Johann Kattus GmbH: Kattus 2.0
 
Foto: Peter Svec
Philipp Gattermayer (li.) und Dr. Ernst Polsterer-Kattus© Foto: Peter Svec
Philipp Gattermayer (li.) und Dr. Ernst Polsterer-Kattus© Foto: Peter Svec

Qualität und Tradition aus Österreich stehen bei den Verbrauchern hoch im Kurs. Basierend auf diesen beiden Säulen startet das Wiener Traditionshaus Kattus nach dem Verkauf von Hochriegl vor rund einem Jahr mit einer stark verjüngten Führungscrew jetzt neu durch.

CASH: Herr Gattermayer, Sie sind im Frühjahr 2009 zur Kattus Vertriebs GmbH gestoßen, seit Juli 2010 leiten Sie gemeinsam mit Andreas Ruhland die Geschäfte des Unternehmens. Hat Sie der steile Aufstieg überrascht?



Mag. Philipp Gattermayer: Die Entwicklung war in dieser Form nicht vorhersehbar. Ich habe im April 2009 als Marketingleiter begonnen und ab September die Agenden Marketing und Sales für den Bereich Gastronomie im Haus verantwortet. Dass Dr. Polsterer-Kattus die Geschäftsführung nach dem Rückzug von Dr. Peter Kefer im Februar dieses Jahres an Andreas Ruhland bzw. an mich herantragen würde, damit hat keiner von uns beiden gerechnet.

Haben Sie lange überlegt, ob Sie das Angebot annehmen wollen?



Gattermayer: Nein. Zugegeben, eine solche Position heißt, eine Menge Verantwortung zu übernehmen. Eine Position wie diese bedeutet aber auch eine große Herausforderung und Chance. Da muss man nicht lang überlegen.

Wie sieht die Kompetenzverteilung zwischen Ihnen und Andreas Ruhland aus?



Gattermayer: Andreas Ruhland verantwortet die Bereiche Administration, Controlling, Logistik und Prozessmanagement, die Agenden Marketing und Vertrieb dagegen fallen in meinen Kompetenzbereich.

Da wir gerade beim Thema Kompetenzen sind: Herr Dr. Polsterer-Kattus, wie schafft man als Eigentümer den Spagat, einerseits die eigenen Interessen zu wahren, ohne andererseits die Geschäftsführung ständig zu bevormunden?



Dr. Ernst Polsterer-Kattus: Durch klare Kompetenzabgrenzung auf der einen und gegenseitiges Vertrauen auf der anderen Seite. Es war aber auch schon in der Vergangenheit so, dass wir, d.h. meine Frau und ich, uns in Belange des Vertriebs nie eingemischt haben.

Die Kommunikation mit der neuen Vertriebsspitze klappt gut?



Polsterer-Kattus: Ja, wir haben zum Teil einen sehr ähnlichen Geschmack und harmonieren blendend.

Und wie fühlen Sie sich angesichts von so viel jugendlichem Elan im Unternehmen?



Polsterer-Kattus: Noch bis vor Kurzem hatte ich nicht das Gefühl, schon zu den Erwachsenen zu zählen, jetzt bin ich der Oldie im Team. Wir haben diesen Schritt der Verjüngung im Sinn einer Weichenstellung für die Zukunft aber natürlich ganz bewusst gesetzt.

Ehe wir auf Letztere zu sprechen kommen, würde ich gerne noch die jüngere Vergangenheit streifen. 2009 wurde vielfach als Krisenjahr beschworen. Wie ist es für Kattus seit dem Verkauf von Hochriegl gelaufen? Hat die Krise auf den Absatz alkoholischer Getränke durchgeschlagen?



Gattermayer: Alles in allem haben wir recht bewegte Wochen und Monate hinter uns. Insgesamt sind wir mit der Entwicklung aber sehr zufrieden. Die im vergangenen Herbst in der Gastronomie gelaunchte Kattus Cuvée N° 1 und die erst kürzlich präsentierte Kattus Grande Cuvée haben unsere Erwartungen bei Weitem übertroffen, bei Frizzante konnten wir im Volumen um 20 Prozent zulegen und selbst bei Champagner bewegen wir uns in etwa auf dem Niveau des Vorjahres.

Dann hat das zuletzt schwierige wirtschaftliche Umfeld auf den Absatz alkoholischer Getränke also nicht abgefärbt?



