Landwirtschaftskammer Österreich: "Mein Weg i...
 
Landwirtschaftskammer Österreich

"Mein Weg ist das nicht"

Johannes Brunnbauer

… sagte LKÖ-Präsident Josef Moosbrugger im CASH-Gespräch, als es darum ging, auf österreichische Standards zu verzichten, um billiger produzieren und wettbewerbsfähig bleiben zu können. Für ihn braucht es klare Spielregeln, vor allem im Import, mehr Transparenz und Monitoring. Neben der Politik sieht er auch den Handel in der Pflicht.

CASH: Im September ist für Österreich der GAP-Strategieplan (Gemeinsame Agrarpolitik), der unter anderem zur Erreichung der Green-Deal-Ziele beitragen soll, festgelegt worden. Es wurde viel diskutiert. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?
Josef Moosbrugger: Grundsätzlich war es für die Bäuerinnen und Bauern sowie für die Lebensmittelversorgung in Österreich wichtig, dass wir so schnell wie möglich zu einer Einigung mit der Europäischen Kommission gekommen sind und die Genehmigung des GAP-Strategieplans erreicht haben. Es ist ein wichtiges Werkzeug, um den Bauernfamilien eine stabile Grundlage und Planungssicherheit für die nächsten Jahre zu gewähren. Das Geld, das sie bekommen, sind keine Almosen oder Zuschüsse, sondern eine Abgeltung, die in der nachhaltigen Landwirtschaft zum Einsatz kommt, um weiter Leistungen in den Bereichen Artenvielfalt, Biodiversität oder Vielfalt des österreichischen Kulturlandes erbringen zu können. Ich bin froh, dass wir massive Verbesserungen zu dem, was die EU zuerst vorgelegt hatte, erzielen konnten – sei es in der finanziellen Ausgestaltung oder in der weiteren Ausrichtung im Strategieprozess – und dass gleichzeitig die Praktikabilität nicht auf der Strecke bleibt. Denn dass die Inhalte im Alltag leistbar und umsetzbar sind, ist für die Bauernfamilien unerlässlich. Und da haben wir, glaube ich, eine gute Mischung gefunden.

Das Fehlen an Praxisbezügen wird von Ihnen immer wieder kritisiert. Was genau ist denn an den Vorgaben der EU nicht praktikabel?
Dazu zählen ganz unterschiedliche Themen wie bürokratische Auflagen, Anforderungen, dass noch mehr Biodiversitätsflächen dazukommen sollen, Bewirtschaftungsvorgaben. Viele Ziele widersprechen sich. Ich bin davon überzeugt, dass sich Landwirte ihrer Verantwortung bewusst sind, dass sie sich für Bodengesundheit und Tierwohl einsetzen und die Welt nicht als Scherbenhaufen hinterlassen wollen; aber diese Ziele der EU sind aktuell nicht mit den gesellschaftspolitischen Entwicklungen zu vereinbaren.

Inwiefern?
Es hat sich allein in den letzten Monaten sehr viel getan. Wir wissen, dass wir die Abhängigkeit von Russland reduzieren müssen – insbesondere im Bereich der Energie. Gleichzeitig müssen wir die Eigenversorgung mit Lebensmitteln stärken und beibehalten. Wenn ich mir die Pläne der EU anschaue, wollen die genau das Gegenteil. Man kann nicht der Meinung sein, dass Atomstrom grün, Biomasse aber klimaschädlich einzustufen ist, dass man den Pflanzenschutz außer Acht lassen und gleichzeitig bessere Erträge beziehungsweise nachhaltige Effizienz erreichen kann. Ich erwarte mir, dass die Politik auf die Entwicklungen reagiert. Das heißt natürlich nicht, dass wir auf Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft verzichten oder für weniger Biodiversität sind, sondern, dass wir regionale Ressourcen nachhaltig nutzen wollen. Wir lassen in Österreich unser Potenzial durch die Vorgaben aus Brüssel liegen.

Sie haben zusammen mit Marketagent eine Studie herausgegeben, die zeigt, dass sich die Österreicher mehr Unabhängigkeit vom internationalen Handel wünschen. Man muss aber auch dazu sagen, dass der Selbstversorgergrad in Österreich in vielen Bereichen nicht gegeben ist – Milch, Rind- und Schweinefleisch einmal abgesehen. Wie soll das also funktionieren?
So schlecht sind wir nicht unterwegs. Wir haben sehr viel Grünland und Bergregionen, wo zugegeben der Ackerbau nicht einfach ist, wir uns allerdings in der Viehhaltung glücklich schätzen können. Auch bei Brotgetreide sind wir gut aufgestellt und produzieren mehr, als wir in Österreich brauchen. Aber ich habe leider auch die Befürchtung, dass etwa in der Schweinefleischproduktion viele Landwirte irgendwann sagen, dass sie nicht mehr weitermachen, da es so viele Regulierungen gibt und die Konsumenten eher zu billigeren Produkten aus dem Ausland greifen.

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