Mondelez Österreich: Ludwig Askemper: Die Kun...
 
Mondelez Österreich

Ludwig Askemper: Die Kunden glücklich machen

Markus Wache

Das ist das Ziel von Ludwig Askemper, der seit etwa einem halben Jahr an der Spitze von Mondelez Österreich steht. Wie er den heimischen Handel in Gesprächen erlebt und warum ihn die Aktionspolitik nicht aus der Ruhe bringt, schildert er im CASH-Interview.

CASH: Herr Askemper, Sie sind seit fast zehn Jahren bei Mondelez tätig, seit Mai 2019 leiten Sie das Geschäft in Österreich. Wie haben Sie die ersten sechs Monate in Ihrer neuen Funktion erlebt?
Ludwig Askemper: Als Deutscher aus dem Ruhrgebiet ist Wien natürlich eine großartige Stadt, die ja auch regelmäßig als lebenswerteste ausgezeichnet wird. Wichtig war mir, dass sich auch meine Frau und unser vierbeiniges Familienmitglied, ein Hund aus dem Tierheim, wohlfühlen. Ich war überrascht, wie freundlich die Wiener gegenüber Hunden sind. Ich fühle mich persönlich gut angekommen. Und was die Arbeit betrifft freue ich mich über ein top motiviertes, frisches Team. Wir ziehen alle an einem Strang und wollen unsere starke Position im Snacking-Bereich gemeinsam ausbauen.

Was haben Sie sich diesbezüglich konkret vorgenommen und wie zufrieden sind Sie denn mit der aktuellen Geschäftsentwicklung?
Unser Ziel ist es, gemeinsam mit dem Handel Wachstum zu generieren und alle unsere Marken zu stärken. Dazu sind wir aktuell in sehr guten Gesprächen mit unseren Handelspartnern. Das Geschäft entspricht unseren Erwartungen, wobei das wichtige vierte Quartal und damit das Weihnachtsgeschäft noch ansteht. Wir sind mit Milka Nikolo und Co jedenfalls bestens dafür gerüstet.

Sie waren für Mondelez in zahlreichen Ländern tätig. Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit dem österreichischen Handel?
Meine bisherige Beobachtung des österreichischen Handels zeigt mir, dass es hier stolze Händler gibt, die tolle Leistungen vorweisen können und ich erlebe sie als gute, respektvolle Zuhörer. Im Vergleich zu anderen Ländern sind sie sehr selbstbewusst, und das zurecht.

Sie sagen, Sie erleben die heimischen Händler als gute Zuhörer. Wie ist es um deren Verständnis bestellt, wenn Sie Ihre Argumente für Listungen vorbringen? Immerhin ist der Platz im Regal ja bekanntlich beschränkt und Mondelez traditionell sehr innovationsfreudig.
Unsere Marken bleiben durch Innovationen lebendig. Sie sind Teil unserer Strategie und der Treiber für zusätzlichen Umsatz sowie Wachstum des Marktes. Wir sehen uns selbstverständlich kontinuierlich an, was für die Konsumenten Relevanz hat, belegen das mit Zahlen, Daten und Fakten und dann findet dementsprechend auch immer wieder ein Abtausch zwischen alt und neu statt. Wir machen ja keine Innovationen, um 100 Prozent Regalanteil zu haben, sondern was wir im Handel erreichen wollen, ist Sichtbarkeit und eine endverbraucherfreundliche Darstellung. Das wiederum hilft auch unseren Partnern ihre Ziele zu erreichen. Wir haben eine gute Ausgangssituation, aber Verbesserung ist natürlich immer möglich.

Haben Sie ein konkretes Beispiel für mich?
Was Handel und Industrie vereint ist, die Konsumenten glücklich zu machen. Zu einem zufriedenstellenden Einkaufserlebnis gehört für mich eine horizontal aufgestellte, gut lesbare Platzierung der Milka-Tafelsorten im Regal und in der Aktionsplatzierung. Da gibt es sicherlich noch Elemente der Verbesserung.

