Rupp: Preisrallye immer belastender
 
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Preisrallye immer belastender

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Rupp-Vorstand Daniel Marte fordert vor dem Hintergrund des immer höheren Kostendrucks mehr Verständnis für die heimische Milchwirtschaft.

CASH: Herr Marte, konnten Sie wesentliche Ziele für Ihr Vorstandsmandat in den vergangenen zwei Jahren verfolgen oder funkte die Coronapandemie bei dem einen oder anderen dazwischen?
Daniel Marte: Gemeinsam mit mir gab es ja einen Generationenwechsel im Vorstand. Dabei haben wir uns im Team sehr ambitionierte Ziele für die kommenden Jahre gesteckt. Allerdings kam gleichzeitig Corona, was uns im Tagesgeschäft sehr bindet: Unser gesamtes Augenmerk in dieser Pandemie galt der Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Aufrechterhaltung der Lieferfähigkeit. Diese Priorität bindet uns bis heute. Dank einer starken Belegschaft und einem guten Zusammenhalt ist uns dies bisher sehr gut gelungen.

Und wie hat sich das Unternehmen in dieser Zeit entwickelt?
Die Unternehmensentwicklung war 2021 zufriedenstellend. Wir konnten den Umsatz auf 235 Millionen Euro steigern. Allerdings hat ab Mitte des Jahres die Preisrallye in allen Bereichen gestartet und es ist leider noch kein Ende der Fahnenstange in Sicht. Diese Entwicklung hat ein historisches Ausmaß angenommen und ist für alle Beteiligten in der Lieferkette nicht einfach.

In welchen Bereichen empfinden Sie die Mehrkosten derzeit am belastendsten?
Die Kostensteigerungen treffen uns mit voller Wucht. Wurde in der Vergangenheit über die Rohwaren wie Milch, Käse, Butter, Magermilchpulver gesprochen, kommen mittlerweile alle Produktkomponenten zu tragen und bringen deutliche Kostenerhöhungen mit sich. Neben der Preissteigerung ist es auch immer mehr eine Frage der Lieferzeit der einzelnen Komponenten und Verfügbarkeit. Wir sind ständig im Kontakt mit unseren Vorlieferanten und gleichzeitig auch mit unseren Abnehmern, um hier größtmögliche Transparenz zu schaffen hinsichtlich der Preise. Die Warenversorgung zu gewährleisten, ist eine große Herausforderung.

Wie laufen dahingegen die Preisverhandlungen mit dem Handel? Konnten Sie bereits eine angemessene Anpassung durchsetzen oder werden weitere Nachschärfungen notwendig sein?
Wir stehen im engen Austausch mit den Handelspartnern, um die erforderlichen Preiserhöhungen zeitnah umzusetzen. Rohstoffe, Packmittel, Energie, Personal und Logistik – alle Faktoren in der Supply Chain sind betroffen. Die Preise an den Beschaffungsmärkten sind exorbitant gestiegen und steigen weiterhin. Gleichzeitig hat sich wie erwähnt die Verfügbarkeit enorm verknappt und wir sind tagtäglich damit beschäftigt, die Warenversorgung dauerhaft sicherzustellen. Leider verschließen manche Handelspartner ihre Augen vor dieser Lage und zeigen sich wenig partnerschaftlich in den Gesprächen. Der österreichische Handel muss sich endlich seiner Gesamtverantwortung für die Milchwirtschaft bewusstwerden und die Realität an den Märkten eingestehen. 

„Der österreichische Handel muss sich endlich seiner Gesamtverantwortung für die Milchwirtschaft bewusst werden und die Realität an den Märkten eingestehen.“
Daniel Marte

Den Löwenanteil des Umsatzes generieren Sie aber im Ausland. Wie ist die Lage im Exportgeschäft?
Die Entwicklung des Exportgeschäftes ist für uns sehr zufriedenstellend und wir konnten die Exportquote mittlerweile auf 93 Prozent steigern. Unseren Käse findet man in 65 Ländern rund um den Erdball. Einen wichtigen Beitrag hierzu leistet auch unser Vertriebsbüro in Dubai, in dem mittlerweile sechs Personen arbeiten und die unterschiedlichsten Märkte auch vor Ort betreuen.

