Dallmayr: Julia Dengler im CASH-Interview: Ka...
 
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Julia Dengler im CASH-Interview: Kaffeekochen ist wieder in

Julia Dengler, Mitglied der Dallmayr-Geschäftsleitung, spricht mit CASH über die aktuellen Trends am Kaffeemarkt, die Zusammenarbeit mit dem Handel und gibt Einblicke in die drei Geschäftsfelder des weltweit agierenden Unternehmens.

Julia Dengler
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Julia Dengler
CASH: Frau Dengler, die Österreicher trinken im Schnitt rund drei Tassen Kaffee täglich. Dallmayr landet einer aktuellen IMAS-Erhebung aus dem Jahr 2018 zufolge im Beliebtheitsranking auf dem 5. Platz. Wie sehr freuen Sie solche Ergebnisse?
Julia Dengler: Dass wir als Hersteller absoluter Spitzenkaffees in einem Land mit einer jahrhundertelangen Kaffeehaus-Tradition so gut ankommen, freut uns natürlich sehr, zumal Österreich der wichtigste Exportmarkt für uns ist. 2017 konnten wir hier nicht nur unseren Umsatz auf über 25 Millionen Euro steigern, sondern auch 1.886 Tonnen absetzen. Das entspricht einem Marktanteil von 6,9 Prozent. Wir sind außerdem sehr stolz darauf, dass unsere Marke prodomo in Österreich im Segment Filterkaffee die Nummer zwei ist.

Wie sehr stört es Ihre Geschäfte, dass das Segment Filterkaffee hierzulande immer stärker unter Druck kommt?
Wir sind überzeugt, dass klassischer Filterkaffee weiterhin einen festen Platz im Sortiment haben wird. Denn obwohl die Kategorien Espresso/Crema und Einzelportionen weiterhin stark wachsen, hat dieser sowohl wert- als auch mengenmäßig immer noch den größten Anteil am gesamten Röstbohnenkaffeemarkt. Außerdem erlebt dieses Segment in Bezug auf die Brühmethoden derzeit gerade eine kleine Renaissance und das Kaffeekochen wird dank French Press oder dem altbekannten Porzellanfilter wieder mehr zelebriert. Aber auch wir reagieren natürlich auf die Trends der Zeit und erweitern unser Angebot kontinuierlich den Wünschen der Konsumenten entsprechend. So wächst der Markt für Nespresso-kompatible Kapseln mit einem Plus von 23,5 Prozent im Jahr 2017 weiterhin dynamisch. Bereits 2014 haben wir unter der Marke capsa Nespresso-kompatible Kapseln auf den Markt gebracht, die sich immer noch hervorragend entwickeln und in Österreich Platz zwei im Absatz erreichen. Sehr erfreulich ist zudem, dass wir im Markenranking der zehn meistverkauften Kapseln mit unseren Capsa-Produkten auf den Plätzen zwei, drei und vier liegen.

Kaffee wird hierzulande häufig in Aktion verkauft. Wie sehen Sie diese Entwicklung für Dallmayr auch im Zusammenhang mit dem Schlagwort Wertvernichtung der Marke?
Es stimmt, das Segment Kaffee ist sehr stark aktionsgetrieben und auch wir als Premiumanbieter sind häufig in Aktionen vertreten. Wir legen aber ein besonderes Augenmerk darauf, dass bei Dallmayr Kaffee keine Wertvernichtung eintritt und das gelingt uns auch sehr gut. Wir wissen, dass viele Kunden unsere Topqualität schätzen und der Preis nicht das hauptausschlaggebende Verkaufsargument ist. Ganz abgesehen davon ist der Aktionsanteil im Vergleich zum Nachbarland Deutschland ohnehin weitaus geringer.

Kommen Sie bei dem Thema in den Gesprächen mit den österreichischen Handelspartnern immer auf einen gemeinsamen Nenner?
Wir sind mit der Zusammenarbeit mit den österreichischen Händlern sehr zufrieden, und dass unsere Hauptprodukte flächendeckend erhältlich sind und Neulistungen von allen Kunden zeitnah umgesetzt werden, unterstreicht die gegenseitige Wertschätzung füreinander. Natürlich gibt es immer wieder mal Diskussionen, aber die braucht es auch, um sich gemeinsam weiterzuentwickeln.

