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M. Gruber & P. Reinecke: Hausverstand statt Verzicht und Verbote

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Konsumenten sehen sich heutzutage mit einer Fülle von Informationen zum Thema Ernährung konfrontiert und teils damit überfordert. CASH spricht mit Peter Reinecke und Marlies Gruber vom forum. ernährung heute über Komplexitätsreduktion und welchen Beitrag Handel, Industrie und Marken leisten können.

CASH: Frau Gruber, Herr Reinecke, kürzlich veranstalteten Sie ein Symposium mit dem Titel „Einfach zu komplex? Vom Charme simpler Lösungen und unbewussten Folgen des Essens“. Warum die Themenwahl? Ist unsere Ernährung heute wirklich zu komplex? Wo sehen Sie hier die Probleme?
Peter Reinecke: Der Anlass für das Symposium war unsere langjährige Beobachtung, dass es in vielen gesellschaftlichen Bereichen einen Trend hin zu zunehmender Komplexität gibt. Die Ernährung ist nur ein kleiner Teil davon. Wir verstehen uns als Kompetenzzentrum zur Wissens- und Informationsvermittlung und ermöglichen durch verschiedenste Dialogformate mit unterschiedlichen Stakeholdern offene Ernährungs- und Gesundheitsdiskussionen. Wir wollten die Komplexität der heutigen Ernährung auf der Metaebene untersuchen und uns der Problematik von einem gesundheitlichen Blickwinkel aus nähern. Denn Komplexität in unzähligen Anwendungsfeldern vor allem aber bei den Themen Ernährung, Lebens­stile und Gesundheit wird zu einer erheblichen Herausforderung für den Konsumenten.

Marlies Gruber: Beim Thema Ernährung liegt die Problematik vor allem darin, dass es so vielschichtig ist. Daher tendieren wir dazu, den einfacheren Lösungen den Vorzug zu geben, beispielsweise bei der Übergewichtsdebatte. Es wird auf simple Lösungen gesetzt, obwohl Übergewicht ein komplexes Krankheitsbild ist, wo eine Maßnahme alleine nichts nützt und man ganzheitlich denken muss. Konsumenten verändern ihr Essverhalten einseitig, verzichten beispielsweise auf einzelne Produkte oder Inhaltsstoffe und wundern sich, dass dies nicht zum Erfolg führt und mitunter die Kosten und Mühen umsonst waren.

Wie kann man als Konsument diese Komplexität reduzieren und welchen Beitrag können Handel und Industrie leisten?
Reinecke: Simpel ausgedrückt ist Komplexität das Gegenteil von Einfachheit. Es gibt allerdings in der Realität immer eine Vielzahl an Variablen, die miteinander interagieren. Das macht das Ganze unüberschaubar, unvorhersehbar und nicht kon­trollierbar. Das Hauptproblem ist die Unübersichtlichkeit, die häufig zu Überforderung des Menschen führt. Überforderung führt wiederum zu Verunsicherung und diese kann zu Fehleinschätzungen und Angst führen und sogar in Anfälligkeit für Manipulation enden. Zur erfolgreichen Bewältigung dieser Komplexität bieten sich im Wesentlichen drei Lösungsstrategien. Erstens: der Erwerb von Kompetenz. Also Urteilsvermögen durch Faktenwissen und Bildung. Hier unterstützt das f.eh durch Information und Wissensvermittlung. Zweitens: offene Kommunikation, wobei das f.eh unter anderem mit Veröffentlichungen sowie verschiedenen Diskussions- und Dialogformaten aktiv die transparente Kommunikation fördert. Drittens: Komplexitätsreduktion durch einfache und verständliche Information mit Fokus auf die wesentlichen Fakten und Zusammenhänge. Wer gut informiert ist, kann dann aufgrund dieses Wissens selbstständig und eigenverantwortlich entscheiden, was gut für sie oder ihn ist. Die Lebensmittelwirtschaft hat eine Verantwortung für die wirksame Komplexitätsbewältigung über die gesamte Wertschöpfungskette – vom Feld bis auf den Teller. Keine leichte Aufgabe, denn der Konsument fordert einerseits völlige Transparenz über die Beschaffenheit seiner Lebensmittel, was aber andererseits zu erhöhter Komplexität führt. Daher haben Handel und Industrie die Aufgabe, die Informationen so zu verdichten, dass eine angemessene Balance zwischen Transparenz und Komplexitätsreduktion im Sinne des Verbrauchers hergestellt wird.

Das Interview in voller Länge gibt's zum Nachlesen im E-Paper.

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