Und wie sehen Sie die Aktionspolitik im österreichischen Handel? Der Kampf um Marktanteile wird doch sehr stark über den Preis geführt.
Das sehe ich gar nicht so. Da hilft mir vielleicht mein deutscher Background, wo es teilweise deutlich aggressiver ist. Ich kenne aber auch die andere Seite, wie zum Beispiel in Norwegen, da ist dann Österreich vergleichsweise aggressiv. Was in Österreich allerdings auffällig ist, sind die unterschiedlichen Mechaniken rund um 2+1, Bonusprogramme, Rabatte für Warengruppen und dergleichen – hier ist es extrem spannend herauszufinden, was einen tatsächlichen Mehrwert für alle Akteure bringt.

Mehrwert zu bieten ist auch ein Thema, das Sie sich mit der globalen Unternehmensvision „Snacking made right“ auf die Fahnen heften. Wie gut lässt sich diese Strategie auf den österreichischen Markt übertragen?
„Snacking Made Right“ begleitet uns nun schon ein Jahr und baut auf drei Eckpfeilern auf: Der richtige Snack, für den richtigen Moment, richtig gemacht. Das bedeutet, dass wir mit großartigem Geschmack, starken Marken und breiteren Produktkategorien Konsumentenbedürfnisse in Bezug auf lokale Relevanz, Convenience sowie Mindfulness richtig adressieren und zudem stolz darauf sind, was wir produzieren. Wir überzeugen mit Kompetenz, Nachhaltigkeit und Qualität. Wie wir diese Strategie auf den österreichischen Markt übertragen, lässt sich konkret anhand unserer Neuprodukte Milka Zarte Momente und Milka Dark Milk zeigen. Milka vereint gleich mehrere Eigenschaften, die aus unserer Sicht einen richtigen Snack ausmachen, aber ganz wesentlich hier ist natürlich der einzigartige und beliebte Milka-Geschmack und die lokale Stärke der Marke Milka. Mit Milka Zarte Momente haben wir hier gleich mehrere Konsumentenbedürfnisse aufgegriffen: vorportionierte Produkte, die „portion-control“ ermöglichen, sich perfekt zum Teilen eignen und einen hohen Verwöhnappeal haben. Milka Dark Milk wiederum liefert den Verwöhnmoment am Abend nach einem langen Tag. Und last, but not least sind die Produkte auch richtig gemacht, weil die Marke Milka bereits seit 2018 Teil unseres globalen Nachhaltigkeitsprogramms für Kakao, Cocoa Life, ist.

Bei Mondelez wird vieles international gesteuert, wie viel Handlungsspielraum haben Sie eigentlich, um die Performance hierzulande zu gestalten?
Weil Österreich, als Kernland der Marke Milka, so wichtig für den Konzern ist, bekommen wir auch eine ordentliche Portion Unterstützung. Es ist also eher umgekehrt: Ich habe die Möglichkeit, mir Unterstützung zur Erreichung des Österreich-Ziels aus dem großen Konzern zu holen. Um größere Synergien zu schaffen, orientiert sich Österreich wieder stärker am deutschen Markt, hier profitieren wir von ähnlichen Produkten und derselben Sprache. Es gibt enge Verbindungen nach Zürich zu unserer Europazentrale. Wichtig ist dabei nicht das Thema Hierarchie, sondern wie man das Richtige schnell machen kann und das funktioniert nur über Kommunikation und zusammen wirken.

Herr Askemper, herzlichen Dank für unser Gespräch.

Mondelez International/Milka
Über Ludwig Askemper
Ludwig Askemper ist seit 2010 bei Mondelez International (ehemals Kraft Foods) tätig, zunächst als Vertriebsleiter für die Kategorien Schokolade, Kekse und Bonbons in Deutschland. Im Jahr 2012 übernahm er als Managing Director die Verantwortung für die nordischen Länder, ehe er Mitte 2014 an Transformationsprojekten in mehreren europäischen Ländern arbeitete und die Position des Sales Director Strategy für Deutschland, Österreich und die Schweiz inne hatte. Zuletzt leitete der 55-Jährige als Managing Director die Geschäfte in den Märkten Tschechien und Slowakei. Vor seinem Engagement bei Mondelez International arbeitete Askemper bei Mars Deutschland.
Mondelez-Factbox
  • Nettoumsatz weltweit: 26 Mrd. USD (2018)
  • Mitarbeiter weltweit: 80.000
  • Mitarbeiter Österreich: 460 (Standort Wien + Bludenz)
  • Markenportfolio in Österreich: Milka, Suchard, Mirabell, Oreo, Bensdorp, Toblerone, Tuc, Mikado, Philadelphia

Quelle: Unternehmensangaben

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