Setzen Sie eigentlich auch auf den Diskont als Partner?
Der österreichische Handel vermarktet unsere Produkte in allen seinen Vertriebsschienen. Diese sind z.B. Billa, Merkur, Interspar, Eurospar, M-Preis, Unimarkt und viele andere. Im Diskont-Bereich sind wir mit einzelnen Produkten bei Penny und auch bei Lidl vertreten.

Steuern Sie den Vertrieb selbst direkt von Deutschland aus?
Im Handel arbeiten wir ausschließlich mit einem Distributeur, der Firma Candyport aus Hagenbrunn, zusammen. Im Bereich Gastronomie und Automatenservice sind wir mit einer eigenen Dallmayr-Niederlassung mit Sitz in Frastanz in Vorarlberg vertreten. Zudem gibt es weitere sieben Zweigniederlassungen in Österreich.

In Österreich wird der Name Dallmayr hauptsächlich mit Kaffee in Verbindung gebracht. Dabei ist das Unternehmen mit den weiteren Geschäftsfeldern Tee, Delikatessen und Automaten- und Gastronomieservice breit aufgestellt. Welcher Bereich ist denn der umsatzstärkste für die gesamte Gruppe?
Dallmayr blickt auf eine mehr als 300-jährige Tradition zurück und steht für herausragende Produkt- & Servicequalität im Handel, im Dienstleistungsbereich und in der Gastronomie. Unsere Erfahrung in den verschiedenen Geschäftsbereichen und das Bündeln dieser Kompetenzen machen uns heute zu einem angesehenen Partner, worauf wir wirklich stolz sind. Der umsatzstärkste Bereich ist Kaffee und Tee mit rund 600 Mio. Euro, gefolgt von Automatenservice mit rund 400 Mio. Euro und dem Delikatessenbereich mit ca. 45 Mio. Euro.

Was kann man sich unter Ihrem Gastronomie-Service konkret vorstellen?
Dieser Service umfasst unsere beliebten Dallmayr Kaffees und Tees, sowie das nötige Zubehör, das heißt von Maschinen über Mobiliar oder Geschirr bis hin zum Verbrauchsmaterial wie Zucker und Milch. Auch maßgeschneiderte Lösungen für unsere Kunden sind jederzeit möglich. Angeboten wird dieser Service derzeit hauptsächlich in Europa.

Und wie entwickelt sich das Automatengeschäft?
Der Automatenbereich entwickelt sich analog zu anderen Geschäftsbereichen sehr gut. Wir verfügen über ein flächendeckendes Servicenetz und bedienen mit über 90.000 Kaffeeautomaten, Kaltgetränkeautomaten und Snackautomaten mehr als 5.000 zufriedene Kunden. Weltweit sind wir mit diesem Geschäftszweig insgesamt in 18 Ländern aktiv.

Frau Dengler, vielen Dank für das Interview.

FACTBOX

Geschäftsführung: Wolfgang Wille und Florian Randlkofer
Umsatz: über 1 Mrd. Euro in 3 Geschäftsbereichen
Umsatzanteile der Geschäftsfelder: 60 % FMCG (Kaffee+Tee), 35 % Vending/HoReCa, 5 % Delikatessengeschäft
Umsatz Österreich: 2017: 25,8 Mio. Euro (Quelle: Nielsen)
Mitarbeiter: 3.800
Export: in über 40 Ländern vertreten
Firmensitz: Dienerstraße 14–15, 80331 München



Nachhaltigkeit bei Dallmayr
Dallmayr verfolgt in Sachen Nachhaltigkeit seit Jahrzehnten einen konsequenten Weg und kooperiert beim Rohkaffeeeinkauf mit Zertifizierungsorganisationen wie Fairtrade, UTZ Certified und Rainforest Alliance. Konkrete Hilfe zur Projektarbeit leistet Dallmayr in Äthiopien und Tansania. In Äthiopien unterstützt das Unternehmen seit 2008 vor Ort das Aufforstungsprogramm der Stiftung „Menschen für Menschen“ von Karlheinz Böhm. Mit jeder verkauften Packung äthiopischen Kaffees werden Baumsetzlinge gespendet, die der drohenden Versandung entgegenwirken und die Lebensbedingungen vor Ort nachhaltig verbessern. Bisher konnten über 48 Millionen Baumsetzlinge gespendet werden. Aktuell plant Dallmayr ein Schulprojekt in Äthiopien. In Tansania kauft Dallmayr Rohkaffees ein, die mit dem Jan-Goodall- Siegel „Good for All“ zertifiziert sind, und fördert so den nachhaltigen Gedanken der britischen Tier- und Umweltschützerin.

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