Unilever: Nikolaus Huber: Intelligent gemixt
 
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Nikolaus Huber: Intelligent gemixt

Unilever/Bernhard Noll
Nikolaus Huber ist seit Februar Geschäftsführer des Österreich-Ablegers von Unilever.
Nikolaus Huber ist seit Februar Geschäftsführer des Österreich-Ablegers von Unilever.

Einen Österreicher an der Spitze einer Tochter eines internationalen Konzerns sehen die Händler hierzulande gerne. Ein solcher ist seit heuer im Februar ­Geschäftsführer von Unilever Austria: Nikolaus Huber (40) kennt sich nicht nur am heimischen Markt aus, sondern hat auch internationale Expertise, auch in Sachen Preisbildung.

CASH: Herr Huber, Sie haben Unilever in Österreich als Management Trainee kennengelernt, waren danach im Brand- und Key-Account-Management und von 2015 bis 2018 Verkaufsdirektor. Seit rund fünf Monaten sind sie nun der Geschäftsführer von Unilever Austria. Haben Sie diese Erfahrungen für diesen anspruchsvollen Job fit gemacht?
Nikolaus Huber: Ja. Es ist essenziell, entsprechendes Marktverständnis mitzubringen, und das tue ich und hatte so gesehen die besten Startvoraussetzungen.

Es ist ein alter Hut, aber immer Gesprächsthema: Die Spitzenmanager in den Tochterniederlassungen internationaler Konzerne verlassen Österreich nach zwei, drei, vier Jahren. Wie finden Sie das?
In unserem Konzern werden die Länderführungen immer längerfristig besetzt. Kontinuität und die langfristige Entwicklung unserer Organisation ist uns besonders wichtig und mir ein großes Anliegen. Ich bin ja auch nicht unbedingt ein Neuling im österreichischen Geschäft und habe viele und breite Erfahrungen aus meinen damaligen Rollen …

Sie waren wie schon erwähnt unter anderem Verkaufsdirektor von Unilever Austria. Sind Sie ein verkaufslastiger Geschäftsführer?
Das würde ich so nicht sagen. Natürlich hilft mir die damalige Erfahrung und Nähe zum österreichischen Handel. Aber ganz grundsätzlich sehe ich die Hauptaufgabe einer Unternehmensführung darin, im Unternehmen eine Kultur zu fördern, die Innovationsgeist, agiles Arbeiten und digitalen Wandel fördert, denn das werden die entscheidenden Treiber für künftigen Erfolg sein.

Wie gut ist Unilever in Österreich da schon unterwegs?
Unilever Austria ist eine der erfolgreichsten Ländergesellschaften in Europa, und diesen Weg will ich mit meinem Team fortsetzen.

Wo kommen diese Erfolge her?
Zum einen aus einer langen, starken Markenbildung hier in Österreich, wie beispielsweise bei Eskimo, Knorr, Axe und Dove. Zum anderen, weil wir die Anforderungen der Konsumenten, die Mechanismen der Kategorien und die Spezifika der österreichischen Handelslandschaft kennen. Das sind übrigens Schlüsselanforderungen, die ich für meine neue Aufgabe als Geschäftsführer aus meinen bisherigen Tätigkeiten auch mitbringe.

Sie haben die Spezifika der österreichischen Handelslandschaft angesprochen. Unter anderem gehören aus meiner Sicht da die Aktionitis, der ewige Schrei nach Innovationen sowie nach stärkeren Marken der FMCG-Industrie dazu. Worauf legen Sie Wert in der Zusammenarbeit mit dem Handel?
In den meisten Kategorien sind wir der führende Player. Wenn jemand erfolgreich Innovationen auf den Markt bringt, dann sind wir das. Wir haben in diesem Jahr fünfzig neue Eissorten auf den Markt gebracht. Wir bauen den Snackbereich mit der Knorr Sweety-Range aus. Wir haben die neue Cif-Natur-Range auf Basis von natürlichen Inhaltsstoffen gelauncht – um nur ein paar Highlights zu nennen. Wir wollen mit unseren Handelspartnern das Augenmerk auf die werthaltige Ansprache bestehender und neuer Shopper und auf den Ausbau der Kategorien legen. Unser Ziel ist es, mit unseren Marken einen Mehrwert über den reinen Produktnutzen hinaus zu schaffen, für unsere Handelspartner genauso wie für unsere Konsumenten.

Und Sie setzen dabei eben auch auf Nachhaltigkeit, so wie alle anderen.
Ja, selbstverständlich, und ich bin überzeugt, dass diejenigen Marken in diesem Bereich erfolgreich sein werden, die das nachhaltigste Rückgrat haben …

… und die kommen von Unilever …
Wir haben großartige Erfolge, etwa mit Ben & Jerry’s, einer Marke mit hohem ökologischen und sozialem Anspruch. Wir haben gerade die neue Beautymarke Love Beauty & Planet gelauncht (vgl. Seite 82), für die ein ganzheitlicher nachhaltiger Ansatz verfolgt wird, weil wir überzeugt sind, dass man nicht zwischen schönem Haar und strahlender Haut oder einem gesunden Planeten wählen muss, sondern die Chance auf beides haben soll.

