Molkerei Alois Müller: Markus Witt: Gratwande...
 
Molkerei Alois Müller

Markus Witt: Gratwanderung

Johannes Brunnbauer

Für Markus Witt, Key Account Manager der bayrischen Molkerei Alois Müller, besteht die Kunst einer Innovation darin, neue Bedürfnisse beim Kunden zu wecken. Im Interview verrät er unter anderem wie wichtig dieser Bereich für Müller ist und welche Rolle Handelsmarken dabei spielen.

CASH: Herr Witt, wie entwickelt sich die Molkerei Müller in ­Österreich?
Markus Witt: Gut. Wir haben den Anspruch, immer erfolgreicher als im Vorjahr zu sein und da 2018 für uns sehr gut verlaufen ist, war es heuer eine Herausforderung das zu toppen, aber wir haben es trotz einiger Schwierigkeiten geschafft. Das erste Halbjahr lagen wir leicht über dem Vorjahr.

Welche Herausforderungen waren das?
Eine Herausforderung ist natürlich, dass wir uns in einem rückläufigen Markt bewähren müssen. Eine weitere ist das Sortimentsgeschäft. So werden teilweise Marken durch Eigenmarken ersetzt oder Handelspartner nehmen interne Sortimentsoptimierungen vor, die zu unseren Lasten gehen.

Ich nehme an, Sie beziehen sich hier auch auf Rewe International?
Das möchte ich weder bestätigen noch verneinen. Sie werden sicher verstehen, dass ich über einzelne Handelspartner und Listungen nichts sagen möchte.

Können Sie dann vielleicht verraten, womit Sie diese Ausfälle kompensiert haben?
Indem wir neue Listungspositionen bei Handelspartnern erreicht haben, bei denen wir uns glücklicherweise sehr gut entwickeln. Neben dem Standardsortiment pushen uns hier auch ganz stark In-out-Aktionen.

Einige Händler kritisieren vielfach, dass die Industrie mangelnde Innovationskraft an den Tag legt und nutzen das als Daseinsberechtigung für ihre Eigenmarken. Gerade den Molkereien kann man einen solchen Vorwurf nicht machen und doch ist das eine Warengruppe mit beachtlichem Eigenmarkenanteil. Wie sehen Sie das?
Ich denke, dass speziell im Mopro-Bereich die Hersteller eine große Innovationskraft haben. Es ist durchaus legitim, dass der Handel in dieser Warengruppe Handelsmarken herausbringt. Die Frage ist aber, inwiefern das vonseiten des Handels wirklich innovativ und nicht nur kopiert ist. Am Ende des Tages ist es leider manchmal wertvernichtend, da teilweise Markenhersteller ausgetauscht werden und darüber hinaus weniger Ressourcen bleiben, um zu forschen und um weitere Innovationen zu lancieren.

Was sind denn derzeit große Trends?
Ein positiver Trend ist derzeit Protein respektive auch Skyr. Es gibt darüber hinaus eine verstärkte Nachfrage nach Natur­joghurt; das bedeutet gleichzeitig einen Negativtrend beim Fruchtjoghurt. Wobei wir hiervon glücklicherweise in Österreich nicht betroffen sind. Wir konnten bei Fruchtjoghurt sogar fast zehn Prozent zulegen.

Muss man Ihrer Meinung nach jeden Trend aufgreifen?
Man muss sich bei jedem Trend überlegen, wie stark man daran glaubt und wie viel man in diesen investieren möchte. Wenn du falsch liegst, sind die hier getätigten Investitionen unwiederbringlich verloren. Protein ist jetzt im Trend, aber die große Frage, die dir keiner beantworten kann, lautet: Wie lang wird er anhalten?

Wie gehen Sie dann auf Nummer sicher? Erkundigen Sie sich auch beim Handel, ob Interesse an High-Protein-Produkten besteht, bevor Sie hier investieren?
Das ist sicherlich auch eine Möglichkeit. In dem einen oder anderen Fall fühlt man auch wirklich vor. Aber in der Regel verlassen wir uns auf die Marktforschung und Konsumentenumfragen und entscheiden dann, ob es Sinn hat in einen bestimmten Bereich zu investieren.

