CASH+/Demmers Teehaus: J. Birnstingl & M. Öst...
 
CASH+/Demmers Teehaus

J. Birnstingl & M. Österreicher: Im Zeichen des Teeblatts

Demmers Teehaus
Die beiden Demmers Teehaus-Geschäftsführer Johanna Birnstingl und Manfred Österreicher
Die beiden Demmers Teehaus-Geschäftsführer Johanna Birnstingl und Manfred Österreicher

Demmers Teehaus steht für Teetradition, aber immer mit einem Blick für das Neue. Im CASH-Interview erzählen die beiden Geschäftsführer Johanna Birnstingl und Manfred Österreicher von Tee aus Kolumbien, dem Teekonsum der Österreicher und einem möglichen Schritt in den LEH.

CASH: Der Fokus von Demmers Teehaus lag seit den Anfängen 1981 auf dem eigenständigen Teehandel, mit Schwerpunkt auf lose Tees. Haben Sie nie daran gedacht, auch den Schritt in den LEH zu wagen?
Manfred Österreicher: Die Marke Demmers Teehaus kommt aus der Tradition heraus aus dem klassischen Teefachhandel mit Eigenfilialen und Franchise-Partnern, aber auch im Bereich Gastronomie ist Demmers Teehaus gut vertreten. Punktuell sind wir heute jedoch auch als Premiummarke im LEH zu finden wie zum Beispiel im Merkur Hoher Markt, in den Billa-Filialen Herrnhuterhaus und Schauflergasse oder aber in Premium-Filialen der Spar-Gruppe.

Johanna Birnstingl: Bestrebungen diesen Markt für den losen Tee auszubauen, gibt es in naher Zukunft nicht, da die Mehrheit der Österreicher den Tee in Beuteln bevorzugen. Das wurde auch in einer von uns in Auftrag gegebenen Studie letztes Jahr bestätigt. Da außerdem der Preis im LEH eine entscheidende Rolle spielt, hat es bis dato auch noch keine Bestrebungen gegeben, unseren Beuteltee im LEH anzubieten. Aus heutiger Sicht wollen wir aber nicht ausschließen, dass Demmers Teehaus künftig im LEH vertreten sein wird, denn eine österreichische Marke wie Demmers Teehaus würde aus unserer Sicht schon gut in den österreichischen LEH passen.

Was glauben Sie, warum wird im LEH loser Tee von den Konsumenten kaum angenommen?
Birnstingl: Das hat mehrere Gründe. Zum einen spielt hier der Preis eine wichtige Rolle – Blatttee ist in der Regel hochwertiger und seltener als Dust, Fannings und Broken, die für Beuteltees verwendet werden, und somit auch teurer, was sich wiederum im Preis für den Konsumenten niederschlägt. Zum anderen bestehen bei Konsumenten häufig Berührungsängste und Unsicherheiten. Den Menschen fehlt Teewissen und sie empfinden die Zubereitung als zu zeitaufwendig und kompliziert, obwohl das mit den richtigen Tipps und dem richtigen Zubehör eigentlich sehr einfach und schnell geht. In unseren Fachgeschäften mit geschulten Mitarbeitern bleibt Zeit, den Kunden zu beraten und zu informieren, was im LEH natürlich nicht möglich ist. Der Konsument ist auf die Verpackungsangaben angewiesen.

Wobei Sie mit der Bio Quick-T Kids Serie, Kindertees im Beutel, ein Produkt hätten, das für die Bedürfnisse des LEH geeignet sein könnte. Gerade solche Kindertees findet man im Handel nicht so häufig. Wäre das nicht eine passende Marktlücke?
Österreicher: Davon sind wir sogar überzeugt und es könnte tatsächlich ein möglicher erster Schritt in den LEH sein. Mit der im März gelaunchten Bio Quick-T Kids Serie in insgesamt vier unterschiedlichen Sorten mit den klingenden Namen „Kräuter Hexchen“, „Prinzessin Erdbeere“, „Käpt'n Himbeer“ und „Ritter Tropikus“ wollen wir Kindern eine zuckerfreie Alternative zu herkömmlichen Limonaden oder Heißgetränken anbieten.


März ist ein gutes Stichwort. Denn zu diesem Zeitpunkt ist die Coronavirus-Pandemie über uns hereingebrochen. Wie hat sich das auf Ihr Geschäft ausgewirkt?
Österreicher: Da unser Geschäftsjahr mit 30. April endet, hat uns Covid-19 bereits im vergangenen Jahr betroffen. In dieser Phase ist das Gastronomiegeschäft fast zur Gänze ausgefallen, dafür war unser Onlinegeschäft auf www.tee.at ein sehr wichtiger Vertriebskanal. Und da wir eben auf unterschiedliche Vertriebskanäle setzen, konnten wir diese Krise bisher gut meistern und den Vorjahresumsatz von ca. vier Millionen Euro halten.

