Interseroh Austria: Franz Sauseng: Eine Zukun...
 
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Franz Sauseng: Eine Zukunft ohne Abfall

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Sowohl die ziemlich scharfen EU-Vorgaben in Sachen Recyclingquoten als auch das brennende Thema Klimaschutz verlangen der Abfallwirtschaft beinahe Unmögliches ab. CASH sprach mit Interseroh Austria-Geschäftsführer Franz Sauseng über EU-Vorgaben, gemeinsame Ziele und die zukünftige Rolle der Konsumenten.

CASH: Herr Sauseng, Verpackung hat mittlerweile nicht nur aus Umweltgründen, sondern auch wegen der europaweit gültigen Reduktions- und Kreislaufziele eine völlig andere Bedeutung bekommen als noch vor einigen Jahren. Wie gehen Sie und ­Interseroh mit dieser neuen Situation um?
Franz Sauseng: Mittlerweile betrifft das Thema Verpackung nicht nur die Verpackungserzeuger, die Produzenten, den Handel und uns in der Recyclingbranche, sondern auch in hohem Maße die Konsumenten und beeinflusst ihr Kaufverhalten nachhaltig. Was uns von Interseroh betrifft, so ist uns klar, dass wir nur dann unsere starke Position im Markt halten und ausbauen können, wenn wir auch in Zukunft hochqualitativer Partner der Industrie und des Handels sind. Aufgrund der Tatsache, dass Österreich die strengen EU-Vorgaben jedenfalls fristgerecht umsetzen will, bieten wir uns schon jetzt als serviceorientierter Ressourcenoptimierer, als Expertengruppe, die alles im Haus hat und national und international bestens vernetzt ist, an.

Da Österreich den Großteil der EU-Vorgaben für 2025 schon jetzt erfüllt, werden wir kaum Probleme bekommen, die Ziele zu erreichen. Aber wie sieht es mit den anderen Ländern aus, die noch nicht so weit sind?
Ich denke auch, dass es Österreich schaffen wird, unter anderem auch deswegen, weil wir bessere Rahmenbedingungen haben als andere Nachbarstaaten. Den größten Nachholdarf sehen wir noch beim Kunststoff, weil es verpackungsmäßig auch in Zukunft nicht ohne gehen wird. Da die EU im Zukunftsbild 2030 eine kreislauforientierte Kunststoffwirtschaft mit einer Recyclingfähigkeit von 100 Prozent sieht, werden wir bei der Gestaltung der Kunststoffe, der Qualität der getrennten Kunststoffsammlung und des Kunststoffrecyclings weiter optimieren müssen. Für die Erfüllung der hohen Recyclingziele müssen wir in Zukunft den Anteil an thermischer Verwertung auf das Minimum reduzieren und das Recycling weiter steigern. Da müssen auch alle Bürger, alle Gemeinden und alle Verbände aktiv mitarbeiten und bereit sein, auch mit bisherigen Tabus zu brechen. Da werden wir noch einiges optimieren müssen und wo notwendig die wertvollen Stoffflüsse in andere Wege leiten als heute üblich. Kunststoff an sich ist ja nicht schlecht, man muss nur die Qualität in Richtung ökologische Recyclingfähigkeit weiter heben und dabei zum Beispiel Monofraktionen gezielt fördern. Wenn wir diese dann in eine ausgeklügelte und effiziente Kreislaufwirtschaft bringen, ist Kunststoff à la longue auch kein ökologisches Problem, sondern nach wie vor ein wichtiger Baustein in unserer Ressourcenwirtschaft und bei unseren Kauf– und Konsumgewohnheiten.