Würden Sie Müller als eine sehr innovative Molkerei bezeichnen?
Wir sind nicht ohne Grund Marktführer in Deutschland, sondern weil wir auch gänzlich neue Produkte in den Markt bringen. Wir sind auch bemüht Innovationen zu bringen, aber wenn man sich das Kühlregal anschaut und Konsumenten befragt, sieht man, dass schon sehr viele Bedürfnisse befriedigt werden. Die Kunst besteht darin, neue Bedürfnisse zu wecken. Dieses Geschick hat kein Hersteller für sich patentiert, es ist vielfach Glückssache. Wir sind aber ständig bemüht, unseren Kunden etwas Neues zu bieten, das sieht man auch an den vielen saisonalen Sorten, die wir jährlich lancieren.

Ein Trend hierzulande, auf den sich viele Händler und einige Molkereien fokussieren, ist Glas-Mehrweg. Planen Sie auch einen Gebindeumstieg?
Glas-Mehrweg ist definitiv eine Verpackungsalternative. Wir haben die Umweltproblematik selbstverständlich wahrgenommen und sind auch selbst dran interessiert, unsere Verpackungen zu verbessern und zum Beispiel recyceltes oder recycelbares Material einzusetzen oder die Dickwandigkeit der Becher und Flaschen zu optimieren. Aber wir haben momentan keine Intention in Mehrweg-Glas zu investieren. In der Vergangenheit haben Ökobilanzen ergeben, dass Glas-Mehrweg nicht die optimale Verpackung für Milchprodukte ist. Insofern forschen wir an weiteren Verpackungsoptimierungen, schließen aber Kunststoff hier grundsätzlich nicht aus.

Was wäre eine gute Alternative?
Eine große Herausforderung ist die Reduktion von Plastik, wir haben uns hier die Einweg-Deckel auf den 500-Gramm-Naturjoghurts vorgenommen. In Deutschland wurde im Oktober eine Aktion gestartet, bei der wir die Einweg-Deckel komplett weglassen und stattdessen spülmaschinenfeste Mehrweg-Deckel dazugeben. Nach dieser Aktion wollen wir zur Gänze auf Deckel verzichten. Wir werden eine solche Promotion nochmals wiederholen, für alle, die noch Deckel brauchen. Das ist für unser Unternehmen eine komplexe Angelegenheit, aber wenn das wie geplant umgesetzt werden kann und und unserer Kunden diesen Schritt positiv sehen, spart es mehrere Zehntausend Tonnen Plastikmüll ein.

Müller ist eine von wenigen Molkereien, die sehr viele Gewinnspiele für Konsumenten machen. Welchen Mehrwert bringt das und geht es primär um Absatzsteigerung oder Kundenbindung?
Ziel ist hier eine Absatzintensivierung. Man kann bestimmt nicht jedes Gewinnspiel in Euro ummünzen, teilweise dienen diese Maßnahmen auch der Kundenbindung an die Marke. Seit sieben Jahren ist beispielsweise unsere Müllermilch Muh-Promotion unglaublich erfolgreich.

Herr Witt, vielen Dank für das Interview!

Unternehmensgruppe Theo Müller
Mitarbeiter: 24.000
Produktionsstätten: 21
Gesamtumsatz 2018: 5,9 Mrd. Euro
Umsatzverteilung auf die drei Standbeine: ­Molkereiprodukte (4,5 Mrd. €), Feinkost/Dressing (670 Mio. €), Logistik & Dienstleistung (730 Mio. €)
Molkereiprodukte
Marken: u.a. Müller, Weihenstephan, Almhof, Pragolaktos, Loose, Sachsen Milch, TMA (Handelsmarke), Milk & More
Verarbeitete Milchmenge: rd. 6 Mrd. kg
Mitarbeiter: 13.000
Produktionsstätten: 14 (3 in Deutschland, 10 in Großbritannien, eine in Tschechien)
Distributionszentren: 80
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