Upfield Austria: Philip Siegel im Interview: ...
 
Upfield Austria

Philip Siegel im Interview: Nahtlose Übernahme

Johannes Brunnbauer
Philip Siegel will der Margarine zu neuem Ruhm verhelfen. © Johannes Brunnbauer
Philip Siegel will der Margarine zu neuem Ruhm verhelfen. © Johannes Brunnbauer

Upfield Austria hat die Margarine-Marken der Unilever übernommen und möchte den Bereich aufmischen. Was man besser machen möchte als der Vorgänger, verrät Upfield Austria-Geschäftsführer und zuletzt Unilever Food-Kategoriedirektor Philip Siegel.

CASH: Herr Siegel, Upfield Austria ist nach dem Verkauf der Margarine-Sparte von Unilever entstanden. Worum wird sich die neue Firma künftig konkret kümmern und wie lässt sich ihr Geschäftszweck beschreiben?
Philip Siegel:
Upfield übernimmt das Margarine-Geschäft von Unilever als eine neu gegründete Firma. Wir sind ein eigenständiges Konsumgüterunternehmen mit den Marken Rama, Thea, Lätta und Becel als Kernmarken. Wir bauen auf dem Thema Margarinen auf und erweitern den Bereich auf die Ebene der pflanzlichen Ernährung. Pflanzliche Ernährung wächst stark, Margarine ist hingegen ein Bereich, der historisch gesehen, nicht gewachsen ist. Unser Ziel ist es, in diese Kategorie Stabilität reinzubringen und in wachsende Märkte reinzukommen. Wir richten unser komplettes Augenmerk darauf. Das ist Unilever in den letzten Jahren leider nicht gelungen, da man den Fokus international nicht auf diesem Bereich gehabt hat.

Upfield ist also kein Tochterunternehmen der Unilever?
Nein. Hinter Upfield steht der Finanzinvestor KKR. Bis auf eine gemeinsame Geschichte haben wir mit Unilever in Zukunft nur in einigen wenigen Bereichen Gemeinsamkeiten. Einer dieser Kooperationsbereiche ist zum Beispiel die vorläufig gemeinsame Bestellannahme und Kundenbelieferung. Wir werden in diesen beiden Punkten auch noch weiterhin mit Unilever zusammenarbeiten, bis wir in der Lage sind, es selber zu übernehmen.

Was heißt das für Ihre Kunden?
Für unsere Kunden wird es einen reibungslosen Übergang geben. Darin liegt auch die große Herausforderung und der Grund, weshalb wir die Bestellannahme und Auslieferung nicht von Anfang an selbst übernehmen wollten. Das ist ein komplizierter Prozess, der Zeit braucht und wir wollten ihn nicht schnell über den Kamm scheren. Wir wollen die aus der Vergangenheit gute Zusammenarbeit mit der gleichen Intensität oder auch noch besser fortführen. Kontinuität ist uns sehr wichtig.

Wann werden Sie dazu selbstständig in der Lage sein?
Es ist schwierig, das jetzt schon zu sagen. Wir möchten 2019 in einigen Pilotländern alle Systeme bereit haben und die Prozesse übernehmen. Wenn das dort erfolgreich am Laufen ist, gibt es einen schnellen Roll-out in alle Länder.

Sie arbeiten derzeit mit Unilever zusammen und suchen noch nach einem eigenen Büro. Bei welchem Schritt sind Sie momentan?
Der erste Schritt war es, ein Team zu rekrutieren und alle Mitarbeiter an einen Standort zusammenzubringen, um die Übergabe zu machen. Nun arbeiten wir an der Kundenübernahme.

Wie viele Mitarbeiter hat Upfield Austria und wie viele davon kommen von Unilever?
Wir haben zwölf Mitarbeiter, mehr als die Hälfte kommt von Unilever. Der Rest ist von anderen Konsumgüterunternehmen.

Sind das hauptsächlich Kollegen, die auch den Margarine-Bereich betreut haben?
Wir haben natürlich auch Mitarbeiter übernommen, die vornehmlich für Margarine gearbeitet haben, aber auch einige aus anderen Bereichen, wie Home & Personal Care. Wir haben sowohl extern als auch intern Recruitings durchgeführt.

