Schlumberger: Eugen Lamprecht: Plädoyer für d...
 
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Eugen Lamprecht: Plädoyer für den Wein

Philipp Lipiarski

Als Quereinsteiger übernahm Eugen Lamprecht im Juli die Position des Verkaufsdirektors bei Top Spirit. Im CASH-Interview erzählt er von seinem außergewöhnlichen Werdegang, der Zusammenarbeit mit dem Handel und persönlichen Schwerpunkten.

Bei Schlumberger weht ein neuer Wind. Nach Pensionierungen und dem einen oder anderen Wechsel auch innerhalb des Konzerns steht die Geschäftsführung auf neuen Beinen. Neben Vorstandsvorsitzenden Benedikt Zacherl oder Top-Spirit-Geschäftsführer Florian Czink bekleidet nun auch Eugen Lamprecht eine neue
Position. Mit ihm hat sich Schlumberger einen wahren Allrounder an Bord geholt. Der umtriebige Südtiroler mit dem charmanten Dialekt arbeitete unter anderem als Wissenschaftler, Jurist und Sommelier, bevor er 2019 die Geschäftsführung der Schlumberger-Tochterfirmen P.M. Mounier und mit Juli 2021 auch von Top Spirit als Nachfolger von Walter Wallner an der Seite von Florian Czink übernommen hat.

CASH: Herr Lamprecht, Ihr Lebenslauf ist außergewöhnlich. Wie haben Sie all diese unterschiedlichen Stationen an die Spitze von Top Spirit gebracht?
Eugen Lamprecht: Mein Fokus war anfangs relativ klar, ich wollte in die Wissenschaft, habe mein Studium recht zügig durchgezogen, bin ins Ausland gegangen, habe promoviert und zu arbeiten begonnen. Übermäßig glücklich war ich dann allerdings nicht. Nach ein paar Jahren bin ich nach Südtirol zurückgekehrt und war auch dort erstmal als Anwalt tätig, immerhin habe ich das gelernt. Nebenbei habe ich aber auch die Ausbildung zum Sommelier abgeschlossen, die ich einige Jahre zuvor interessehalber mit meinem besten Freund aus Sandkistentagen begonnen hatte. Das Thema hat mich in kürzester Zeit dermaßen fasziniert, dass ich in der Branche Fuß fassen wollte. Also habe ich meinen Job als Anwalt an den Nagel gehängt und das Handwerk von der Pike auf gelernt. Das war eine große Überraschung für alle, als der Herr Doktor plötzlich als Kellner Wein servierte. Aber ich wollte das unbedingt ausprobieren. Für mich war das damals ein Befreiungsschlag, ich war unglaublich glücklich, konnte das machen, was ich wollte. Durch meine Qualifikationen habe ich bald aber auch schon weitere Aufgaben übernommen und dann, als ich bei einer Kellerei als Weinverkäufer gearbeitet habe, immer mal wieder den Geschäftsführer vertreten und irgendwann auch im zugehörigen Tochterunternehmen den Vertrieb geleitet. Später, zurück in der Sommelerie und schon in Österreich zu Hause, bin ich dann mit Schlumberger in Kontakt gekommen und habe eine offene Key-Accounter-Stelle im Weinbereich angenommen, mit der Aussicht, zuerst die Geschäftsführerposition bei der Wein-Vertriebstocher P.M. Mounier, später dann auch bei Top Spirit zu übernehmen.

Sie kommen also eigentlich aus der Gastronomie. Als Geschäftsführer von Top Spirit obliegt Ihnen aber der Handel. Was war für Sie die größte Umstellung?
Es gibt einige sehr große Unterschiede, das ist auch der Grund, warum wir bei Top Spirit zwei Geschäftsführer und unterschiedliche Teams haben. In der Gastronomie geht es zum Beispiel nicht um Aktionen, sondern darum, Marken zu positionieren. Bekanntheit aufzubauen und eine Nachfrage zu generieren. Meine Aufgabe ist es nun, diese Trends dem Handel schmackhaft zu machen.

Wie nehmen Sie die Partnerschaft mit dem Handel wahr? Haben Sie einen konkreten Wunsch an den Handel?
Die Partnerschaft findet prinzipiell auf Augenhöhe statt. Als mittelständisches Unternehmen ist es aber oft herausfordernd, unsere Interessen durchzusetzen. Natürlich kann man für kurzfristige Ziele über Druck arbeiten, zum Beispiel für einen besseren Preis zu Saisonspitzen. Ich bin jedoch überzeugt, dass die Zusammenarbeit deutlich besser funktioniert, wenn man Reibungspunkte vermeidet, sich offen begegnet und Bedürfnisse ausspricht. Aktuell findet meiner Meinung nach ein Umdenken in diese Richtung statt. Mein großer Wunsch ist aber die Regionalität. Im Gegensatz zu Kategorien wie Fleisch und Milch ist das Thema bei Sekt noch nicht voll umgesetzt. Aber wir vertrauen dar auf, dass der Handel sein Versprechen wahr macht und in dieser Produktgruppe mehr auf heimische Produzenten setzt.

Lesen Sie das komplette Interview im E-Paper der Oktober/November-Ausgabe von CASH.
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