Gattermayer: Nach wie vor spürbar ist der durch die Wirtschaftskrise bedingte Anstieg der At-Home Consumption, vor allem in der Zielgruppe der 16- bis 25-Jährigen. Die Leute gehen zwar nicht weniger oft aus, konsumieren außer Haus aber weniger. Grundsätzlich sind wir aber auch heuer wieder positiv unterwegs. Overall halten wir bei einem Plus von zehn Prozent.

Und welches Segment – Bier, Schaumwein, Spirituosen – bereitet Ihnen aktuell die meiste Freude, wo sehen Sie im Moment die meiste Dynamik?



Gattermayer: Dynamik herrscht in allen Bereichen, insbesondere im Schaumweinbereich, was u.a. daran liegt, dass wir die Zügel hier, und anders als zum Beispiel bei Corona, selber in der Hand haben und den Markt von der Produktkreation bis hin zum Marketing gestalten können. Aber auch Corona verkauft sich hierzulande sehr gut. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Österreich ist bei Weitem höher als im benachbarten Deutschland.

Als besonders absatzstark erwies sich in den letzten zwei, drei Jahren auch die Kategorie Bitteraperitife, allen voran Aperol. Wird diese Entwicklung Ihres Erachtens weiter anhalten?



Gattermayer: Trends kommen und gehen. Natürlich lässt sich der Lebenszyklus von Produkten durch Maßnahmen wie Promotions und dergleichen verlängern. So gesehen wird es die Kategorie Bitter-aperitife auch immer geben, genauso bin ich aber überzeugt, dass der momentane Aperol-Boom früher oder später durch einen neuen Trend abgelöst wird.

Womit wir beim Thema Zukunft wären. Wo sehen Sie das Unternehmen Kattus künftig positioniert?



Gattermayer: Unsere Kompetenz und Erfahrung lag und liegt ganz klar im Bereich On Trade, was daher kommt, dass hochwertige Produkte, wie wir sie vertreiben, auch einen gewissen Erklärungsbedarf haben.

Mit der Frizzante-Range ist Ihr Unternehmen nach wie vor aber auch im Lebensmitteleinzelhandel präsent. Wird Sekt unter dem Label Kattus demnächst ebenfalls im LEH erhältlich sein?



Gattermayer: Wir sind heute zu 100 Prozent eigenkapitalfinanziert und sehen diese Frage deshalb recht entspannt. Natürlich wollen wir wachsen, aber nicht um jeden Preis. Ob wir den nächsten Schritt im LEH machen, werden wir im nächsten Jahr entscheiden. Wichtiger ist uns momentan, die Konsumenten an die Marke Kattus heranzuführen, und da geht ganz klar Qualität vor Quantität.

Und was macht Sie so zuversichtlich, dass die Übung am Ende gelingt?



Gattermayer: Unser Sortiment ist kein Bauchladen. Wir haben unseren Fokus ganz gezielt auf bestimmten, ausgewählten Kategorien, und so wie in der Vergangenheit werden wir uns auch künftig flexibel an den Markt anpassen.
Herr Dr. Polsterer Kattus, Herr Gattermayer, vielen Dank für das Gespräch!

Johann Kattus GmbH & Kattus VertriebsGmbH - Fakten & Zahlen

Die Geschichte des Unternehmens Kattus beginnt im Jahr 1857 mit der Gründung einer Spezereiwarenhandlung am Hof in der Wiener Innenstadt durch Johann Kattus. Im Jahr 1890 startete Johann Nepomuk Kattus, Sohn des Firmengründers, mit der Sekterzeugung. Neben den Eigenproduktionen Kattus Cuvée N° 1, Kattus Grande Cuvée, Kattus Frizzante und Gianni Kattus Secco vertreibt das Wiener Traditionshaus heute auch so bekannte Marken wie z.B. Corona, Four Roses, Svedka Vodka oder die exklusive Champagnermarke Laurent Perrier.

Die Geschäftsführung der Kattus VertriebsGmbH liegt seit 1. Juli 2010 in den Händen von Mag. Philipp Gattermayer (32) und Andreas Ruhland (29).



Für die neue Kattus Grande Cuvée haben Hausherrin Maria Polsterer-Kattus und Kellermeister Herbert Pratsch nur Weine aus besten heimischen Lagen ausgewählt und verarbeitet.© Foto: Johann Kattus GmbH
Foto: Johann Kattus GmbH
Für die neue Kattus Grande Cuvée haben Hausherrin Maria Polsterer-Kattus und Kellermeister Herbert Pratsch nur Weine aus besten heimischen Lagen ausgewählt und verarbeitet.© Foto: Johann Kattus GmbH
stats