In welchem Ausmaß erwarten Sie sich direkte Auswirkungen durch den Krieg in der Ukraine?
Wir sind in diesen beiden Ländern nicht tätig. Der Krieg in der Ukraine und der Einmarsch von Russland ist eine unglaublich schreckliche Situation und kaum zu fassen, dass dies in Europa passiert. Die Sanktionen treffen uns auf unterschiedliche Weise, weil dadurch sicherlich erneut nachhaltige Kostensteigerungen im Bereich Energie, aber auch im Bereich Futtermittel für die Milcherzeugung zu erwarten sind.

Die Marke Rupp hat das vergangene Jahr mit einem neuen Markenauftritt beendet. Wie fällt Ihr Resümee aus, ist der Relaunch gelungen?
Ja, der Relaunch ist absolut gelungen. Das Ziel war und ist die Marke für junge Österreicherinnen und Österreicher zu öffnen, auf deren Bedürfnisse einzugehen und die Innovationskraft der Marke Rupp zu unterstreichen. Durch den Relaunch der Website, die angepassten Verpackungsmaterialien und die neue Kampagne „Käse wie wir ihn lieben“ haben wir die verschiedenen Touchpoints genutzt, um genau das zu erreichen. Das Feedback der Konsumenten hat uns dabei bestätigt. Auch vom Handel haben wir ein überaus positives Feedback zum neuen Markenauftritt bekommen. Wir arbeiten auch bereits an der Fortsetzung der Kampagne für kommendes Frühjahr, in der wir zum Teil den Handel noch stärker integrieren werden.

Die Marke Alma hat im Vorjahr ihr 100-jähriges Jubiläum gefeiert. Mit welchen Aktivitäten wollen Sie die Marke in Zukunft weiterhin attraktiv halten?
Heumilch, nachhaltige Landwirtschaft, Tierwohl und geschützter Ursprung bereiten den Weg in die Zukunft. Dabei schreitet das Team von Alma mutig und zeitgemäß in die kommende Zeit. Innovative Konzepte wie Pop-up-Stores und Podiumsdiskussionen halten die Marke modern und zollen der langen Historie trotzdem Ehre. Authentizität und Echtheit als zukunftstragende Pfeiler sind darüber hinaus unsere Herzensangelegenheiten und ein zukunftsträchtiger Begleiter.

Wie weit sind Sie mit der geplanten Erweiterung des Stammsitzes in Hörbranz fortgeschritten?
Aktuell laufen Planungen für ein Hochregallager an unserem Stammsitz. Diese sollten in den kommenden Wochen abgeschlossen sein, um dann eine Entscheidungsgrundlage auf dem Tisch zu haben. Ziel ist es dabei die Flexibilität in der Produktion zu erhöhen und in Teilen auch die Arbeitsplätze und die beengte Situation in der Produktion zu verbessern.

Mit welchen Innovationen wollen Sie 2022 punkten?
Unter der Marke Rupp wird im Mai das Eckerl-Neuprodukt „s’Beschte mit Cheddar“ gelauncht. Die acht cremigen Ecken sind perfekt als Brotaufstrich, zum Snacken und Verfeinern von Gerichten wie zum Beispiel für Saucen. Sie sind aktuell die einzigen kühlfrischen Ecken mit der Trendsorte Cheddar auf dem österreichischen Markt. Das Neuprodukt wird durch die erwähnte Kampagne im Frühjahr unterstützt und über OOH, Print und digitale Kanäle breit gespielt. Das Ganze wird durch ein Gewinnspiel mit den Partnern Piatnik, LeCreuset, Napoleon und Adi Matzek abgerundet.

Herr Marte, vielen Dank für das Interview!

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