Bleibt der Bereich Food Solutions für Großverbraucher im ­Unilever-Vertrieb?
In diesem Bereich wird Unilever als Distributor für uns weiterarbeiten. Wir haben hier auch einen Vertrag über einen längeren Zeitraum abgeschlossen.

In wie vielen Ländern wurde Upfield neu gegründet?
Upfield wurde nach dem Kauf der Margarinesparte im Juli zeitgleich in 66 Ländern gegründet. Wir durchlaufen alle gerade dieselben Prozesse, wie Team Recruiting, Kundenübernahme, Suche nach einem Firmensitz, um dann in weiterer Folge immer mehr in die Selbstständigkeit überzugehen und zwar so, dass es auf Stabilität aufbaut und es keine groben Einschnitte für unsere Kunden gibt.

Kommen wir auf den Markt zu sprechen. Wie viel Wachstum ist hierzulande überhaupt möglich beziehungsweise realistisch?
Der Bereich der Aufstriche zu dem Butter, Margarine und Mischfette gehören, hat in Österreich eine Nielsen-Umsatzbedeutung von knapp unter 300 Millionen Euro. Der Konsum ist über die letzten zwölf Monate auch relativ stabil. Das Segment wird in Österreich stark durch Butter dominiert, die auch die klare Nummer eins bei den Aufstrichen ist. Für uns als Upfield heißt es nun, unsere Produkte klar zu positionieren, sodass sie einen Mehrwert gegenüber der Butter liefern.

Der Upfield Austria-Geschäftsführer war zuvor jahrelang bei Unilever tätig, zuletzt als Food-Kategoriedirektor. © Johannes Brunnbauer
Johannes Brunnbauer
Der Upfield Austria-Geschäftsführer war zuvor jahrelang bei Unilever tätig, zuletzt als Food-Kategoriedirektor. © Johannes Brunnbauer

Gibt es schon erste Ansätze, wie Ihnen eine Umkehr gelingen soll?
Wir möchten den Trend zu pflanzlichen Produkten nützen, nachdem viele Menschen auf tierische Erzeugnisse verzichten, um uns hier erfolgreich zu behaupten. Wir investieren bereits in diesem Jahr sehr viel in die Kommunikation. Wir sind eindeutig der Werbeführer in dem Segment, auch im Vergleich zur Butter. Gleichzeitig arbeiten wir intensiv an weiteren Innovationen und Rezepturen.

Wie hat sich Ihre bedeutendste Marke Rama bisher entwickelt – auch unter dem Dach der Unilever?
Das ist von Bereich zu Bereich unterschiedlich. Bei Obers­produkten hat Rama grundsätzlich eine positive Entwicklung verzeichnet, im Bereich der Margarine war sie eher rückläufig. Rama hat noch ein großes Potenzial, das wir ausschöpfen möchten. Wachstum ist auf jeden Fall noch möglich.

Woran ist Unilever hauptsächlich gescheitert und was möchte Upfield besser machen?
Unilever hat es in der Vergangenheit nicht geschafft, den positiven Eindruck, den Konsumenten von pflanzlicher Ernährung haben, auch auf Margarine zu transferieren. Wir wollen den Marken den richtigen Fokus geben, den sie im Setting von Unilever nicht gehabt haben. Außerdem möchten wir uns mit den Marken auch aus dem Kernbereich der Margarine heraustrauen und mit Innovationen auch in andere Kategorien übergehen. Erreichen möchten wir das u.a. auch durch höhere Investitionen in Werbung. Wir haben dafür auch eine große Unterstützung durch unsere Handelspartner. Es ist in beidseitigem Interesse, den Bereich zum Wachsen zu bringen.

Werden Sie einige Marken überarbeiten oder neue zukaufen?
Ziel ist es, die Marken moderner zu gestalten. Wir haben teilweise Marken, die etwas altmodisch wirken, jedoch eine große Tradition haben. Die Herausforderung wird es sein, diese Tradition zu erhalten und die Marke dennoch für eine jüngere Zielgruppe attraktiver zu machen. Es ist auch durchaus denkbar, dass wir neue Marken in unser Portfolio dazunehmen.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

„Für unsere Kunden wird es einen reibungslosen Übergang geben“, bekräftigt Siegel:
Johannes Brunnbauer
„Für unsere Kunden wird es einen reibungslosen Übergang geben“, bekräftigt Siegel:
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