Die Käsemacher: Doris Ploner: Die Macherin
 
Die Käsemacher

Doris Ploner: Die Macherin

Markus Wache
"Es war nicht mein Plan, so schnell und auf diese Art und Weise ins Unternehmen einzusteigen."
"Es war nicht mein Plan, so schnell und auf diese Art und Weise ins Unternehmen einzusteigen."

Die junge Geschäftsführerin Doris Ploner, MA, übernahm die Familienkäserei Die Käsemacher in ihrer schwersten Phase, führte sie aus der Insolvenz und leitet heute ein gesundes Unternehmen, das sich auf ganz besondere Köstlichkeiten spezialisiert hat.

CASH: Frau Ploner, Sie haben den Familienbetrieb 2013 im Alter von 25 Jahren von Ihrem Vater übernommen, als dieser in einer schweren Krise steckte. Wie ist es dazu gekommen?
Doris Ploner: Mein Vater hatte 2010 einen schweren Unfall und fiel aufgrund der Schwere seiner Verletzungen sehr lange aus, was sich natürlich auch wirtschaftlich negativ auf unser Unternehmen ausgewirkt hat. Wir sind damals von einem kleinen Betrieb sehr schnell gewachsen und hatten keine mittlere Management-Ebene, die die Aufgaben meines Vaters übernehmen hätte können. Ich habe 2013 gleich nach meinem Studienabschluss und kurz nachdem wir Insolvenz anmelden mussten, die Geschäftsführung übernommen.

Wollten Sie den Familienbetrieb immer schon übernehmen?
Ich habe mich als Älteste von drei Geschwistern als Einzige immer schon für die Käsemacher interessiert und habe auch während des Studiums mitgearbeitet und Ferialpraktika gemacht. Ich habe dabei viele Bereiche durchlaufen – von der Gemüseproduktion für unsere Antipasti bis hin zu Führungen und Verkostungen in der Schaukäserei und Messen. Es war aber nicht mein Plan, so schnell und auf diese Art und Weise ins Unternehmen einzusteigen.

Was waren damals für Sie persönlich die größten Herausforderungen?
Die Zeit war insgesamt sehr herausfordernd, aber auch sehr spannend. Ich habe zwar BWL studiert, aber Theorie und Praxis lagen weiter auseinander, als ich zunächst dachte. Es war anfangs vor allem schwierig, alle Produktionsprozesse und Bereiche zu überblicken. Und natürlich lag auch ein großer Druck auf mir, immerhin ging es auch um die Zukunft unserer rund 160 Mitarbeiter. Das Gute ist trotzdem, dass ich mich damals Hals über Kopf hineingestürzt habe.

Von Ihrem Erfolg hingen damals auch viele Zulieferbetriebe ab, war das eine zusätzliche Motivation, das Unternehmen zu retten?
Ja, auf jeden Fall. Wir haben aktuell 42 Lieferanten. Das sind teils sehr kleinstrukturierte Betriebe aus unserer Umgebung. Viele dieser Betriebe sind mit uns mitgewachsen und es gibt aktuell auch keinen anderen Abnehmer für Schafs- und Ziegenmilch im oberen Waldviertel. Die meisten waren auch damals keine Fremden für mich, sondern teilweise Nachbarn oder sogar Freunde. Und es lag mir sehr am Herzen, dass wir das alles gemeinsam schaffen.

Würden Sie mit dem heutigen Wissen etwas anders machen als damals?
(lacht.) Ja natürlich, ich würde viele Fehler heute nicht mehr machen. Damals ist sicherlich nicht alles optimal verlaufen, aber es ist ein Learning-by-doing-Prozess.

Wie lange hat die Sanierungsphase gedauert und wie geht es den Käsemachern heute?
Das Sanierungsverfahren hat zwei Jahre gedauert und war Ende 2015 abgeschlossen. Seitdem sind wir auf einem sehr guten Weg in die richtige Richtung. Wir haben unser Geschäftsjahr gerade abgeschlossen, einen Umsatz von 18,8 Millionen Euro erwirtschaftet und sind seit dem Vorjahr leicht gewachsen. Vor der Insolvenz hatten wir einen etwas höheren Umsatz, wir haben uns dann sozusagen gesund geschrumpft und möchten auch in Zukunft gesund und langsam wachsen.

