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Erwin Kotányi: Qualität ist ein Must-have

Markus Wache
Erwin Kotányi: "Wir sehen unsere Funktion ganz klar: Wir sind ein Vollsortimenter."
Erwin Kotányi: "Wir sehen unsere Funktion ganz klar: Wir sind ein Vollsortimenter."

Mag. Erwin Kotányi ist geschäftsführender Gesellschafter und baut sein Unternehmen weiter zu einem bedeutendem Player am Gewürzmarkt aus. In Russland ist er Marktführer, in Shanghai empfiehlt die Alibaba-Kette Hema Kotányi, in Südkorea erhöht er das Tempo – und in Österreich ist die Führungsrolle unbestritten.

CASH: Herr Kotányi, Sie sind sehr stolz darauf, dass sie seit Ende 2018 in Russland Marktführer sind. Dort haben sie auch ein 15%iges Umsatzplus geschafft. Welche Bedeutung hat Russland für Ihr Unternehmen und wie schafft man das als Familienunternehmen?
Erwin Kotányi: Das hat eine sehr große Bedeutung für uns, denn Russland liefert anteilsmäßig das größte Stück vom Umsatzkuchen. Diese gute Entwicklung und nun auch die Marktführerschaft, das ist uns gelungen, weil wir schon vor rund 20 Jahren in den Markt gegangen sind, also schon weit vor der Krise in Russland. Das war natürlich ein hohes Risiko, einige haben auch gemeint, das Risiko sei zu hoch. Aber wir waren ja damals schon in anderen zentral- und osteuropäischen Märkten tätig, hatten schon aus Fehlern gelernt, Erfahrungen gesammelt und Know-how aufgebaut. Davon profitieren wir heute, weil wir den Markt wirklich sehr gut kennen.

Auch als Marktführer bleibt man ja ehrgeizig und will weiterwachsen. Wie stehen die Chancen dafür?
Sie stehen sehr gut, weil wir in den beiden größten Handelsketten gelistet sind, die jedes Jahr sehr stark expandieren. Wir haben in Russland also noch viel Potenzial.

Sie sind bereits in 20 Ländern aktiv, wo wollen Sie noch hin?
Mir geht es nicht ums Ländersammeln, sondern darum, dort präsent zu sein, wo es für unsere Produkte Potenzial gibt und die Chance, mit den Händlern gut zusammenzuarbeiten. Ein Beispiel dafür ist Alibabas Kette Hema in Shanghai, wo wir schon vertreten sind. Nun wird Hema seinen Kunden sogar unsere Produkte empfehlen. Das ist eine besondere Auszeichnung.

Kostet das – und prinzipiell eine Neueinlistung –  nicht sehr viel Geld? In Österreich ist das ja durchaus Usus.
Diese riesigen Eintrittsgelder sind in Asien noch nicht üblich. Wir sind zum Beispiel auch in Südkorea tätig und starten jetzt mit einem breiten Markteintritt. Den könnte ich mir nicht leisten, wenn wir europäische Verhältnisse hätten.

Wie schaut es mit Wachstum eigentlich in Österreich aus. Wo sehen Sie da noch Potenzial?
In Österreich können wir allein durch den Distributionsausbau nicht mehr sehr viel wachsen. Hier geht es um Innovationen, um die Optimierung der Sortimente.

Ist Kotányi ein innovationsfreudiges Unternehmen?
Ja, das sehe ich schon so. Wir bringen im Jahr zwei, drei Innovationen heraus ...

… ist das wirklich innovationsfreudig?
Ja, weil man auch sehen muss, dass es eine limitierte Regalfläche gibt und die Händler am liebsten nur Schnelldreher reinnehmen. Eine Innovation in einem kleinen Segment kann aber nicht vom Start weg ein Schnelldreher sein. Da ist leider die Erwartungshaltung an den Umsatz manchmal zu hoch.

Was wünschen Sie sich von den österreichischen Händlern?
Ein bisschen mehr Geduld.

Die österreichischen Händler sagen sehr gerne, dass ihnen österreichische Familienunternehmen wichtig sind. Spüren Sie das?
Wenn ich mir heute die Regale anschaue, kann ich mich über die Partnerschaft mit dem Handel nicht wirklich beklagen. Er hat auch in schwierigen Situationen die Partnerschaft gehalten.

