftliches, einfach verständliches und unabhängiges Kennzeichnungssystem ist, das Menschen bewiesenermaßen zu einem gesünderen Einkaufsverhalten animiert. Nicht jeder ist Ernährungswissenschaftler und nicht jeder hat die Zeit, sich genau über die kleingedruckten Inhaltsstoffe einen Überblick zu verschaffen. Mit der fünfstufigen Farbskala von Nutri-Score ist nun auf den ersten Blick ersichtlich, welche Nährwertqualität ein Produkt hat. Die Bewertung eines Lebensmittels erfolgt über eine farbliche Einordnung von dunkelgrün - Buchstabe A, bis rot - Buchstabe E. Nutri-Score bewertet den Gesamtnährwert, also von Energiegehalt, über Zucker, gesättigte Fettsäuren, Natrium, bis hin zu Ballaststoffen, Proteinen und dem Anteil von Obst und Gemüse im Produkt.

Nun gibt es aber nicht nur Befürworter, sondern auch kritische Gegner des Nutri-Score-Systems, die unter anderem sagen, dass sich Lebensmittel nicht wissenschaftlich in gesund beziehungsweise ungesund einteilen lassen. Was entgegnen Sie diesen?
Das ist ganz einfach: Wir haben bei Nutri-Score die Wissenschaft auf unserer Seite. Das System wurde von unabhängigen Wissenschaftlern in Frankreich entwickelt und die Berechnung bezieht sich immer auf 100 Gramm, wodurch Produkte miteinander vergleichbar sind. Zudem wurde die Wirksamkeit auf die Veränderung des Einkaufsverhaltens auch schon in Studien belegt: Gemäß deren Ergebnisse regt die Kennzeichnung Konsumenten dazu an, sich beim Einkauf für Lebensmittel mit einem besseren Nährwertprofil zu entscheiden. Ebenso wird in wissenschaftlichen Analysen belegt, dass Nutri-Score das für Käufer am einfachsten erkennbare und am besten zu verstehende Kennzeichnungssystem darstellt.

Frau Eckhardt, danke für das Gespräch!

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