Sind die Österreicher generell große Teetrinker?
Birnstingl: Eine von uns im 4. Quartal 2019 durchgeführte Umfrage ergab, dass Herr und Frau Österreicher durchschnittlich 33 Liter Tee pro Jahr trinken. Oder anders formuliert: 36 Prozent der Österreicher und Österreicherinnen trinken täglich beziehungsweise mehrmals pro Woche Tee. Davon sind 42 Prozent weiblich, 29 Prozent männlich. In Bezug auf die letzten 12 Monate, und damit inklusive der Corona-Monate, kann man sagen, dass die Österreicher sehr treue, loyale Kunden sind.

Welche Trends können Sie erkennen?
Birnstingl: Bewährtes, überliefertes und bestätigtes ­– soll heißen: Sorten wie Earl Grey und alle seine Ausprägungen beziehungsweise Rezepturen sind beliebt. Näher gemeint ist damit, dass Tees mit Bergamotte-Öl oder Bergamotte-Aroma seit Jahren auf unserer Bestseller-Liste ganz oben angesiedelt sind und sich nicht verdrängen lassen. Kräutertees finden sich ebenso auf der Ganzjahres-Hitliste weit vorne. Es sind einerseits erfrischende Mischungen, zum Beispiel mit Minze und Lemongras, andererseits würzige Mischungen, wie mit Ingwer oder Pfeffer, die hier seit Jahren im Trend liegen. Darüber hinaus beobachten wir, dass Grüner Tee im Vergleich zum Schwarztee kräftig aufholt. Sicherlich auch bedingt durch Matcha und dessen immer größer werdende Bekanntheit.

Österreicher: Um noch kurz auf Früchtemischungen und ihre Trends einzugehen: Im Sommer greifen viele zu spritzigen, milden Sorten. Zutaten und Aromen wie Grapefruit, Granatapfel, Cranberry oder Johannisbeere aber auch Ananas und Mango dominieren hier. Wohl auch, weil aus diesen Mischungen gerne Eistees zubereitet werden. In den kalten Monaten sind Orange, Zimt und Mandel dauerhaft beliebte Geschmacksrichtungen. Trend-Zutaten wie sie in der Küche auftauchen und auch wieder verschwinden, halten sich beim Tee meist nicht lange – ich denke da an Feige, Basilikum, Moringa, Kurkuma oder Chili.

Filiale im Donauzentrum

Und mit welchen Trends überrascht Demmers Teehaus?
Birnstingl: Wir versuchen immer wieder neue, interessante Ursprungsländer zu finden. Hier können wir bereits etwas auf die Herbst-/Winter-Saison vorgreifen und verraten, dass wir Kolumbianische Tees anbieten werden. Kolumbien kennt man vom Kaffee, aber wir haben das fast einzige Teegut entdeckt, das Blatttee produziert und schauen dabei auch immer etwas hinter die Kulissen. Es wird aufgrund der Historie von Kolumbien und der Vertreiber-Familie viel zu erzählen geben. Das Klima am Fuße der West-Anden ist perfekt. Etwas zurück in unserer Geschichte haben wir Eistees ready to drink eingeführt mit einem sehr hohen Tee-Anteil. Da waren wir Trendsetter und auch die Gastronomie war dankbar, dass es hier zu den altbekannten Anbietern etwas Neues gab. Die Kindertees haben wir ja schon erwähnt.

Österreicher: Außerdem versuchen wir nachhaltige Verpackungen einzusetzen und nicht "scheinheilige" Materialien. Die perfekte Lösung haben wir ehrlicherweise noch nicht gefunden, denn Tee verlangt Aromaschutz und Verpackung muss schließlich auch leistbar sein. Unser praktischer Kompromiss: Die Teedose! Man kann darin den Tee dunkel und geschützt lagern, sie ist lebensmittelecht und kann unzählige Male wieder befüllt werden.

Frau Birnstingl, Herr Österreicher, vielen Dank für das Gespräch.


Mehr zum Thema Tee finden Sie im Marktreport - nachzulesen hier im E-Paper September 2020

Über Demmers Teehaus
Demmers Teehaus wurde 1981 von Andrew Demmer gegründet. Heute hat das familiär geführte Unternehmen 50 Mitarbeiter, 5 eigene Filialen in Wien und 15 nationale wie internationale Franchise-Partner in Österreich, Ungarn, Polen, Rumänien, Japan und Finnland. Demmers Teehaus, Mitglied des Österreichischen Kaffee- und Tee Verbandes sowie Gründungsmitglied des Österreichischen Tee-Institutes, steht für österreichische Teekultur, die mit typischen Wiener Tee-Spezialitäten in die ganze Welt exportiert wird. Neben dem Betreiben von Teefachgeschäften beliefert Demmers Teehaus auch die gehobene Gastronomie in ganz Österreich, wie einige führende Wiener Kaffeehäuser und Top-Hotels mit Teeprodukten von höchster Qualität. Seit Juni 2018 wird Demmers Teehaus unter dem neuen Management von Johanna Birnstingl-Rumpl, Siegfried Kugler und Manfred Österreicher geführt. Weitere Informationen & Online-Shop: www.tee.at;

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