Markus Wache
Apropos gesund wachsen, Sie haben ja mehrere Standbeine und machen neben Schafs- und Ziegenmilchprodukten auch Antipasti. Welcher Bereich ist der umsatzstärkste?  
Der Antipasti-Bereich ist der stärkste, wobei hier angemerkt werden muss, dass wir auch beispielsweise Schinken- oder Zucchini-Röllchen und Schafskäsebällchen zu Antipasti zählen.

Wer sind hierzulande Ihre größten Mitbewerber?
Das hängt vom Geschäftsbereich ab. Im Bereich Schafs- und Ziegenmilch und Joghurts  sowie Schaf- und Ziegenkäse gibt es einige, darunter zum Beispiel die Biomolkerei Leeb und die ErlebnisSennerei Zillertal oder die Weizer Schafbauern. Im Bereich Antipasti mit Schafs- und Ziegenkäse sind wir aber die Einzigen in Österreich. In den Nachbarländern gibt es auch da einige Mitbewerber.

Wie hoch ist Ihr Exportanteil und in welchen ausländischen Märkten sehen Sie künftig großes Potenzial?
Unsere Exportquote liegt bei ungefähr 30 Prozent. Die beiden wichtigsten Exportländer sind Frankreich und die Niederlande, gefolgt von Deutschland und Italien. Wir liefern aber auch kleine Mengen bis nach Costa Rica. Ich denke, dass wir künftig in den Nachbarländern weiter wachsen können, allen voran in Deutschland.

Und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem österreichischen Handel im Bereich der Handelsmarken?
Wir arbeiten im Großen und Ganzen gut zusammen. Es kommen seitens des Handels immer wieder Produktideen, die wir versuchen umzusetzen. Antipasti setzen viel Handarbeit voraus und wir sind aufgrund unserer Größe sehr flexibel in der Herstellung und können auf die gewünschten Chargengrößen gut reagieren. Die Herausforderungen liegen hier in der Vorausplanung, was vor allem die saisonalen Produkte angeht, die natürlich einen gewissen Zeitrahmen brauchen, um sich zu etablieren.

Wie viel Zeit sollte der Handel Ihrer Meinung nach neuen Produkten einräumen?
Ich denke, dass ein halbes Jahr ein fairer Zeitrahmen ist, wir haben aber auch manchmal kürzere Zeiträume.

Was macht Die Käsemacher aus?
Wir machen aus guten Rohstoffen noch bessere Produkte nach traditioneller Rezeptur. Wir wollen immer etwas Neues bieten auf hohem Niveau. Unsere Produkte werden viel in Handarbeit hergestellt und dennoch in großen Mengen in Österreich produziert. Dadurch sind wir zwar höher im Preis, aber auch sehr flexibel, um auf individuelle Produkt- oder Verpackungswünsche eingehen zu können. Wir bauen unser Gemüse zum Teil selber an und achten dabei auf die richtige Form und Geschmack. Wir haben daher alle Faktoren, die die Qualität beeinflussen in unserer eigenen Hand.

Ebenfalls besonders an Ihrem Betrieb ist auch die hohe Frauenquote.
Das stimmt, eigentlich sind wir die Käsemacherinnen. Unser Frauenanteil liegt bei 75 Prozent quer über alle Ebenen, vom Einkauf und Vertrieb über Buchhaltung und Geschäftsführung.

Frau Ploner, vielen lieben Dank für das Interview!

Die Käsemacher
  • Mitarbeiter: 160 – 170 (saisonabhängig)
  • Frauenquote: 75 %
  • Exportquote: 30 %
  • Exportländer: rd. 40
  • Hauptexportländer: Frankreich, Niederlande, Deutschland, Italien
  • Vertriebslinien: 2/3 LEH, 1/3 Großhandel
  • Eigenmarkenanteil: 10 %
  • Lieferanten: 13 für Ziegenmilch und 29 für Schafmilch
  • Verarbeitete Milchmenge: 5 Mio. Liter/Jahr
  • Produktportfolio: 60 – 70 verschiedene Produkte (160 in allen Verpackungsformen)
  • Gemüsebauern (Antipasti): Österreich, Griechenland, Ungarn, Bulgarien


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