Ein Spezifikum ist die Aktionitis im österreichischen Handel. Sie hatten als Customer & Channel-Director die Verkaufsverantwortung für den HPC-Bereich am deutschen Markt – also eine ganz andere Situation, weil dort der Aktionsanteil viel geringer als in Österreich ist. Was ist besser – Aktionitis oder Kurantpreis?
Das kann man nicht mit besser oder schlechter beantworten. In Deutschland gibt es eben eine ganz andere Preismechanik, es werden vielfach Dauerniedrigpreise eingesetzt. Sie vernichten letztendlich Wertschöpfung. Um die geht es mir aber in Zusammenarbeit mit dem in Österreich tätigen Handel. Was Österreich auszeichnet ist, dass man hier möglichst kreative Lösungen sucht.

Wie schaut so eine Lösung aus?
Es ist ein Mix aus Kurantpreisen und intelligenten Aktions-Lösungen, und dieser Mix fördert die Wertschöpfung. Und es war ein wichtiger Aspekt in meiner Zeit in Deutschland, dass ich meine diesbezüglichen Erfahrungen aus Österreich in Deutschland einbringen konnte.

Die vom Handel gesetzten preispolitischen Akzente oder Aktionen sorgen ja manchmal für Missstimmung zwischen Industrie und Handel. Arbeitet Unilever Austria gut mit dem Handel zusammen?
Wir haben eine sehr gute und konstruktive Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit allen unseren österreichischen Handelspartnern. Das ist eine ganz wichtige Voraussetzung, wenn man gemeinsam für Wertschöpfung auf diesem Markt sorgen will.

Durchkreuzt Ihnen da die eine oder andere Eigenmarke Ihre Pläne?
Überall da, wo Eigenmarken signifikant an Bedeutung gewinnen, hat die Markenartikelindustrie etwas verabsäumt. Aus der Perspektive von Unilever Austria sehe ich die immer wieder aufflammenden Diskussionen ziemlich entspannt, denn wir führen integre und extrem stark geladene Marken, wir innovieren kontinuierlich und wir bewerben konstant.

Also kein Problem mit Eigenmarken?
Nur dann, wenn sie rein aus einem Anteilsdogma heraus ausgebaut werden und nicht um relevante Konsumentenbedürfnisse zu bedienen und Kategorien zu beleben.

Stichwort beleben: Die Rewe International ist mit dem Kundenclub jö Bonus Club gestartet. Seitens der Industrie ist von einigen zu hören, man werde eingeladen, sich daran zu beteiligen. Wurde Unilever Austria auch schon eingeladen?
Wir verfolgen den Launch der neuen Kundenklubkarte und die damit verbundenen Kundenbindungsmaßnahmen der Partnerunternehmen natürlich sehr aufmerksam. Grundsätzlich wollen wir den Shopper auch verstärkt über maßgeschneiderte Angebote im Rahmen der Consumer-Journey adressieren …

… also ist der jö Bonus Club interessant für Sie?
Wir wollen verstärkt maßgeschneiderte Angebote adressieren und die kontinuierliche Optimierung unterschiedlicher Touchpoints ist Teil unserer Kampagnen. Wenn sich hier Möglichkeiten ergeben, die neue Plattforum und die damit verbundenen Insights wertschöpfend für unsere Marken zu nutzen, sind wir gerne gesprächsbereit.

Möglicherweise müssen Sie das in diesem Jahr auch hinsichtlich der vielen Jubiläen sein, die die Händler feiern, wie etwa Spar, Billa, MPreis, Ja! Natürlich, Clever usw. Solche Jahre sind für die Händler, aber natürlich auch für die Industrie immer sehr speziell. Was möchten Sie mit den Jubilaren erreichen?
Vorneweg möchte ich allen unseren Kunden zu diesen schönen Jubiläen gratulieren. Es zeigt, dass sie lange und kontinuierlich erfolgreich Geschäfte aufgebaut und weiterentwickelt haben. Wir möchten mit unseren Innovationen und starken Kernmarken auch weiterhin stark zu ihren Erfolgen beitragen.

Herr Huber, vielen Dank für unser Gespräch!

Nikolaus Huber, ad personam
Studierte von 1998 bis 2004 Handelswissenschaften auf der WU in Wien.
Startete danach sofort und blieb bis 2007 bei Unilever als Management Trainee.
Anschließend übernahm er bis 2014 Führungspositionen in Marketing und im Verkauf im In- und Ausland, u.a. Brand- und Key Account Management (Unilever Austria), Head of Trade Management/Bereich Refreshment (Unilever Deutschland).
Von 2015 bis 2018 war er Verkaufsdirektor von Unilever Austria.
Unmittelbar anschließend übernahm er als Customer & Channel-Director die Verkaufsverantwortung für den gesamten HCP-Bereich am deutschen Markt.
Im Februar 2019 kehrte der gebürtige Österreicher von dort direkt als Geschäftsführer von Unilever Austria wieder in die Heimat zurück.
Nikolaus Huber im Wordrap
Ich freue mich, wieder in Österreich zu sein, weil unser Unilever Austria-Team das beste und erfolgreichste in ganz Europa ist!
Ich gehe gerne einkaufen, weil ich einfach gerne shoppe und ich außerdem unser kritischster Konsument bin.
Ich teste alle unsere Produkte, damit ich weiß, wovon ich rede. Außer bei unseren Beauty-Produkten für die Damen – da vertraue ich auf mein Team – und meine Frau.
Ich möchte die Zusammenarbeit mit dem Handel noch stärker auf Wertschöpfung und nachhaltiges Wachstum ausrichten – und beim nächsten CASH Handelsforum wieder ganz entspannt abrunden.
Top-5-Marken von Unilever Austria
Knorr
Eskimo
Axe, Dove
Cif
Kuner

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