Die Abfallbeauftragten der Industrie und des Handels sind aufgrund der Komplexität oftmals völlig überfordert. Was können Sie da anbieten?
Das geht nur gemeinsam und international gedacht. Interseroh ist in Europa in vielen Ländern aktiv, wir sammeln im Jahr circa sechs Millionen Tonnen Sekundärrohstoffe für diverse Recyclingströme, wobei wir der Recyclingindustrie in unseren modernsten Sortieranlagen 4.0 pro Jahr über 800.000 Tonnen Kunststoffverpackungen hochqualitativ sortenrein aufbereiten und zur Verfügung stellen. Mit unseren langjährigen Expertisen und in Zusammenarbeit mit unserem mehrfach international ausgezeichneten Interseroh-Kompetenzcenter in Maribor unterstützen wir alle Unternehmen bei der Planung und Umsetzung ihrer individuellen Recyclingziele. Dabei arbeiten wir auch mit der FH für Verpackungs- und Ressourcenmanagement am Uni Campus Wien aktiv zusammen. Was wir aber der Industrie zusätzlich anbieten können, ist eine umfassende Recycling-Bewertung der unterschiedlichsten Verpackungsarten. Hierzu haben wir gemeinsam mit dem bifa Umweltinstitut und dem Fraunhofer IVV Institut einen Prüfungsstandard entwickelt, der sämtliche Verpackungen gesamtinhaltlich analysiert und konkrete Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Recyclingfähigkeit vorschlägt. Bei Verpackungen mit einem Papierfaseranteil von mehr als 50 Prozent wird, um den Papierrecyclingprozess möglichst realitätsnah zu simulieren, auch ein Faseraufschluss durchgeführt. Für die Planung und Umsetzung der hochwertigen Nachhaltigkeitsprojekte in Industrie und Handel sind wir ein wichtiger und zukunftsgerichteter Partner.

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Aus den Kunststoffen erzeugen Sie zwei unterschiedliche Granulate. Ist das die Lösung?
Nicht nur. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass der von uns gesteuerte Recyclingprozess nur hochwertige Produkte liefert, die auch gut recycel- und verwertbar sind. Damit machen wir es möglich, dass neue Produkte aus dem Granulat innovativ, dynamisch und hochwertig sind. Aus Flaschen können wiederum Flaschen werden. Somit können aus den beiden Granulatfamilien Recythen und Procyclen völlig unterschiedliche hochwertige Produkte hergestellt werden. Man kann sagen, im Rohstoff der Zukunft stecken die gebrauchten Kunststoffe von heute.

Macht es recyclingmäßig einen Unterschied, ob Sie Haushaltsmüll oder Gewerbemüll sammeln?
Die Erfahrung zeigt, dass wir wesentlich mehr Verpackungen aus den Haushalten sortieren und aufbereiten als aus dem Gewerbe, da die Packstoffe im Gewerbe zum Großteil bereits vorsortiert übergeben werden. Es kommt aber auch immer auf die Packstoffe an – mit unseren optimierten Prozessen liefern wir aus beiden Bereichen eine hochwertige Recyclingqualität. Uns allen muss aber bewusst werden, dass wir in Sachen Verpackungsrecycling und Nachhaltigkeit künftig nicht mehr nur österreichweit denken dürfen. Die Herstellung der Produkte und das Recycling der Sekundärrohstoffe sind mittlerweile zu einer internationalen Aufgabe geworden. Der Begriff der modernen Ökologie und Kreislaufwirtschaft kennt so etwas wie Grenzen überhaupt nicht. Mit Interseroh wird grenzenloses Recycling Realität.

Ökologie ist klar, aber wie schaut’s dabei mit der Ökonomie aus?
Natürlich ist Ökonomie ebenfalls ein wichtiger Faktor und gehört in das System genauso integriert wie die Akzeptanz und aktive Mitarbeit der Konsumenten bei der getrennten Sammlung. Deswegen haben wir auch einen individuellen Fahrplan für Verpackungsproduzenten entwickelt, wie man Verpackungen recyclingfreundlich gestalten und für alle ökonomisch vorteilhaft in den Wirtschaftsprozess zurückführen kann. Mit uns ist Recycling wirtschaftlich.

Herr Sauseng, vielen Dank für das Gespräch.

Interseroh Facts
Gegründet: 1991
Standorte: 33
Länder: 8
Mitarbeiter: 1.791
Umsatz 2018: 739,2 Mio. €
Kunden: ca. 10.000
Mutterkonzern: Alba Group
Geschäftsführer Interseroh Austria: Franz Sauseng

Der EU-Fahrplan bis 2030
2020: Kunststoff-Tragetaschenverbot, Verpackungs-Verordnungsnovelle, Abfallwirtschaftsgesetz-Novelle
2025: Kunststoff-Getränkeflaschen aus mindestens 25 % Recyclat
2030: Sämtliche Kunststoff-Verpackungen aus  100 % Recyclat, Halbierung der Lebensmittel-Abfälle


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