Die Händler beschwören im Sortiment, in ihrem ganzen Handeln die Regionalität, die Lokalität. Stört Sie das, weil ja viele Ihrer Gewürze nicht aus Österreich kommen oder gar nicht kommen können?
Eben – deshalb stört es mich nicht. Wir wissen auch, dass der Konsument die Regionalität bei Gewürzen nicht unbedingt erwartet. Vielleicht könnte man mit regionalem Kräuteranbau punkten. Wir sind prinzipiell offen für Kräuterhersteller in Österreich. Klar ist aber, dass wir eine hohe Qualitätsanforderung haben, egal in welchem Land wir Kräuter einkaufen.

Und der weitere große Trend Bio?
Das ist bei Gewürzen im Lebensmittelhandel kein großes Thema, aber wir haben unsere Bio-Linie aufgefrischt, weil wir das keinem anderen Player überlassen möchten.

Im Vergleich mit anderen Playern, welchen Platz im Ranking im Größenvergleich belegt Kotányi?
In Europa zählen wir sicher zu den Top fünf. Wenn ich nur den CEE-Raum hernehme und die Positionierung als Familien­unternehmen, dann sind wir führend.

Was ist bei Gewürzen eigentlich wichtiger: Die Qualität des Produktes, überraschende neue Sorten oder die Verpackung?
Das gehört alles zusammen und deshalb überarbeiten wir die Category auch permanent. Die Qualität ist für jede Brand ein Must-have, und die höchste, die versuchen wir am Beschaffungsmarkt auch weltweit zu bekommen. Der Verpackung kommt ein hoher Anteil an Bedeutung zu und um den Zeitgeist zu treffen, machen wir alle sieben bis acht Jahre einen Packungsrelaunch unter ökologischen Aspekten. Und wenn wir eine neue Sorte herausbringen, zum Beispiel im Mischungsbereich, dann müssen wir sie in unser Gesamtsortiment integrieren. Denn wie ich schon gesagt habe, die Regalfläche ist limitiert.

Es gibt eigentlich keine Warengruppe, die nicht von Aktionitis geprägt ist. Wie ist das bei Gewürzen?
Die Konsumenten haben eine geringe Preissensibilität bei Gewürzen, das wissen die Händler. Wichtig ist viel mehr die Promotionstätigkeit, also Zweit- und Sonderplatzierungen, nicht nur in Verbindung mit Preisreduktionen, sondern vor allem mit Themenschwerpunkten, etwa Grillen, Backzeit, Veggie und so weiter.
Markus Wache

Das heißt, es geht auch darum, stärker aus dem Gewürzregal an sich rauszukommen.
Ja, das ist unsere Strategie und deshalb laufen in diese Richtung auch unsere Überlegungen, wenn wir Innovationen herausbringen.

Ihre Gewürze und Mischungen sind im Glas, in der Mühle oder im Brief zu haben. Welche Verpackung braucht der Händler auf jeden Fall?
Im Grunde alle drei, denn wenn man eine Verpackung nicht anbietet, geht man an einem Teil der Käufer vorbei. Wie Sie wissen, scheiden sich da die Geister im Handel. Aber wir sehen unsere Funktion ganz klar: Wir sind Vollsortimenter.

Herr Kotányi, vielen Dank für unser Gespräch!
Kotányi-Facts 2018
Produktionsstandort: Wolkersdorf/NÖ
Umsatz: 165 Mio. € (+ 5 %)
Mitarbeiter: 570
Anzahl Exportländer: 20
Marktführerschaft in Russland, Umsatzplus 15 %
Kotányi-Facts 2019
Geplante Umsatzsteigerung: + 3 %
Investment in Standort: 3 Mio. €
Zusammenarbeit mit Hema, Supermarktkette von Alibaba in China
Breiter Marktauftritt in Südkorea mit Gewürzmühlen
Erwin Kotányis (62) Lieblingsgewürze
* Paprika, weil mit ihm die Firmengeschichte begonnen hat.
* Pfeffer, weil er der größte Umsatzbringer ist.
* Curcuma, weil es repräsentativ für die Gesundheit und Wirkung von Gewürzen ist.
* Vanille, weil es das faszinierendste Gewürz von der Orchideenblüte bis zum fermentierten Vanillestangerl ist.
* Rosmarin, weil es mein Lieblingsgewürz für mein Rosmarinhendl ist.



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